Grenzgänge

Kolumne von Andreas Döring - Folge 8

Andreas Döring

Das war am ORTambo Airport, Johannesburg. Gedränge vor der Passkontrolle, es ist heiß – unter meinem Strohhut bilden sich erste Schweiß-Rinnsale. Meine Freundin hat bereits ihren Stempel, ich will gerade an den Schalter, als ich von zwei kräftigen Männern in die Mitte genommen werde. Diskret, aber mit eisenhartem Griff führen Sie mich weg: you follow, Sir.

Das sind so Momente, wo man im Bruchteil einer Sekunde sein ganzes bisheriges Leben abscannt, um auf den kriminellen Akt zu stoßen, für den man jetzt zahlen muss. Noch mehr Schweiß. Meine Freundin kommt laut bellend an: was denn los sei, ich stammele nur she my wife, und dann: „Was haben wir denn falsch gemacht?“ Vor einem kleinen Büro wird uns eröffnet, dass die Videokameras deutlich gezeigt hätten, wie sehr ich schwitze. Ich sei offenbar krank und dürfe auf keinen Fall einreisen. We no go South Africa, we transit Zambia – in diesem 50-Wörter-Englisch ist meine Freundin unschlagbar.

Kurz vor der Grenze – „In den Schluchten des Balkan“. Foto: Andreas Döring

 

Und schon löst sich alles auf als wäre nichts gewesen: Sorry, Sir, sorry Mam und man geleitet uns sogar zu unserem neuen Gate. Ich war ja auch kerngesund, kann nur enge Flieger und große Menschenmengen nicht so gut haben.
O.k., auf Einreisekontrollen bei Fernreisen ist man ja immerhin noch gefasst, aber über Land? In Europa? Ich empfehle den Übergang von Montenegro nach Bosnien-Herze-gowina bei Hum. Sollte eigentlich immer offen sein, war er aber nicht. Eine Straße 3. Ordnung hoch im Gebirge, bei Nieselregen und schlechter Sicht warteten wir vor dem Schlagbaum. Auch hier scannt man alles ab, was einen jetzt in den Knast führen könnte: haben wir die grüne Versicherungskarte und wo ist diese blöde Box mit den Ersatzglühlampen. Eine dunkle Gestalt mit Plastiktüte in der Hand wechselt die Seiten, dann wechselt die Tüte den Besitzer, beide verschwinden im Off. Sag jetzt bloß nichts Falsches, zischelt meine Freundin, beide Pässe griffbereit. Wir warten 10 Minuten und denken schon an Umkehr, als eine schwerfällige Gestalt die Schranke öffnet und uns durchwinkt. Das alles erinnere ich bis heute als Schwarz-Weiß-Film, mit Orson Welles als Grenzer..

Der Braunschweiger Autor, Erzähler und Journalist Dr. Andreas Döring veröffentlicht an dieser Stelle Kolumnen, die von seinen Reisen rund um die Welt erzählen. Wer Anregungen oder Fragen dazu hat, der Autor freut sich. Andreas Döring, E-Mail: dottoredoering@web.de

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