Großartiger Einsatz im Handel | Neue Braunschweiger
20. März 2020
Menschen

Großartiger Einsatz im Handel

Schutz der Mitarbeiter im Mittelpunkt

Marco Weiße demonstriert mit Tanja Hylla am Bäckertresen, was 1,50 Meter Abstand bedeutet. Markierungen am Boden zeigen den Kunden, wo sie stehen sollten.

Mascherode. Marcel Pabst sitzt, oder besser steht, an der Quelle. Mit einer Palette voller Toilettenpapier kommt der junge Mann den Gang entlanggefahren – und wird mit aufmerksamen Blicken verfolgt. Wo geht er mit der kostbaren Ladung hin? Der Einzelhandelskaufmann arbeitet im Görge-Markt Mascherode. Unter besonderen Umständen.

„Ja, auch bei uns sind manchmal die Regale leer“, sagt Verkaufsleiter Marco Weiße, „aber sie werden immer wieder aufgefüllt. Für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund“, macht er deutlich und fügt an: „Außerdem ist es unsolidarisch, sich den Wagen vollzuladen mit einem Artikel, den auch andere gerade benötigen.“ Denn – es sind die Nudeln und das besagte Toilettenpapier, die immer wieder mal ausgehen. Hier wird jetzt reglementiert. Fast alle anderen Regale sind gut gefüllt.

„Es gibt genug Ware und es gibt auch genug Zeit zum Einkaufen“, betont Weiße und hält gegenwärtig auch die in der Politik diskutierten Sonntagsöffnung für nicht notwendig. „Unsere Mitarbeiter sind unsere Helden“, sagt er. „Auch im Namen der Familie Görge kann ich den Dank an unser gesamtes Team aussprechen. Das wird zwar oft und immer wiederholt, aber ist dennoch wahr: Die Menschen, die jetzt im Handel arbeiten, leisten mehr als 100 Prozent. Es kommen sogar Kollegen freiwillig für einige Stunden aus dem Urlaub zurück, wenn sie in unserer Whats-App-Gruppe gelesen haben, dass viel Ware auf einmal geliefert wird. Der Krankheitsstand ist niedrig, der Einsatz hoch.“ Umso wichtiger seien regelmäßige Ruhepausen – und Schutz so gut es geht.

Dieser Schutz der Mitarbeiter liegt vor allem in den Händen von Tamara Görge, die seit 2016 in den zehn Braunschweiger Görge-Märkten ihres Onkels Otto für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zuständig ist. Gerade wurden die Plexiglasscheiben bestellt, die bis Mitte der Woche für die Kassiererinnen und Kassierer einen zusätzlichen Schutz vor Coronaviren bilden sollen. Denn hier an der Kasse sind sie den Kunden am nächsten. „Wir suchen ständig nach neuen Lösungen, um die Hygiene stetig zu verbessern“, erklärt Tamara Görge, „und wir sind dabei eng mit den Mitarbeitern im Gespräch: Was wollen sie? Was brauchen sie?“

Als erstes wurden Stühle aus den Pausenräumen genommen, sodass die Mitarbeiter weiter voneinander entfernt sitzen. Desinfektionsmittel an den Kassen, Handschuhe für die, die es wollen, das ist inzwischen schon Standard. „Meine Aufgabe ist es aber auch, aus der Flut an Informationen, die ständig im Umlauf sind, die Fakten zu filtern und unsere Teams regelmäßig zu informieren“, erklärt die Sicherheitsbeauftragte.

Und sie empfiehlt den Kunden ein Verhalten, das eigentlich als unhöflich empfunden wird: „Jedes Gespräch birgt die Gefahr einer Tröpfcheninfektion“, erklärt sie, „in diesen Zeiten ist Schweigen Gold.“
Auch Marco Weiße hat einen Appell an die Kunden: „Halten Sie sich an die Regeln, damit unsere Mitarbeiter gesund bleiben.“ Damit das leichter fällt, sind im Markt schon an der Tür Hinweisschilder, auch auf dem Boden wird um Abstand gebeten, Markierungen an der Kasse und vor den Verkaufstresen zeigen den nötigen Abstand. Und noch eine Bitte hat der Verkaufsleiter: „Gehen Sie, wenn möglich, regelmäßig einkaufen und nehmen Sie nur das, was Sie brauchen. Verteilen Sie ihre Einkaufstouren über die ganze Woche, damit wir nicht so hohe Frequenzen am Wochenende haben. Und gehen Sie auch zu unterschiedlichen Tageszeiten. Wir füllen bewusst auch nachmittags auf.“

Dass mehr Ware umgesetzt wird, sieht Weiße nicht nur als Zeichen von Hamsterkäufen. „Es wird auch mehr verbraucht“, erklärt er. Wenn das Essen außer Haus wegfällt, muss mehr selbst gekocht und zubereitet werden. „Und offensichtlich wird auch wieder eingekellert“, sagt er, denn auch die Kartoffelsäcke sind heiß begehrt.

Tamara Görge und Marco Weiße sind froh, dass sie „Edekaner“ sind. „Dieser große genossenschaftliche Verbund hilft uns jetzt“, sagt Tamara Görge, „wir tauschen Erfahrungen aus, helfen uns gegenseitig.“
Und die Kunden sind dankbar. Direkt im Laden loben viele die Mitarbeiter und auch auf der Görge-Facebookseite: „Ihr macht das klasse!“ steht da, oder „Danke, dass Ihr für uns da seid, liebe Einzelhändler.“ Bemerkenswert auch ein längerer Eintrag: „…ich wünschte mir, mehr Supermärkte würden so handeln. Die Kunden scheinen weniger verunsichert, wahrscheinlich weil sie etwas geleitet werden.“

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