21. Oktober 2022
Buntes

Große Gefühle, große Namen

Filmfest zeigt im November fast 250 Beiträge • Konzert mit Stummfilmklassiker zum Auftakt

Diese Szene mit Schauspieler Harold Lloyd ist berühmt geworden. Sie stammt aus dem Film „Safety Last!“, der dieses Jahr im Mittelpunkt des Filmkonzerts steht. Foto: Filmfest Braunschweig

Braunschweig. Venedig, Cannes, Hamburg, Braunschweig: An der aktuellen Entwicklung kommt kein Filmfest im Moment vorbei. Und will es auch gar nicht.

Zu tief gehen die Bilder, zu verstörend sind die Nachrichten. Beim 36. Internationale Film Festival (BIFF) vom 7. bis 13. November gibt es deshalb eine Sonderreihe mit dem Schwerpunkt Ukraine. Sieben herausragende Filme aus den Jahren 1991 bis 2021 erzählen Geschichten aus den 30 Jahren der Unabhängigkeit. Möglich wurde die Retrospektive durch eine Zusammenarbeit mit dem Odessa International Film Festival (OIFF) und dem Kyiv International Film Short Film Festival (KISFF).

Das Festival schaue aber auch optimistisch in Zukunft betont Thorsten Rinke, Vorstandsvorsitzender des Filmfest-Vereins. Und hält an guten Traditionen fest. Eine davon ist das Filmkonzert zum Auftakt. Am 7. November „vertont“ das Staatsorchester Braunschweig einen Klassiker der Stummfilm-Ära: „Safety Last!“ von 1923. Berühmt geworden ist die Szene, in der US-Komiker Harold Lloyd an der Uhr eines riesigen Wolkenkratzers hängt.
Das Filmfestival präsentiert aber auch große Namen und Glamour unserer Tage. Einer der Ehrengäste ist Schauspielerin und Produzentin Senta Berger, die mit der „Europa“ ausgezeichnet wird.

Stars zum Anfassen

„Kir Royal“, „Frau Böhm sagt Nein“, „Willkommen bei den Hartmanns“ – Senta Berger ist aus Hunderten Filmen, Fernsehrollen und Theaterproduktionen bekannt. Darüber hinaus Produzentin, Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie und sozial bei Plan International engagiert. Für ihre „herausragende darstellerische Leistung und die Verdienste um die europäische Filmkultur“ erhält die gebürtige Österreicherin am 12. November im Großen Haus den mit 25 000 Euro höchstdotierten Preis des Braunschweig International Film Festivals, die Europa. Zu sehen sind außerdem einige ihre Filme, darunter „Satte Farben vor Schwarz“ mit Bruno Ganz und „Der scharlachrote Buchstabe“ von 1973.
Ein weiterer spannender Gast ist Peter Strickland. Der Filmemacher gilt als Star des zeitgenössischen Arthouse-Films. Von ihm werden insgesamt fünf Langfilme und zahlreiche Kurzfilme gezeigt, außerdem gibt es am 12. November ein Werkstattgespräch mit dem Briten.

Zehn Preise zu vergeben

Insgesamt 246 Kurz- und Langfilme und 52 Premiere, darunter 41 Deutschlandpremieren, sowie viele spannende Sonderaktionen warten beim 36. BIFF auf die Cineasten. Insgesamt zehn Preise mit einer Rekord-Summe von 67 000 Euro werden verliehen. Mit dem neuen Filmpreis „ECHT“ zeichnet das BIFF in Kooperation mit dem Verein für sexuelle Emanzipation zum Beispiel lesbisches, bisexuelles, schwules, trans*, inter und queeres Filmschaffen aus.
Zum „ECHT“ gesellt sich in diesem Jahr außerdem ein weiterer wichtiger Filmpreis: der Kurzfilmpreis „Die EDDA“. Für diese mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung gehen sieben internationale Kurzfilme ins Rennen, den Gewinnerfilm bestimmt das Publikum. Der Preis wird gestiftet von der Stiftung Braunschweiger Land.
Mit jeweils 10 000 Euro dotiert sind der „Volkswagen Financial Services Filmpreis“ sowie „Der Heinrich“ – erstgenannter Jurypreis wird an den besten Debüt- oder Zweitfilm im Hauptwettbewerb verliehen, der Publikumspreis „Der Heinrich“ gilt ebenfalls dem besten Film im Hauptwettbewerb.

Die hiesige Region steht bei der „Heimspiel“-Reihe im Vordergrund: In dieser Kategorie wird der beste Film mit regionalem Bezug mit einem Jurypreis ausgezeichnet. Auch in diesem Jahr wird hier eine große Bandbreite an Lang- und Kurzfilmen präsentiert. Dahinter steckt zum Beispiel ein Produktionsteam von gebürtigen Braunschweigern, die im Berliner Büro immer eine Kiste Wolters im Kühlschrank haben („The Devil’s Drivers“). Zudem werden filmische Arbeiten der Universität Hildesheim sowie der Hochschule für Musik, Theater, Medien in Hannover gezeigt.

Wieder hybrid

Das Filmfestival findet wieder in hybrider Form statt, dass heißt, das Programm kann sowohl vor Ort, als auch über die Online-Plattform Festivalscope verfolgt werden. Alle Infos sowie eine komplette Übersicht über die gezeigten Beiträge gibt es unter www.filmfest-Braunschweig.de.

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