Gute Beispiele für Baukultur | Neue Braunschweiger
1. November 2014
Kulturelles

Gute Beispiele für Baukultur

Experten informierten sich über neue Wohnquartiere in der Stadt.

Stadtplaner Walter Ackers sprach über Chancen und Schwierigkeiten bei der Neugestaltung des Nördlichen Ringgebietes. Foto: T.A.

Von Marion Korth, 1. November 2014.

Braunschweig. Bauboom in Braunschweig, gleich mehrere Vorzeigeprojekte nehmen derzeit Gestalt an. Eines davon – das neue Wohnquartier am Alsterplatz – war in der vergangenen Woche das Ziel einer Exkursion des Netzwerkes Baukultur in Niedersachsen.

Zum ersten Mal fand die Tagung in Braunschweig statt. Gastgeberin war die Nibelungen-Wohnbau-GmbH, die auch Bauherrin des neuen Wohnquartiers in der Weststadt ist, wo auf dem Grundstück der abgerissenen alten Wilhelm-Bracke-Gesamtschule ein neues Zuhause für Familien und ältere Menschen entsteht, mit Geschäften, Gemeinschaftsflächen und neuen Ansätzen hinsichtlich Mobilität (Car-Sharing, E-Mobilitätsstation) und Nachbarschaftsstrukturen. Insgesamt sind rund 200 Wohneinheiten im mehrgeschossigen Mietshaus oder aber der Stadtvilla geplant – günstige, teilweise öffentlich geförderte Miet- neben frei finanzierten Eigentumswohnungen.
Im Haus der Kulturen schlossen sich Fachvorträge und Meinungsaustausch an. Und praktisch vor der Tür des Nordbahnhofs erfindet sich ein ganzes Stadtviertel neu. Stadtplaner Walter Ackers, dessen Büro den Gestaltungswettbewerb gewonnen hat, sagte, welche Ansätze er bei seinen Planungen verfolgt hat: Ein Entwurf mit Ecken und Kanten und gestaffelter Bauweise, um jene Ecken und Nischen zu schaffen, „in denen sich nicht nur gern Müll sammelt“, sondern die auch Menschen gern genutzten Rückzugsraum bieten, wie er sagte. Eine verdichtete Bauweise mit Höfen, mit Raum zum Spielen und um sich zu treffen. Obwohl das Gebiet mit dem Ringgleis bereits einen grünen Faden hat, der es durchzieht, fiel bewusst die Entscheidung für den Stadtanger, der die Aufenthaltsqualität bieten soll, die dem Ringgleis fehlt. Stadtplanerisch ist das Nördliche Ringgebiet zwischen Mittel- und Bültenweg ein Niemandsland. Die gewollte Urbanisierung stößt an die Peripherie. Ackers denkt dabei an das große Betriebsgrundstück von BS-Energy mit seinen Hallen und weitläufigen Parkflächen. Der Stadtplaner wünscht sich eine moderierende Rolle der Stadtverwaltung, damit die Ausgestaltung des Gebietes an diesen Flächen nicht haltmachen muss, sich dort zum Beispiel zusätzliche Stellflächen schaffen lassen, um die Wohnbereiche von allzu vielen Autos freizuhalten.
„Unternehmen der Wohnungswirtschaft spielen als Bauherren und Investoren einen wesentlichen Part, wenn es darum geht, dass Bauprojekte gestalterische Ansprüche erfüllen und zugleich ökologisch und ökonomisch sinnvoll und sozial gerecht sind“, sagte Maren Sommer, Geschäftsführerin der Nibelungen-Wohnbau-GmbH, bei der Eröffnung der Tagung.
Das Netzwerk Baukultur bringt die verschiedenen Akteure aus Verwaltung, Planung, aus Hochschulen und Privatwirtschaft zum Austausch zusammen. Das gemeinsame Ziel: Mehr Qualität und Kreativität im Planen und Bauen.

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