Gute Kinderbetreuung würde allen helfen! | Neue Braunschweiger
17. März 2021
Soziales

Gute Kinderbetreuung würde allen helfen!

Marion Lenz spricht zum Weltfrauentag über die höchst aktuellen Herausforderungen, an die der Tag erinnern soll

Weltfrauentag unter dem Motto „Keinen Schritt zurück“: Das Bündnis 8. März hatte auf den Schlossplatz eingeladen. Die Moderation hatte Katja Topp von Verdi übernommen, ein Grußwort sprach Bürgermeisterin Annegret Ihbe, Slamerin Isabell Kobus glänzte mit einer satirisches Betrachtung über die Allwissenheit der Social Media. Andrea Hotopp, DGB-Region Süd-Ost-Niedersachsen blickte in ihrem Vortrag in die Vergangenheit und ins Jetzt. Brigitte Riedel, (Amnesty International) rief zu einer Mitmachaktion zur Unterstützung verfolgter Menschenrechtlerinnen auf. Die Trommelgruppe Sambattac übernahm den Abschluss. Foto: Peter Sierigk

Braunschweig. „Alibiveranstaltung“, „Überflüssig“ „Old School“ ­– am Weltfrauentag scheiden sich die Geister. „Er ist wichtig, weil wir immer wieder genau hinschauen müssen“, sagt Marion Lenz. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt macht deutlich, dass Deutschland beim Thema „Geschlechtergerechtigkeit“ im europäischen Vergleich einen schlechten Platz belegt.

„Rein rechtlich haben wir alles super geregelt, erklärt sie, „aber faktisch haben wir große Probleme.“ Für sie hängt das Hauptproblem am Blick auf Mütter und Frauen. „’Kinder brauchen die Mutter’ – wo dieser Satz mit großer Mehrheit bejaht wird, ist auch die Berufstätigkeit von Müttern gering“, weiß Lenz. Sie würde den Satz lieber anders hören: ‘Kinder brauchen Familie und andere Kinder.’

Marion Lenz, Frauenbeauftragte der Stadt. Foto: Scheibe. Foto: Jörg Scheibe

Der gesellschaftliche Druck von Frauen in ihrer Mutterrolle komme häufig von anderen Frauen. In Frankreich oder Italien beispielsweise, wo im Durchschnitt mehr Kinder geboren werden, sind deutlich mehr Frauen berufstätig. Da ist es gelebte Normalität, dass Frauen Mütter sind und dennoch arbeiten. Und zwar Vollzeit. „Das Thema Altersarmut hängt ursächlich mit der Berufstätigkeit zusammen.“ Dazu kommen noch falsche staatliche Anreize, wie das Ehegattensplitting, das fast immer dazu führt, dass Frauen den schlechter bezahlten Job, beziehungsweise den Teilzeitjob ausüben, erklärt Lenz

„Das liegt in erster Linie am Angebot“, weiß die Gleichstellungsbeauftragte. Insgesamt müsste der Bereich „frühkindliche Erziehung“ weiter gefasst und besser aufgestellt werden. „Beispielsweise könnte die Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher der Lehrerausbildung angeglichen werden.“ Mit einem akademischen Abschluss würden automatisch die Anerkennung und vor allem das Gehalt steigen.
Auch eine 24-Stunden-Kinderbetreuung sollte eine Selbstverständlichkeit sein. „Nicht, damit Kinder abgeschoben werden“, betont sie, „sondern damit Kinder von Müttern, die beispielsweise nachts arbeiten müssen, richtig gut aufgehoben sind.“

Das sei allemal besser, als in der Not die Kinder allein zu lassen, oder aber die Arbeitsstelle zu kündigen und Sozialleistungen zu beziehen.
„Das gute Angebot muss zuerst geschaffen werden“, begegnet Marion Lenz den Argumenten angeblich mangelnder Nachfrage. „Wenn sich Frauen auf ein gutes Betreuungsangebot wirklich verlassen können, nehmen sie es auch gern an“.

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