24. Juli 2021
Sport

„Haben darauf geachtet, Spieler mit Mentalität zu holen“

Nach dem Abstieg liegen arbeitsintensive Wochen hinter Peter Vollmann

Peter Vollmann. Foto :Susanne Hübner/imago images

Braunschweig. Gemeinsam mit Kaderplaner Dennis Kruppke musste Eintrachts Sport-Geschäftsführer zahlreiche Personalfragen abarbeiten. NB-Mitarbeiter Elmar von Cramon sprach mit dem 63-Jährigen.

Herr Vollmann, was für eine Drittligasaison erwarten Sie?
Ich glaube, dass die dritte Liga nach oben und unten immer ausgeglichener wird. Man kann alles erreichen, gleichzeitig aber auch viel verlieren. Bis zu zehn Mannschaften werden die Möglichkeit besitzen oben dabei zu sein, während nach unten in etwa das gleiche Konstrukt entstehen kann. Diese Mannschaften haben aber das Potenzial, jeden von oben zu schlagen. Das macht die Liga so kompliziert.

Was wird für den Saisonstart entscheidend sein?
Für uns wird wichtig sein, die Liga anzunehmen, erst recht wenn gleich am ersten Spieltag ein ganz schwerer Gegner wie der 1. FC Kaiserslautern wartet. Wir haben aktuell eine gut besetzte  Mannschaft, obwohl wir noch nicht komplett sind. Es wird einige Spieltage dauern, bevor wir selbst sehen, inwiefern der Einstieg in die Saison gelungen ist. Grundsätzlich sind wir ein Gegner, der von anderen Mannschaften mit hoher Motivation und Intensität bespielt werden wird. Die Spielzeit dürfte von Beginn an spannend und hochinteressant werden, der Verlauf ist jedoch schwierig einzuschätzen.

Bei vielen Fans ging mit dem jüngsten Zweitligaabstieg die Angst vor einem Szenario wie 2018 einher, als keine drittligataugliche Aufstellung gelang. Was waren vor diesem Hintergrund die größten Herausforderungen?
Ich kann die Situation von 2018 nur von außen beurteilen. Wir sind in diesem Jahr einen anderen Weg gegangen. Bei der Zusammenstellung des Kaders haben wir darauf geachtet, Spieler mit Mentalität zu holen, die zweikampfstark sind und laufintensiv spielen können, was für diese Spielklasse genauso wichtig ist wie mannschaftliche Geschlossenheit. Wir können uns keinen Egoismus leisten, sondern benötigen Jungs, die bereit sind alles ins Eintracht-Team zu investieren. Die anderen dürfen auf der Mentalitätsebene nicht besser sein als wir, dass muss der Anspruch eines jeden einzelnen Spielers sein.

Es fällt auf, dass vornehmlich Spieler verpflichtet wurden, die wie Trainer Michael Schiele bereits Erfahrung im Auf- und Abstiegskampf an der Schnittstelle zwischen zweiter und dritter Liga besitzen. Minimieren solche Akteure das Risiko, nicht wie gewünscht in der neuen Spielklasse anzukommen?
Jeder Spieler, egal ob alt oder jung muss bereit sein, diese Liga sofort anzunehmen ohne sich groß hineinarbeiten zu müssen. Wir werden eine Menge Druck bekommen, da brauchst du Jungs, die dagegenhalten können und Konstanz auf den Platz bringen. Wir haben Spieler dabei, die dritte Liga auf jeden Fall können und darüber hinaus auch in der zweiten Liga schon vor großer Kulisse ihre Qualitäten unter Beweis gestellt haben. Unser Kader besitzt eine stabile Mischung mit entsprechender Qualität für die neue Spielklasse, auch, weil er eine ausgewogene Altersstruktur aufweist.

Der Verein hat im Hinblick auf die Zweitligarückkehr einen Zweijahresplan aufgestellt. Trotzdem wird die Mannschaft vielerorts schon jetzt als einer der Aufstiegskandidaten gehandelt. Wie gehen Sie damit um?
Das ist vor der Saison immer ein beliebtes Spiel. Für die Trainer der anderen Vereine ist es sicher legitim, einen Zweitligaabsteiger als Aufstiegsfavoriten zu benennen. Und natürlich kann es für ein positives Grundgefühl sorgen, wenn einen andere oben sehen. Entscheidend wird aber sein, sich von solchen Nebengeräuschen nicht ablenken zu lassen, sondern auf sich selbst zu schauen. Unser Zweijahresplan ist wirtschaftlich durchstrukturiert und soll uns sportliche Konstanz ermöglichen.  Eine erste realistische Einschätzung können wir nach zehn Spieltagen geben. Im Vorfeld wird sich jedenfalls keiner bei uns im Verein von irgendwelchen Favoritenrollen blenden lassen.

Wer wird aus Ihrer Sicht um die Aufstiegsränge kämpfen?
Unser erster Gegner, der 1. FC Kaiserslautern und mindestens weitere sieben bis acht Mannschaften, zu denen 1860 München, der 1. FC Magdeburg, Türkgücü München, Viktoria Köln, SV Wehen Wiesbaden und natürlich auch die beiden anderen Absteiger Würzburger Kickers sowie der VfL Osnabürck gehören werden. Und wie immer wird sich eine Überraschungsmannschaft dazugesellen, die vorher niemand auf dem Zettel gehabt hat.

Auch interessant