5. März 2022
Buntes

Halb Captain und halb Taxifahrer

Auszeit vom Alltag: Redakteur Torben Dietrich ist sechs Monate unterwegs

Mass ist unser Captain für einen halben Tag. Sechs Monate im Jahr ist er Taxifahrer. Foto: Torben Dietrich

Mass heißt unser Kapitän. Er steuert das „Longtail-Boat“ sicher zwischen die Felsen und in die versteckten Buchten der Insel Ko Phi Phi in Thailand.

Wir sitzen in dem schmalen Holzboot mit lang geschwungenem und geschmücktem, hochgezogenem Bug und einem Außenbordmotor, der am Ende einer langen Stange sitzt, die am Heck montiert ist – dem langen Schwanz. Mass arbeitet von „Merry Christmas“ bis Ende Juni als Bootskapitän und den Rest des Jahres als Taxifahrer und Fischer in seiner Heimat Sura Tani weiter südlich. Seine zwei Söhne, 13 und 9 Jahre alt, sieht er nur dann. Der 35-jährige ist zufrieden. Aber eines macht ihm Angst. „Yesterday on TV, I saw bombs falling in Europe. It scares me.“

Mass lebt weit weg von der Ukraine, sein Land ist komplett unbeteiligt, nur selten schaltet er einen Fernseher ein, sagt er. Und doch fürchtet er sich vor dem Krieg, vor Putin persönlich. Ich möchte ihn beruhigen, ihm sagen, dass ihm sicher keine direkte Gefahr drohe. Aber das fällt schwer. Blende ich den Krieg in Osteuropa aus, was hier in Südostasien zugegebenermaßen (noch) relativ leicht fällt, war es ein perfekter Tag.

Den ganzen Vormittag waren Katharina und ich mit Mass unterwegs. Nui Bay, Loh Lana Bay, andere Buchten. Darin kristallklares Wasser, aus dem – oft senkrecht – Felseninseln emporwachsen. Ein Paradies zum Kajak fahren, Baden, vor allem aber: zum Schnorcheln. Kaum ins Wasser eingetaucht, erleben wir hier eine fantastische Unterwasserwelt, deren Zauber sich schon wenige Zentimeter unter dem Wasserspiegel entfaltet. Tiefblau-gelbe Doktorfische, schwarz-gelbe Bannerfische, riesige Schwärme winziger Meeresbewohner. Dazu Korallen, Seegras, Anemonen, Riesenmuscheln, Seesterne – mit nur wenigen Schwimmzügen sind wir mittendrin. Hier ist Ruhe, nur die Atemzüge durch den Schnorchel und das grandiose Unterwasser-Panorama bestimmen die Wahrnehmung. Das Auftauchen fällt schwer, aber auch das muss irgendwann sein. Nach einem kühlen „Singha“-Bier geht am Abend ein wunderbarer Tag zu Ende, für den wir sehr dankbar sind.

Dabei war mir die „Eingewöhnung“ in Thailand auf der Insel Phuket in der Woche zuvor nicht so ganz leicht gefallen. Zu viele Mopeds, zu viele SUV (ja, auch die Thais scheinen viel Wert auf große Autos zu legen), Linksverkehr. Rechts und links am Straßenrand stützen sich dort hunderte kleine und kleinste Imbiss-Buden gegeneinander, oft nur ein Plastiktisch und zwei oder drei Stühle drumherum, dazu ein kleiner Kühlschrank mit Softdrinks oder frischen Früchten, die zu Shakes verarbeitet werden. Die Thai-Küche ist weltberühmt und soll zu den besten der Welt gehören. Auf diese Erkenntnis musste ich etwas länger warten. Das meiste ist hier „fried“, also in reichlich Öl gebraten und dementsprechend fettig. Auf Ko Phi Phi bin ich mit allem versöhnt, die Landschaft macht es einem leicht. Und Mopeds gibt es hier auch nicht so viele.

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