26. Januar 2021
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„Hallo, ich bin dein Enkel und brauche Geld“

Polizei setzt Kampagne „Klüger als Betrüger“ fort – Neue Masche in Corona-Zeiten

Im Zuge der Kampagne sind Uwe Lietzau, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Braunschweig, sowie Sandra Reichel und Alina Renkwitz (v.l.) von der Nachbarschaftshilfe derzeit im südöstlichen Bezirk unterwegs. Das Infomaterial wird per Post zugestellt. Foto: Birgit Wiefel

Braunschweig. Mal sind sie Enkel, mal Polizeibeamte, mal Wasserwerker – „Trickbetrüger haben 365 Tage im Jahr Saison“, weiß Hauptkommissar Jens Zeiler vom Präventionsteam der Braunschweiger Polizei. Und: Sie sind erfolgreich. Obwohl die Polizei regelmäßig warnt, werden vor allem Senioren immer wieder überrumpelt. Die Polizei Braunschweig hat deshalb die Kampagne „Klüger als Betrüger“ gestartet. Seit Dezember informiert die Inspektion per Post. Nach der Weststadt sind die Beamten jetzt in Mascherode, Rautheim, der Südstadt und im Lindenberg unterwegs.

„Der Schaden, den die Trickbetrüger anrichten, ist enorm, die Dunkelziffer hoch“, sagt Zeiler über einen Bereich der Kriminalität, der der Polizei
echte Sorgen bereitet. Bargeld, Schmuck, Erspartes – die Betrüger hätten es auf alles abgesehen. Mit Corona sei noch eine Masche dazugekommen: „Jetzt melden sich Enkel, die dringend Geld für eine Behandlung gegen Covid 19 brauchen“, sagt Zeiler. Mit Postwurfsendungen informiert die Polizei seit Dezember über die Maschen. 5000 Briefe wurden schon in der Weststadt zugestellt. Jetzt sind die östlichen und südöstlichen Bezirke dran. Adressaten sind alle Braunschweiger über 70 Jahren.

Wie verhalte ich mich richtig am
Telefon und an der Haustür? Die
Polizei, hier Polizeisprecherin Carolin Scherf, will mit einem Aufsteller und einem Türanhänger eine
Gedankenstütze geben. Foto Wiefel

„Wir klingeln bewusst nicht, sondern stellen das Material einfach zu“, betont Polizeihauptkommissarin Ines Fricke, ebenfalls Mitglied des Präventionsteams. Nach ihrer Erfahrung reiche aber schon das Klappern des Briefkastens, um mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen. Ines Fricke ist dann hin- und hergerissen. „Auf der einen Seite können wir direkt erklären, warum wir hier sind, warum die Kampagne so wichtig ist, worauf es ankommt.“ Auf der anderen Seitenutzten Betrüger diese Offenheit und Vertrauensseligkeit aus. „Man spürt, dass den Älteren gerade in Coronazeiten das Gespräch fehlt und sie sich über jeden freuen, der an ihrer Tür klingelt“, sagt Fricke.

Die Polizei hat die Kampagne hoch angesiedelt. An der Briefaktion beteiligen sich nicht nur das Präventionsteam, sondern auch der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Uwe Lietzau. Unterstützt werden die Beamten von den Nachbarschaftshilfen und vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern, die ebenfalls spontan zum „Briefträger“ werden – wie etwa eine Reinigungskraft der AWO in der Weststadt, die nach Feierabend noch eine Runde drehte. Die Resonanz ist durchweg positiv. „Fast täglich meldeten sich die Menschen schriftlich oder telefonisch bei der Polizei und im Seniorenbüro der Stadt und bedanken sich für das Informationsmaterial“, freut sich der stellvertretende Polizeichef Uwe Lietzau.

Info: 

Das Informationspaket besteht aus einem Anschreiben sowie vielen Infos über die Maschen der Betrüger, die alle das gleiche Ziel verfolgen, nämlich in den Besitz von Bargeld, Schmuck und Wertsachen zu kommen, über die die Senioren verfügen. Ein Aufsteller soll helfen richtig auf Telefonate
zu reagieren. Ein Anhänger für die Tür erinnert daran, dass man auch mal abweisend reagieren kann, wenn jemand klingelt.
Die Inhalte und Schreiben sind auch auf der Internetseite der Polizei zu finden: https://www.pdbs.polizei-nds.de/startseite/dienststellen/polizeiinspektion_braunschweig/themen/praeventionskampagne—klueger-alsbetrueger-115210.html
Für Fragen, Hinweise und Beratung steht außerdem das Präventionsteam der Polizei Braunschweig unter Telefon 0531/476-2005 zur Verfügung.

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