• Home
  • > >
  • „Haltung zeigen und den Mund aufmachen!“

„Haltung zeigen und den Mund aufmachen!“

Peter Holzer im NB-Interview zu seinem Vortrag „Heikle Botschaften – Unter Druck souverän bleiben“

Peter Holzer.

Die Karriere von Peter Holzer verlief wie im Bilderbuch: Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Oestrich-Winkel, Neuseeland und Chicago. Im Anschluss verantwortete er bereits mit 24 Jahren den Vertrieb eines Private Equity Fonds und verzwanzigfachte dessen Umsatz innerhalb von weniger als fünf Jahren.

Die Karriereleiter ging steil nach oben – bis eines Tages eine plötzliche Krebs-Erkrankung sein Leben und seine Stimme bedrohte. Holzer fasste den Mut und wagte einen kompletten Neustart. Heute ist er seit rund zwei Jahrzehnten unternehmerisch aktiv und widmet sich seiner Mission, Menschen und Unternehmen eine mutige Stimme zu verleihen. Konkret sind dies: Führungskräfte, die ihre Wirksamkeit erhöhen wollen, Organisationen, die ihre Zukunftsfähigkeit sichern wollen, oder Veränderungsvorhaben, die erfolgreich umgesetzt werden sollen. Holzer, inspiriert, provoziert und ermutigt in seinem Vortrag „Heikle Botschaften – Unter Druck souverän bleiben“ und zeigt auf, wie man sich souverän durch heikle Themen navigiert.

Herr Holzer, Sie sagen, heikle Themen verlangen nach Souveränität. Wie kann man auch unter Druck selbstsicher bleiben?

Die meisten Menschen fühlen sich unter Druck unwohl – und würden das gerne ändern. Ich halte es für hilfreicher, zu akzeptieren, dass wir bei heiklen Themen merkwürdige Emotionen spüren und sich stattdessen darauf zu konzentrieren, wie man souverän auf andere wirkt.

Wie findet man die Balance zwischen stillhalten und aufbegehren?

Wer kein Spielball von anderen sein, sondern selbstbestimmt leben will, muss Haltung zeigen und den Mund aufmachen. Doch es lohnt sich nicht, wegen jeder Kleinigkeit aufmüpfig zu werden. Sonst werden Sie schnell zu einer Nervensäge. Es klingt zwar etwas martialisch, aber dafür gibt es eine gute Orientierung, wann es sich lohnt, Kante zu zeigen: „Choose your battles“.

Worauf sollte man bei der Vermittlung kritischer Themen achten?

Meist kritisieren wir gar nicht den Menschen an sich, sondern sein Verhalten. Entscheidend ist im Gespräch, die Botschaft von der Person zu trennen. Der Schlüssel liegt dabei nicht in unseren Worten, sondern vor allem in unserer Körpersprache. Wenn Sie es mit einem selbstbewussten Menschen zu tun haben, schauen Sie ihm in die Augen, wenn Sie Ihre Kritik vortragen. In den meisten Fällen haben Sie es jedoch mit einem beziehungsorientierten Menschen zu tun. Der Blickkontakt würde jetzt dazu führen, dass er die Botschaft persönlich nimmt.

Wie wichtig ist der Kontext, in dem eine Botschaft platziert wird?

Orte haben ein Gedächtnis. Wenn Sie das Abendessen dazu nutzen, gleich auch die heiklen Themen mit dem Teenager zu diskutieren, kann das Folgen haben. Er verbindet dann das Abendessen mit Ihren Standpauken – und zieht es dann vor, bei sich im Zimmer zu essen. Achten Sie also darauf, wo Sie die kritischen Gespräche führen.
Sie selbst bezeichnen sich als Freund unbequemer Wahrheiten. Sind Sie auch ein Freund direkter Konfrontation?
Ja. Mir ist lieber, jemand sagt mir seine Meinung ins Gesicht – als dass er hinter meinem Rücken stänkert.

Wie wichtig ist Empathie im Gespräch?

Empathie sind unsere Antennen, mit denen wir wahrnehmen, wie weit wir im Gespräch gehen können. Wer nicht spürt, wie sich sein Gegenüber in der Diskussion heikler Themen fühlt, kann schnell übers Ziel hinausschießen.
Nicht nur Themen, sondern auch Gesprächspartner können mitunter schwierig sein. Wie sollte man diesen begegnen?
Es gibt für mich zwei Arten von schwierigen Gesprächspartnern. Die einen sind inhaltlich anspruchsvoll, hinterfragen viel und konstruktiv – und deswegen schwierig. Die anderen sind die Idioten, die sich einfach nur unangemessen verhalten. Für Letztere gilt: Am besten ist, wenn sich jeder an die eigene Nase packt und einfach kein Idiot ist. Leider passiert das in der Praxis nicht. Für den Umgang mit solchen Menschen gibt es kein Patentrezept. Sie müssen im Einzelfall schauen, welche Strategie heute funktioniert.

Welche Schwierigkeiten begegnen Sie oftmals in Unternehmen?

Narzistische Führungskräften im Top-Management, die meinen, alle müssten sich ändern – außer sie selbst. Sie verstehen Verbesserungspotenziale immer noch als persönliche Schwäche. Deswegen haben sie keine und sind perfekt. Doch Perfektion ist eine göttliche Eigenschaft, und wir sind Menschen und damit fehlbar. Der Fisch stinkt eben immer noch vom Kopf.

^