Happy Birthday, Wolfsburg

Zum 80-Jährigen: Oberbürgermeister Klaus Mohrs im Gespräch mit der NB

Klaus Mohrs liebt die grüne Seite seiner Stadt. Manchmal bleibt Zeit für einen Spaziergang. Foto: Stadt Wolfsburg

Wolfsburg. 80 Jahre – ein hohes Alter. Für Menschen. Für eine Stadt dagegen ein Wimpernschlag. Wolfsburg ist geradezu ein junges Küken. Dementsprechend flott wird der 80. Geburtstag am kommenden Wochenende auch gefeiert: mit Ausnahme eines Empfangs eher outdoor, statt geschlossener Kreis, eher Jeans, statt Abendkleid. Locker, fröhlich und gut gelaunt – so wie die Stadt eben ist. Trotz und gerade bei Gegenwind. „Wir haben schon deutlich bessere Zeiten erlebt“, räumt Oberbürgermeister Klaus Mohrs ein, „aber wir haben keinen Grund, depressiv zu sein.“

„Diesel-Gate“ hat Spuren hinterlassen, nicht zuletzt im städtischen Haushalt. „Aber solange wir diese Stadt nach vorn bewegen können, bleiben wir zuversichtlich und packen an.“ Das hat Klaus Mohrs schon früh getan, als Jugendpfleger, Dezernent und Stadtrat schlug das Herz des Diplom-Pädagogen immer für „seine“ Wolfsburger. Dazu hatte er Mitstreiter an seiner Seite, die ähnlich dachten. „Uns war schon vor rund 15 Jahren klar, dass es bessere Angebote für die Betreuung der unter Zwölfjährigen geben muss“, blickt Mohrs zurück. Inzwischen bieten alle Schulen an fünf Nachmittagen verlässliche Ganztagsbetreuung, die Ausstattung, vor allem für die naturwissenschaftlichen Labore und Werkräume, ist auf hohem Niveau. „Das meiste Geld geben wir für die Ausstattung von Schulen und Kitas aus“, beschreibt Mohrs den Weg.

Der Lohn: Die Anzahl der Geburten in Wolfsburg ist von rund 950 im Jahr 2007 auf 1450 Kinder im Jahr 2017 gestiegen. „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann haben Familien auch den Mut zu einem zweiten oder dritten Kind“, weiß Mohrs, der selbst Vater von zwei erwachsenen Kindern ist. Dazu kommt, dass es immer mehr „Neu-Wolfsburger“ gibt, die Stadt boomt. Die Bevölkerung ist in den vergangenen zehn Jahren von rund 119 000 auf rund 125 000 Einwohner gewachsen. Und die brauchen Wohnraum. „9000 zusätzliche Wohnungen sind bereits konkretisiert“, sagt Mohrs, „2000 davon bereits gebaut.“

Der Schwerpunkt liegt auf dem Geschosswohnungsbau, 25 Prozent der Wohnungen in großen Baugebieten sind mietpreisgedämpfte Wohnungen. Diese Entwicklungen sind auch mit dem zusammengestrichenen Haushalt möglich. „Weniger Geld ist manchmal auch eine Chance, genaue Prioritäten zu setzen“, ringt Mohrs der schwierigen finanziellen Lage das Beste ab. Aber er verschweigt auch die Probleme nicht: „Die Arbeit am und für den Haushalt kostet jetzt deutlich mehr Zeit und Energie“, sagt der Oberbürgermeister, „die schöne Erfahrung ist, dass der Rat diesen schwierigen Weg überwiegend mitgeht, fast alle Haushaltsbeschlüsse haben wir mit großer Mehrheit gefasst.“ Dazu gehören nun auch in Wolfsburg, wie in vielen anderen Kommunen schon lange, schmerzhafte Verzichte: Straßenausbau und -erneuerung müssen warten, auch eine neue Feuer- und Rettungswache ist in der Realisierung nach hinten gerutscht – „was mir sehr, sehr leidtut“, bekennt der Oberbürgermeister, dass ihm dieser Verzicht sehr schwer gefallen ist.

Vorangetrieben wird die Digitalisierung, Wolfsburg wird flächendeckend mit Glasfaser versorgt. „Unabdingbar für die Zukunft“, erklärt Mohrs. Er spricht von „einem Glück“, dass er städtische Tochterunternehmen hat, ohne die Stadtwerke und die Neuland wären die ehrgeizigen Pläne kaum umsetzbar.
Die VW-Krise ist eindeutig auch eine Krise für Wolfsburg, aber „am meisten nervt mich dabei, dass Volkswagen kritischer gesehen wird als alle anderen Autokonzerne“, sagt Mohrs. Den ganzen Konzern in Bausch und Bogen zu verurteilen, sei eine ungerechte Reaktion. Seine Kontakte und die der Stadt zu VW seien nach wie vor „exzellent“, allein das gemeinsame Projekt Wolfsburg Digital zeige großartige Zukunftsperspektiven auf.

Wo wird Wolfsburg in der Zukunft stehen? Zum 90. Geburtstag? „Es wird hier noch mehr junge und auch ältere Nerds geben“, lacht der OB, „autonomes Fahren mit elektrischen Autos wird weite Teile des Verkehrs verändern, für den Nahverkehr werden wir sehr flexible Angebote haben. Elektrische, autonom fahrende Kleinbusse vielleicht, die übers Smartphone geordert werden.“ Entwicklungen, die Wolfsburg nicht allein machen wird. „Die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn ist großartig“, freut sich Mohrs. Eines der Schlüsselerlebnisse war der Erfolg des gemeinsamen Einsatzes der Oberbürgermeister der Städte Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter in Hannover: Die jahrzehntelange Benachteiligung der Region wurde beendet, und Regionalisierungsmittel von 20 bis 25 Millionen Euro wurden gesichert.

^