„Heute ist einfach alles möglich“

Richard Beinhorn, Veranstalter der Messe „Deine Traumhochzeit“, im NB-Interview zum Thema Hochzeitsplanung

Richard Beinhorn. Foto: Holger Isermann/oh

Braunschweig. Richard Beinhorn veranstaltet seit 25 Jahren Hochzeitsmessen in der Region Braunschweig. Mit der NB sprach er über große Gefühle, das perfekte Event und aktuelle Trends rund um den wichtigsten Tag des Lebens.

Herr Beinhorn, wie kamen Sie dazu, Hochzeitsmessen zu veranstalten?

Ich habe das Thema eher belächelt, obwohl meine Mutter Hochzeiten organisiert hat. Sie kommt aus einem Dorf und da waren das große Feiern mit 200 bis 400 Gästen. Mich hat das eher abgeschreckt und ich wollte auch selbst nie heiraten.

Wann hat sich das bei Ihnen geändert?

Ich war auf einem Gartenfestival in den Herrenhäuser Gärten und habe dort eine Frau kennen gelernt, die eine Pferdezucht hatte und Rikschas kaufen wollte, um damit auf eine Hochzeitsmesse zu gehen. Da klingelte es bei mir und ich habe mir die Messe angeschaut. Es war eine ganz tolle Atmosphäre, die mich begeistert hat und so habe ich vor 25 Jahren die erste Hochzeitsmesse in Braunschweig organisiert.

Wie sahen die Anfänge aus?

Wir sind gleich in der Stadthalle gestartet. Ich kannte ja die Ansprechpartner, weil wir bis dato 30 Jahre lang die Kunst- und Antiquitätenmesse in Braunschweig veranstaltet haben. Es waren rund 50 Aussteller dort.

Sind die Erwartungen an das perfekte Event mittlerweile zu hoch?

Warum sollte man nicht eine tolle Hochzeit feiern, wenn die Partner sich einig sind und auch das Geld vorhanden ist? Manchmal sind es aber nur die Frau oder die Eltern, die groß feiern wollen und wenn das Paar fremdbestimmt ist, sehe ich schon eine Gefahr.

Gibt es das häufig, dass die Schwiegereltern oder Eltern den Anspruch haben, dem Umfeld zu zeigen, was sie sich leisten können?

Sie merken es schon daran, dass die Mütter oder Schwiegermütter der Braut mitkommen und sich die Brautkleider nicht nur anschauen, sondern ordentlich mitdiskutieren wollen. Das gibt es sehr oft.

Würden Sie den zukünftigen Eheleuten denn raten, sich nicht von außen reinreden zu lassen?

Wichtig ist, dass sie sich gut verstehen und wissen, was sie wollen. Mein Vorschlag wäre, dass sie sich für ein halbes Jahr ein Wohnmobil mieten und gemeinsam durch die Gegend fahren. Wenn sie sich dann noch verstehen, sollten sie eine tolle Hochzeit feiern und es wird gut gehen (lacht).

Glauben Sie, dass das Thema Hochzeit heute eher früher oder später in einer Beziehung besprochen wird?

Ich glaube, etwas später. Es gibt Ausnahmen, wenn es sofort funkt, aber heute wollen die jungen Menschen sich häufig erst wirtschaftlich etablieren und dann mit der Familienplanung beginnen. Das verschiebt auch die Hochzeit im Lebenslauf nach hinten.

Warum sollte man am Wochenende über eine volle Hochzeitsmesse laufen, anstatt sich im Internet über die neuesten Trends zu informieren?

Ich erlebe, dass sich die Menschen heute sehr genau informieren wollen, es geht um Details, um gleiche Vorstellungen. Das ist die Chance von Messen. Sie können mit den Gastronomen oder Dienstleister persönlich sprechen.

Wie häufig kommt es vor, dass die Menschen sich auf der Messe Appetit holen und dann online bestellen, weil es günstiger ist?

Natürlich erleben wir es, dass Frauen mit ihrem Smartphone auf der Messe Kleider scannen und schauen, ob sie diese irgendwo günstiger bekommen. Aber die Kleider müssen ja auch angepasst werden, deshalb ist es schon schwierig, das alles über das Internet zu machen.

Ist das auch ein Argument für das Fachgeschäft vor Ort?

Absolut. Die Leute müssen miteinander reden, Dinge anfassen. Im Internet sehen sie oft ja nur diese ganz dünnen Mannequins, aber viele Frauen haben andere Figuren. Bei unserer nächsten Hochzeitsmesse sind deshalb zwei Curvy Models unterwegs, um zu zeigen, dass es auch in Größe 44 oder 46 schöne Kleider gibt.

Was kostet eine Hochzeit heute?

Meine hat 10.000 Euro gekostet, häufig sind es aber auch 30.000 Euro und nach oben gibt es keine Grenze.
Findet man hier bei uns in der Provinz überhaupt alles, was es für eine gelungene Hochzeit braucht?
Eindeutig ja! Wir haben zwölf Brautkleideranbieter auf unseren Messen – natürlich auch aus Hannover oder Berlin. Aber hier vor Ort haben wir sehr gute Anbieter, man muss also nicht in die Großstadt für gute Ware.

Was sind die neuen Trends?

Heute ist einfach alles möglich. Es gibt einfach keine festen Regeln mehr. Sie können eine klassische Hochzeitssuppe anbieten und zugleich Sushi. Das merken Sie auch an der Kleidung. Heute ist selbst ein karierter Anzug möglich.

Wie lange vorher sollte man mit der Planung einer Hochzeit beginnen?

Mindestens ein Jahr und dann sind die begehrten Locations am Wunschtermin trotzdem oft schon ausgebucht.

Überdeckt das Event mittlerweile das eigentliche Versprechen eines gemeinsamen Lebens?

Das würde ich nicht sagen. Der Trend geht wieder stärker dahin, in der Kirche zu heiraten oder zumindest einen Redner für eine freie Trauung zu haben. Die Zeremonie und das Versprechen werden wieder wichtiger.

Bei allem Kommerz spielen Gefühle also noch eine Rolle?

Garantiert. Emotionen und Romantik sind definitiv noch dabei. Trotzdem rate ich dazu, sich Gedanken um einen Ehevertrag zu machen, gerade wenn man sich gut versteht. Ich hatte sogar einmal überlegt, eine Scheidungsmesse zu veranstalten…

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