19. März 2022
Menschen

Hilfe auf der Überholspur

Spontaner Zusammenschluss engagierter Braunschweiger hat digitale Plattform aufgebaut

Arbeiten schon gut zusammen (v.l.): Julia Meyer, Sebastian Schollmeyer, Thorsten Jankowski (alle Ukrainehilfe38) und Heike Blümel (Leiterin DRK-Kaufbar). Foto: s.schollmeyer@me.com / oh

Braunschweig. Die Hilfsbereitschaft für die Menschen aus der Ukraine ist nicht nur groß, sie ist überwältigend. „Wir sind extrem angefasst, wenn wir die Zahlen sehen“, sagt Thorsten Jankowski, einer der Gründungsinitiatoren von „Ukrainehilfe38“. Wir haben ihn angerufen, um zu erfahren, wie es damit klappt.

„Ukrainehilfe38“ ist ein spontaner Zusammenschluss von Freunden und Geschäftspartnern, die schnell und unkompliziert die geflüchteten Menschen aus der Ukraine unterstützen wollen. Allein bis zum Nachmittag am Mittwoch waren 23 Wohnungsangebote registriert, 51 waren es am Dienstag, 50 am Montag – insgesamt schon 466. Wohlgemerkt: alles privat und unentgeltlich. Dazu meldeten sich Menschen, die sich für Übersetzungsdienste, Kinderbetreuung oder Behördengänge anbieten, die „einfach anpacken möchten“, egal wobei oder wo. Ein Allgemeinmediziner im Ruhestand, eine Lehrerin, die Russisch spricht – kurzum: „alles ganz tolle Leute.“

Damit die Hilfe schnell ankommen kann, wurde eine digitale Lösung gesucht und gefunden. „Ich freue mich, dass ich in dem Projekt mit meinen Fähigkeiten helfen kann“, sagt Thorsten Jankowski. Mit IT-Lösungen kennt er sich aus, weshalb es unter anderem ihm zugefallen ist, die digitale Plattform www.ukrainehilfe38.de aufzubauen.
Eine Art Schwarzes Brett nur eben digital und multifunktional. Hier können Menschen freien Wohnraum für Geflüchtete aus der Ukraine, sich selbst als Paten oder Patinnen und auch ihre Hilfsdienste anbieten. Mittels standardisierter Formulare werden alle notwendigen Informationen abgefragt. Sehr professionell das Ganze, mit ein paar kleinen Abstrichen. In der Krisenzeit war eine pragmatische Lösung gefragt, deshalb hat das Team für die Datenbank auf ein Standardtool zurückgegriffen. „Das ist eine gute digitale Ergänzung zur bewährten Arbeitsweise bei der DRK- Kaufbar und hilft bei der schnellen Bearbeitung“, ist Thorsten Jankowski überzeugt.

Zugriff auf die Datenbank hat die DRK-Kaufbar, in deren Händen die Wohnraumvermittlung liegt. „Wir liefern nur die digitale Infrastruktur und helfen beim Organisieren“, betont Jankowski. „Wir möchten, dass die Mitarbeiter der DRK-Kaufbar die Vermittlung so gut wie möglich digital bearbeiten können.“ Die Zusammenarbeit wird derzeit noch ausgeweitet, um über andere Organisationen Patinnen und Paten für die geflüchteten Familien vermitteln zu können.
Mit der Datenbank ist Braunschweig schon ganz gut aufgestellt. Das Team kennt nämlich auch andere Beispiele, wo per Telefon und Mails Hilfsangebote und Hilfesuchende zusammengebracht werden. Ein mühsames Geschäft, wenn einheitliche Struktur und ein Kanal, über den alles gebündelt wird, fehlen.

Die Plattform ist nicht das einzige Gebiet, auf dem sich die Aktiven tummeln: Als ein Braunschweiger Immobilienbüro einen privaten Konvoi von Polen nach Braunschweig organisierte, befand sich in einem Kleinbus ein dialysepflichtiger Patient, dem das Partnernetzwerk eine schnelle medizinische Anschlussversorgung sicherte. Noch während die Fahrzeuge unterwegs waren, war schon der Kontakt zum Krankenhaus hergestellt, um für den Mann einen Dialysetermin zu vereinbaren. Und klar: Über das Partner-Netzwerk und das Immobilienbüro fand sich auch eine Unterkunft für eine Mutter, die mit Kind, drei Hunden und einer Katze vor dem Krieg geflüchtet ist.

Lauter schöne Beispiele von Braunschweiger Zusammenhalt, und es werden täglich mehr.

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