Hilfe für Gewaltopfer

Klinikum Braunschweig ist Partnerklinik des Netzwerks „Pro Beweis“.

Professor Dr. Michael Klintschar, Professor Dr. Horst Kierdorf, Maybritt Hugo, Dr. Heiko Franz, Birgit Seel und Professor Dr. Thomas Gösling (v.l.) schauen sich den Inhalt eines Untersuchungs-Kits an, das Dokumentationsbögen und Spurensicherungssets enthält. Foto: Thomas Ammerpohl

Von Martina Jurk. 21.12.2013. Braunschweig. Opfer von häuslicher und/oder sexueller Gewalt bekommen Hilfe. Sie haben jetzt die Möglichkeit, Spuren und Beweise der Gewalttat sichern zu lassen, ohne sofort Strafanzeige stellen zu müssen.

Das Klinikum Braunschweig ist Partnerklinik des Netzwerks „Pro Beweis“ geworden, das am 1. Juni 2012 am Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) startete. Braunschweig ist damit eine von insgesamt zehn Partnerkliniken landesweit, drei weitere sollen hinzukommen. Das Institut für Rechtsmedizin der MHH stellt den Kliniken Untersuchungs-Kits zur Verfügung. „Mit deren Hilfe können Beweismittel gesichert und bis zu drei Jahre aufbewahrt werden“, sagte Instituts-Direktor Professor Dr. Michael Klintschar.
Einer Studie zufolge hätten 40 Prozent der befragten Frauen seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Nur zehn Prozent von ihnen hätten Anzeige erstattet. „Pro Beweis“ ermögliche es nun, Verletzungen wie Blutergüsse gerichtsverwertbar zu dokumentieren, ohne dass eine Strafanzeige gestellt werden müsse.
Warum das für betroffene Frauen eine Hilfe ist, machte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Braunschweig, Maybritt Hugo, deutlich: „In einer akuten Situation sind die Frauen traumatisiert und können kurz nach dem Ereignis keine Entscheidung treffen, ob sie zur Polizei gehen sollten.“ In den Untersuchungsstellen und Partnerkliniken des Netzwerks wird nun den Betroffenen von körperlicher oder sexueller Gewalt eine vertrauliche, kostenfreie und gerichtsverwertbare Untersuchung durch speziell geschulte Ärzte angeboten. Ohne Zustimmung des Opfers werden die Dokumente und Spuren (Fremd-DNA) nicht an Strafverfolgungsbehörden herausgegeben.
Birgit Seel von der Staatsanwaltschaft Braunschweig ist überzeugt, dass die Chancen, Täter zu verurteilen, mit der Nutzung dieses Angebots steigen werden. Eine zeitnahe Untersuchung sei für ein eventuelles späteres Strafverfahren von enormer Bedeutung.
Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt können sich also ab sofort in der Unfallchirurgie beziehungsweise in der Gynäkologie des Braunschweiger Klinikums ärztlich beraten und behandeln lassen.
„Mit Plakaten und Flyern werden wir Patienten, die in die Unfallchirurgie kommen, auf dieses Angebot hinweisen. Später soll auch ein Film dazu erarbeitet werden. Die Ärzte und Mitarbeiter der Unfallchirurgie sind über die Möglichkeit dieser Opferhilfe informiert und darauf vorbereitet und sensibilisiert worden“, sagte Chefarzt Professor Dr. Thomas Gösling. Für die Frauenklinik sei das kein neues Thema, sondern – leider – Alltag, meinte Chefarzt Dr. Heiko Franz.
Professor Dr. Horst Kierdorf, Ärztlicher Direktor des Klinikums, freut sich, dass die Braunschweiger Einrichtung ein Teil des Netzwerks „Pro Beweis“ ist. „Wir haben als kommunales Großkrankenhaus auch einen sozialen Auftrag zu erfüllen“, sagte er.

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