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Hinter jede Verkleidung und unter jedes Brett geschaut

Stadthallensanierung wird bis ins Kleinste vorbereitet – Stadt geht von längerer Bauzeit aus – Bauauftrag soll 2020 vergeben werden

Das Parkett ist in sehr gutem Zustand, nicht aber der Unterbau. Die moderne Wandverkleidung soll bleiben. Foto: Korth

Braunschweig. Die Sanierung der Stadthalle sowie der Neubau eines Hotels auf dem Gelände an der Leonhardstraße sind eine große Sache. Städtebaulich, finanziell und zeitlich gesehen. Die Stadt will auf Nummer sicher gehen und hat am Donnerstag erst die Ratsvertreter und anschließend die Medien über den Stand der umfangreichen Vorplanungen informiert. Den Grundsatzbeschluss für die Sanierung hatte der Rat bereits im Dezember 2017 gefasst.

Erster Stadtrat Christian Geiger (rechts) und Markus Schlimme, Leiter der Abteilung Finanzen, stellten den Planungsstand vor. Foto: Korth

Auftragsvergabe 2020

Im Januar 2020 soll nach dem neuen Zeitplan der Sanierungsauftrag an einen Totalunternehmer europaweit ausgeschrieben werden. Der Anspruch ist hoch: „Die Technik hinter den Kulissen muss komplett erneuert werden, das denkmalgerechte Sanieren im Bestand und der Brandschutz machen es nicht einfacher.“ Erster Stadtrat Christian Geiger hofft auf möglichst viele Bewerber für das Prestigeprojekt. Damit ein zeitlich zu eng gesteckter Rahmen nicht von vornherein zum Ausschlusskriterium wird, lässt die Stadt eine längere Bauzeit von 36 Monaten zu (zunächst war von 18 ausgegangen worden), inklusive Vorlauf nach der Vergabe. Fragen, ob und wie viele Veranstaltungen in dieser Zeit stattfinden können, welche Einnahmen dem Haus durch die längere Schließung entgehen oder wie das Personal in der Zwischenzeit eingesetzt werden kann, müssen noch geklärt werden.

Dem Haus auf den Zahn gefühlt

Die Antworten fließen in die umfangreiche bauliche Bestandsaufnahme ein, auf deren Grundlage die Ausschreibung und Leistungsbeschreibung erfolgt. 150 Sitzungen und 600 Einzelpläne sind bereits zusammengekommen, alle 450 Räume der Stadthalle werden in die Sanierung einbezogen, was die Größe und Komplexität des Projektes verdeutlicht.

Die Voruntersuchungen gingen in die Tiefe. Dabei hätte sich beispielsweise herausgestellt, dass die Waschbetonplatten an der Außenfassade von erstaunlich guter Qualität seien, aber die Aufhängung marode ist. Oder das Parkett in Foyers und Sälen. Das Hartholz wäre nach einer Aufarbeitung wie neu, mangelhaft sei allerdings der Unterbau. Auch die 50 Jahre alten Entwässerungsrohre seien geprüft worden. „Wir wollen die Risiken minimieren, deshalb haben wir viel untersucht und deshalb hat es auch länger gedauert“, sagte Markus Schlimme, Leiter des Fachbereichs Finanzen. Die geschätzten Kosten seien von 58,4 auf circa 59,4 Millionen Euro gestiegen.

Aufwand lohnt sich

Die Großzügigkeit des Gebäudes, die gute Akustik, der gute bauliche Zustand sprechen für die mittlerweile denkmalgeschützte Stadthalle, die 1965 fertiggestellt worden ist. Einbauten aus den 1990er Jahren, wie die Beleuchtungsbrücken oder Metalldecken sollen entfernt, das Vordach erst einmal erhalten bleiben. Die Technik wird neu gemacht, die Optik erhalten und auf Hochglanz poliert.

Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa steht im Austausch mit der Volksbank BraWo, die auf dem Gelände ein Hotel bauen will. Außer einer Tiefgarage sollen 180 Zimmer in Standard- und in Komfortausstattung entstehen.

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