Historisches Spiel als Vorlage für eine echt coole Geschäftsidee | Neue Braunschweiger
14. Februar 2020
Buntes

Historisches Spiel als Vorlage für eine echt coole Geschäftsidee

Durch Zufall entdeckte Torsten Schock eine besondere Tischkegelbahn und ließ sie nachbauen

Alle Neune? Torsten Schock führt seine Tischkegelbahn vor. Foto: Stefanie Druschke

Lehre. Wenn ein Motorradausflug zu einer coolen Geschäftsidee führt und ein historisches „Spielzeug“ unternehmerischen Pioniergeist weckt, dann ist das eine Geschichte wert. Aber fangen wir von vorn an: Als Torsten Schock vor rund zehn Jahren mit Kumpels eine Motorrad-Tour durch Mecklenburg-Vorpommern machte, landete die Truppe in einer urigen Dorfkneipe. Der Kneipenwirt verköstigte die Männerrunde nicht nur, sondern sorgte auch für ein wenig Kurzweil, indem er vom Dachboden die Tischkegelbahn anschleppte, die sein Urgroßvater gut 100 Jahre zuvor ertüftelt und gebaut hatte.

Die Mittagspause dehnte sich daraufhin viel länger aus als geplant, denn die Herren fanden Gefallen an dem alten Spielzeug – so sehr, dass Torsten Schock das Gerät am liebsten erworben hätte. Allerdings mochte der Wirt sich nicht vom Erbstück trennen, erlaubte aber, dass es ausgiebig fotografiert wurde.
„Ich hatte damals schon die Idee, das mal nachbauen zu lassen. Wenn wir schon so viel Spaß damit hatten, dann müsste das doch auch für andere interessant sein“, erzählt Schock.

Das historische Vorbild aus der Zeit um 1910. Foto: Torsten Schock

Ein paar Jahre gingen dann doch ins Land, bis er tiefer in das Projekt einstieg, Patent-Datenbanken in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchforstete und dabei feststellte: Es gibt noch keine Anmeldung für das einzigartige Prinzip dieser besonderen Tischkegelbahn. „Das war ausschlaggebend für meine Motivation, tatsächlich in diese Idee zu investieren“, sagt der 54-Jährige. Er gründete ein Start-up, ließ eine CAD-Zeichnung der Kegelbahn anfertigen und fand mit Kaether & Weise in Lamspringe eine Möbeltischlerei, die er für sein Vorhaben begeistern konnte. Dort ließ er einen Prototypen bauen – handwerklich eine ziemlich anspruchsvolle Herausforderung. Mehrfach wurden Form und Größe der Kegel verändert, Anpassungen vorgenommen und unzählige Probeläufe absolviert. Keine ganz einfache „Geburt“…

Am Ende ist das „Baby“ 180 Zentimeter lang, 45 Zentimeter breit und 28 Kilogramm schwer. Die Spieltechnik ist ausgefeilt und unterscheidet sich von vielen herkömmlichen Mechanismen. Denn mit der beweglichen Laufbahn, über die die Kugel zu den Kegeln rollt, kann deren Weg bis kurz vor dem Aufprall durch den Neigungswinkel und die drehbare Mittelachse beeinflusst werden. Anschließend werden die Kegel über einen raffinierten Zugmechanismus wieder aufgestellt, die Kugel läuft leise und schnell zurück und weiter geht’s. Großer Vorteil: Die Bahn kann im Sitzen und Stehen gleichermaßen gut bespielt werden.

Am Ende ist das „Baby“ 180 Zentimeter lang, 45 Zentimeter breit und 28 Kilogramm schwer. Foto Stefanie Druschke

Der fertige Prototyp wurde im echten Spielbetrieb ausgiebig getestet: von Freunden, Bekannten, Nachbarn, in Seniorenheimen und von den Kollegen im BZV Medienhaus, in dem Schock seit 2011 als Projektmanager arbeitet. „Anschließend gab es noch mal ein paar Korrekturen. So hat sich gezeigt, dass die Zugvorrichtung zum Aufstellen der Kegel zu viel Kraft benötigte. Außerdem haben wir für alle, die keine so ruhige Hand mehr haben, Leitplanken entworfen, die mit Magneten an der Laufbahn befestigt werden können“, erzählt der findige Unternehmensgründer.

Für die Vermarktung seiner Tischkegelbahn (www.tischkegelbahn.de) sieht er zahlreiche Einsatzmöglichkeiten: als Freizeitangebot in Seniorenheimen, in der Gastronomie, aber auch für Promotion-Zwecke etwa auf Messen und bei Betriebs- oder Familienfeiern. „Der Corpus kann mit Firmen- oder Vereinslogo gebrandet und farblich angepasst werden, das gilt auch für den Filz, mit dem die Bahn ausgekleidet ist“, sagt Schock. Außerdem bekommt die Bahn noch ein Fahrgestell, damit sie – etwa in Seniorenheimen – einfacher transportiert werden kann.

Mit knapp 3000 Euro ist das gute Stück zwar eher nicht für den Endverbraucher gedacht, aber für eine Feier mieten, das ginge. Und außerdem hat Schock noch einen Plan im Hinterkopf: „Vielleicht gibt es ja später mal eine kleinere, kompakte Version für den privaten Gebrauch“.

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