4. Juni 2022
Umwelt

Hoffen auf Regen – und die Politik

Das NB-Thema: Kostbares Wasser • Ulrich Löhr vom Niedersächsischen Landvolk über Ernteaussichten und die Folgen des Krieges

Ulrich Löhr, Landwirt aus Groß Denkte und Vorsitzender des Niedersächsischen Landvolks Braunschweiger Land wünscht sich Unterstützung von der Politik. Foto: Landvolk

Wird Ulrich Löhr gefragt, wie es denn so aussieht in der Landwirtschaft, antwortet er meist mit einem Spruch. „Na ja, Sie wissen ja, die größten Feinde der Landwirtschaft sind Frühling, Sommer, Herbst und Winter.“ Im Moment ist es allerdings vor allem die Trockenheit, die dem Landwirt aus Groß Denkte im Landkreis Wolfenbüttel Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Löhr bewirtschaftet 280 Hektar Ackerland, für Weizen und Gerste sei das Frühjahr deutlich zu trocken gewesen, sagt er, schon jetzt klar, dass die Erträge geringer als erwartet ausfallen. „Bei Mais und bei den Rüben sieht es noch besser aus. Da ist die Situation noch entspannter, weil die Pflanzen klein sind und ihren Hauptwasserbedarf erst später, ab etwa Mitte Juni, haben“, erklärt Löhr am Telefon.
Doch ob die Lage dann besser wird? Löhr wagt lieber keine Prognose. Die viel zu kurzen Regenschauer in den vergangenen Wochen haben jedenfalls nicht gereicht, um den Wassermangel im März, April und Mai auszugleichen. Ackerbauern rund um Peine und Gifhorn mussten bereits beregnen, da die Böden nur wenig Wasser halten.

„Was wir brauchen, ist ein intensiver Landregen, dann wäre vielleicht noch etwas zu retten“, hofft Löhr. Und er wünscht sich noch mehr. Der Landwirt, der gleichzeitig Vorsitzender des Niedersächsischen Landvolks Braunschweiger Land ist und damit die hiesigen Bauern vertritt, sieht auch die Politik in der Pflicht.
„Natürlich dürfen wir den Arten- und Klimaschutz nicht aus den Augen verlieren“, betont Löhr, doch Dogmatismus helfe im Moment, wo Krisen die Welt beherrschen, niemandem. „Wir versorgen ja nicht nur den deutschen, sondern auch einen Weltmarkt, der durch den Krieg in der Ukraine, deutlich unter Druck geraten ist“, blickt Löhr weit über den Tellerrand.

Beispiel Weizen. Auch wenn die leer gehamsterten Supermarktregale eine andere Sprache sprechen – Deutschland hat genug Weizen und damit auch genug Mehl. Mit einem höheren Ertrag, so Löhr, ließen sich aber auch Länder unterstützen, die im Moment unterversorgt seien. „Deckelung des Wasserverbrauchs, Düngebeschränkungen, Flächenstilllegung – das ist angesichts der aktuellen Lage ein Luxus. Jetzt ist es doch wichtig, die Versorgung sicherzustellen“, betont Löhr, der sich durchaus nicht grundsätzlich gegen den Natur- und Klimaschutz in der Landwirtschaft stemmt. „Es geht doch gar nicht darum, die Maßnahmen auszuhebeln, sondern nur für eine begrenzte Zeit auszusetzen“, sagt der Landwirt. Man müsse eine Balance finden zwischen Not, Klimawandel und Biodiversität.

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