22. Januar 2016
Kulturelles

Hohe Anziehungskraft bestätigt

Staatstheater stellte Ergebnisse seiner Bevölkerungsbefragung aus dem vergangenen Jahr vor.

Achim Müller vom Zentrum für Audience Development der Freien Universität Berlin, Gernot Tartsch, Vorstand der Stiftung für das Staatstheater Braunschweig und Generalintendant Joachim Klement (v.l.) stellten die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung vor. Foto: André Pause

Von André Pause, 23.01.2016.

Braunschweig. Die Maxime „Kenne deinen Markt“ wird angehenden Betriebswirtschaftlern in ihrer Ausbildung schon früh eingetrichtert. Und auch das Staatstheater Braunschweig verschließt sich der Publikumsanalyse nicht, hat im Juli des vergangenen Jahres zum wiederholten Male eine Bevölkerungsbefragung durchführen lassen.

Das Zentrum für Audience Development (ZAD) der Freien Universität Berlin bescheinigt dem Fünfspartenhaus bei der Ergebnisvorstellung im Großen Haus eine hohe Anziehungskraft.

In einer repräsentativen computergestützten Telefonbefragung (CATI) wurden 1091 Menschen mit Wohnsitz im regionalen Verbreitungsgebiet der Braunschweiger Zeitung befragt. Dabei ist die Stichprobe nach Alter und Geschlecht quotiert, bildet aber auch die Quoten nach Landkreisen und Stadtteilen proportional ab.

Folgende Besucherstruktur wurde in der Feldforschung ermittelt: 25 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr letzter Staatstheater-Besuch maximal ein bis zwei Jahre zurückliege (aktive Besucher), 41 Prozent betrug die Zahl derer, die zuletzt vor mindestens zwei bis drei Jahren im Haus waren (Nicht-Mehr-Besucher), 32 Prozent kannten das Staatstheater, haben es aber noch nie besucht (Noch-Nie-Besucher) und zwei Prozent kannten das Haus auch dem Namen nach nicht (Nicht-Kenner). Sowohl der Bekanntheitsgrad als auch der Besuch des Staatstheaters Braunschweig sei angesichts des großen betrachteten Einzugsgebietes positiv zu bewerten, urteilt Achim Müller, geschäftsführender Leiter des ZAD.

Die Frage, was Menschen mit unterschiedlich starker Beziehung zum Staatstheater unterscheidet, brachte dann freilich nicht allzu viel Überraschendes ans Licht. Das Alter und der Bildungsgrad beeinflussen die positive Wahrnehmung des Hauses und die Häufigkeit des Theaterbesuches. Unter den regelmäßigen Besuchern sind die 21- bis 40-Jährigen sowie die über
60-Jährigen am stärksten vertreten. Vergleichsweise viele darunter, 31 Prozent, hatten einen Migrationshintergrund.

Wie lassen sich vor allem aus dem Heer der Theaterfernen nun mehr Menschen zum Besuch der Vorstellungen hinreißen? Hier gäben, so Müller, psychologische Faktoren den Ausschlag. Unter den vom Theater durch kommunikative Maßnahmen direkt steuerbaren Ansatzpunkten für mehr Besuche wurden niedrige Preise sehr häufig genannt (skurrilerweise ist die Preiswahrnehmung in Teilen der Bevölkerung höher als das tatsächliche Preisniveau). Auch die Aufenthaltsqualität und das Gefühl des Willkommenseins spielten eine große Rolle.

Dem Wunsch nach einer weiterreichenden Unterhaltungsorientierung (Musical, Comedy, Krimis) hingegen schob Generalintendant Joachim Klement mit dem Verweis auf den Bildungsauftrag und das künstlerische Profil des Hauses einen sanften Riegel vor.

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