22. Februar 2019
Menschen

Hyper, Hyper: Vom 9.11. bis 11.9.

Kolumne von Peter Schanz

Es waren Momente unbeschreiblicher Freude, als die Grenze sich öffnete, wie hier im Doppeldorf Zicherie/Böckwitz. Foto: heinz Gabriel

Zur Einstimmung auf das neue musikalische Navigationssystem durch die 90er Jahre, gehen wir mit Peter Schanz auf Zeitreise.

Wie lange haben sie denn nun wirklich gedauert, diese 90er? Den Startpunkt kann man sehr genau benennen: es war ein Donnerstag, der 9. 11. 1989. Jenseits des Eisernen Vorhangs geschah, was keiner für möglich gehalten hatte. Mutige DDR-Bürger beendeten mit ihrer friedlichen Revolution die bleierne Zeit des Kalten Krieges.

Auch Braunschweig wurde über Nacht befreit aus seiner Zonenrandlage, war nicht mehr Arsch der Welt, war plötzlich Herz Europas. Willkommenskultur in Ekstase ließ uns am Bohlweg aus prallen Aldi-Tüten Banane um Banane in Trabbis werfen. Damit begann eine Dekade herrlicher Grenzenlosigkeit. Zwei Deutschländer versuchten zusammenzuwachsen, und sämtliche Ideologien schienen überwindbar. Alles war möglich, alles war frei. Überall Aufbruch, Lachen – einer goldenen Zukunft zugewandt. Es war das Jahrzehnt, das die große Spaßgesellschaft über uns brachte.

Das Ende hat ebenfalls ein konkretes Datum: Dienstag, 11. 9. 2001. Der Terrorangriff auf die Wolkenkratzer des World Trade Center in New York, auf das Symbol freien Welthandels, kapitalistischer Wirtschaftskraft und westlichen Reichtums, beendete die entspannte Zeit brutal. Wir hatten uns zu früh gefreut. In den kommenden Wochen werden wir uns an dieser Stelle Jahr für Jahr durch die 90er zählen, in Braunschweig und in der Welt, von Arschgeweih bis Zaubertroll, von Glogo bis Pano.

„Hyper, Hyper“ ist vom 29. Juni bis 14. Juli 2019 im Großen Haus zu sehen.

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