„Ich bin ein Stehaufmännchen“ | Neue Braunschweiger
13. Mai 2020
Menschen

„Ich bin ein Stehaufmännchen“

Student verliert in der Corona-Krise seinen Nebenjob und gründet ein kleines Unternehmen

Hat seinen Nebenjob verloren und kurzerhand ein eigenes Unternehmen gegründet: Student Felix Huth. Foto: privat

Braunschweig. „Ich bin ein Stehaufmännchen“, sagt Felix Huth von sich selbst. Die Corona-Krise hat ihn – wie viele Studierende – den Nebenjob in der Gastronomie gekostet, und er stand ohne zusätzliches Einkommen da. „Meinen Anspruch auf Bafög habe ich aufgrund der Überschneidung von Bachelor- zu Masterstudium verwirkt und meine Eltern können mir nur dürftig über die Runden helfen“, sagt der 26-Jährige, der zur Zeit an der TU Braunschweig Wirtschaftsingenieurwesen im Master studiert.

Aber den Kopf in den Sand stecken? Nichts für ihn. „Ich habe überlegt, womit ich mich und hoffentlich auch noch andere Studenten und Teilzeitjobber aus der Patsche holen kann“, erzählt er. Das Resultat: ein eigenes kleines Unternehmen, das der findige Student kurzerhand gegründet hat. Vor drei Wochen ging „Jung Knackig Grün“ an den Start. „Meine Idee ist es, älteren Menschen zu helfen – und zwar in einer der schönsten Umgebungen, die es gibt: dem heimischen Garten“.

Und so bietet Huth professionellen Gartenpflege-Service zum günstigen Kurs an. Eine echte Win-Win-Situation: Er kann sein Studium finanzieren, seine Kunden bekommen gepflegte Gärten für einen schmalen Euro. Rasenpflege, Hecken schneiden, Dachrinnen säubern, Fenster putzen, Unkraut entfernen, Terrassen reinigen, Urlaubsservice und kleinere Reparaturen: Das alles gehört zum Leistungsportfolio von „Jung Knackig Grün“. Auch ein Hochbeet aus Paletten hat der Student für einen Kunden schon gebaut.

Auch den Kundenwunsch nach einem Hochbeet hat der Student schon erfüllt.

„Ich habe einfach aus der Not eine Tugend gemacht. Seit ich denken kann, arbeite ich in Gärten, sei es im Garten meiner Eltern, Großeltern oder bei Nachbarn. Ich genieße es, draußen zu sein und die Dinge anzupacken“, so Felix Huth.

Mehr als 1000 Werbeflyer hat er mit Hilfe seiner Freundin in ganz Braunschweig und drum herum verteilt, außerdem eine Website für sein kleines Unternehmen „Jung Knackig Grün“ an den Start gebracht. Wie kommt man auf so einen ausgefallenen Namen? „Ich habe einfach nach etwas gesucht, was peppig ist und was man im Kopf behält. Da war der Name plötzlich da“, lacht Huth.

Seine Flyer-Aktion hat jedenfalls Erfolg gehabt. „Mittlerweile ist der Terminkalender schon recht gut gefüllt“, freut sich der Jungunternehmer. Mit der Belastung neben dem Studium komme er gut klar. „Ich habe seit Studienbeginn immer schon bis zu 20 Stunden pro Woche nebenbei gearbeitet“. Im Moment schreibe er ohnehin seine Masterarbeit, und die Vorlesungen finden online statt – „das lässt sich alles ganz gut arrangieren“.

Zu seinen Auftraggebern fährt der Student mit dem Fahrrad, benutzt deren vorhandene Gerätschaften und Werkzeuge.
Einer seiner Kunden ist Gerhard Bodenstein. Der 81-Jährige wohnt im Vogelsang und hatte auch einen Werbezettel von „Jung Knackig Grün“ im Briefkasten. In seinem Garten mäht Felix Huth den Rasen. „Das macht er sehr gut und zuverlässig. Der Preis ist auch günstig. Solche Leute brauchen wir Rentner“, freut sich Bodenstein über die tatkräftige Unterstützung durch den Studenten.
Wenn sich die Auftragslage gut entwickelt, hofft Felix Huth in naher Zukunft, einen Kommilitonen einstellen zu können. Und welche Pläne hat er er in weiterer Zukunft? „Wer weiß, vielleicht mache ich später mal ein richtiges Unternehmen daraus. Ich habe wirklich Spaß daran, und wenn der Arbeitsmarkt für Ingenieure sich bedeckt hält, könnte ich mir das gut vorstellen“. Vielleicht wird daraus noch eine richtige Erfolgsgeschichte. In der Corona-Krise geboren…

Auch interessant