4. Mai 2020
Kulturelles

„Ich liebe die Stadt, ich liebe die Komödie!“

Braunschweig statt Berlin: Die Schauspielerin Manon Straché lebt „auf Zeit“ lieber in der Löwenstadt

Schauspielerin Manon Straché. Foto: DPAG/Komödie am Altstadtmarkt

Braunschweig. Manon Straché ist ein positiv denkender Mensch. Immer fröhlich, immer zuversichtlich. Auch jetzt, in Zeiten des Corona-Virus versucht die Schauspielerin, den ganz großen Frust nicht an sich heranzulassen.

Bis zur Schließung der Komödie am Altstadtmarkt aufgrund der Krise stand sie in der Produktion „Vom Winde verweht …echt jetzt“ auf der Bühne. Axel Emmert „traf“ sie zum Telefoninterview.

Liebe Frau Straché, Sie sind noch in Braunschweig und nicht an Ihrem Wohnort Berlin. Warum?
Das hat zwei Gründe: Erstens, weil ich hier in Ruhe etwas besser arbeiten kann als in Berlin, und zweitens, weil mein Mann zur Corona-Risikogruppe zählt und die Distanz hilft, kein Risiko einzugehen.

Was gibt es denn noch zu tun, Sie dürfen doch weder auf der Bühne noch vor der Kamera stehen?
Das ist richtig, doch es gibt ja auch noch ein weiteres Genre, nämlich Hörbücher und Hörspiele.

Ich bin neugierig: Welches Thema bearbeiten Sie und wie funktioniert das?
Es handelt sich um zwei Hörspielproduktionen und einige Beiträge für einen You-Tube-Kanal. Unter anderem lese ich da Texte aus meinen eigenen Kindergedichten vor. Ich kann das hier in Braunschweig gut abarbeiten, da mir Theaterchef Florian Battermann liebenswerter Weise die Tontechnik samt Tontechniker zur Verfügung gestellt hat, um meine Arbeit professionell zu beenden. Dafür bin ich allen sehr dankbar.

Sie als „Kind des Ostens“ haben ja schon einiges erlebt. Sowohl politisch, als auch wirtschaftlich und kulturell. Kann man in der Wertigkeit ein solches Ereignis wie den Fall der Mauer mit der jetzigen Krise vergleichen?
Nein, in keinem Fall. Beide Ereignisse sind für sich zu betrachten. Der Mauerfall war einzigartig, das kann man ja von einem Virus dieser Art nicht hundertprozentig sagen. Eine Sache ist für mich aber dennoch gleich: Nach dem Mauerfall hat sich das Leben für uns Deutsche sehr verändert, und nach der Corona-Krise wird sich das Leben erneut verändern – diesmal für die ganze Welt.

Ganz nüchtern betrachtet: Wie bewerten Sie die jetzige Krise?
Ganz ehrlich? Ich bewerte sie einerseits als für unser gesamtes Land schwierige Zeit. Aber andererseits auch als Chance.

Wie darf ich das verstehen?
Ganz einfach: So wie bisher geht und ging es nicht weiter. Wir haben verschwendet, was nur zu verschwenden war. Wir haben uns zum Beispiel weder um die Umwelt geschert und in vielen anderen Bereichen ebenfalls egomanisch gehandelt. Diese Blase musste irgendwann platzen – und dann kam das Virus…

Also eine „Verschwörung“ von unbekannten Mächten?
Ich halte nichts von Verschwörungstheorien, doch die Naturkatastrophen der vergangenen Jahre, die Hitzewellen und die vielen anderen negativen Ereignisse, die haben doch angedeutet, dass wir auf dem falschen Weg sind.

Personen, so wie Sie, die eine gewisse Popularität erreicht haben, medienpräsent sind und freundlich von der Bühne und in Fernsehkameras winken, wird oft unterstellt, dass sie in „Saus und Braus“ leben und Party ihr alltägliches Hauptwort ist – sind Sie so ein Typ?

Zugegeben, mir geht es gut, und sicherlich geht es uns Deutschen insgesamt viel besser als den Menschen vieler anderer Länder. Wir leben hier in einem Sozialstaat, der darauf achtet, dass auch die Schwachen zu ihrem Recht kommen. Das ist leider in vielen Teilen unserer Welt nicht der Fall. Ich bin aber auch so erzogen worden, dass man nichts wegwirft, Zurückhaltung übt und sich sozial engagiert – das galt für mich vor der Wiedervereinigung und gilt bis heute.

Kommen wir einmal auf Ihre Arbeit zu sprechen. Wie und wo sehen Sie sich als Schauspielerin?
Ich habe mich nie auf ein bestimmtes Genre festgelegt und mache das auch jetzt nicht. Aktuell bin ich recht viel auf der Bühne unterwegs, habe aber auch für Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera gestanden. Und wie schon gesagt, arbeite ich derzeit an einem Hörspiel.

Warum spielen Sie immer wieder in Braunschweig?

Das ist ganz einfach zu beantworten. Ich liebe die Stadt, ich liebe die Komödie, aber zuallererst „liebe“ ich Florian Battermann (Anm.: Leiter der Komödie). Er ist einfach ein Theatermacher durch und durch. Er hat eine ganz hohe soziale Komponente in seiner Arbeit, und ich habe selten einen jungen Theatermacher kennengelernt, der so für diesen schönen Beruf „brennt“. Zudem ist er offen für Kritik und Anregungen. Er ist kein „sturer Bock“, sondern ein Mann, der auch offen ist für Veränderungen, Ideen und Neues. Sein Team und er, die sind wie eine Familie. Und wenn ich in Braunschweig bin und hier spiele, dann werde ich automatisch Teil dieser Familie. Das ist ein ungemein schönes Gefühl und leider nicht bei allen Intendanten so.

Aus zuverlässigen Quellen haben wir erfahren, dass Sie kürzlich Geburtstag hatten. Waren Sie einsam und alleine?
Nein, ich war auf 1,50-Meter-Distanz zu Florian Battermann. Wir haben in meiner Schauspielerwohnung Erdbeerkuchen mit, ausnahmsweise, Sprühsahne gegessen.

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