„Ich liebe es, die Menschen zu überraschen“ | Neue Braunschweiger
4. Dezember 2020
Wirtschaft

„Ich liebe es, die Menschen zu überraschen“

Zu früh für den Vorruhestand: Bernd Peinemann ist Interieur-Designer aus Leidenschaft – Ein Porträt

Inneneinrichter mit Leib und Seele: Bernd Peinemann. Foto: Stefanie Druschke

Braunschweig. Gestalten, einrichten, entwerfen – das ist streng genommen der Broterwerb von Bernd Peinemann. Aber eigentlich ist es viel mehr: seine große Leidenschaft, der er seit Jahrzehnten nachgeht.

Über ein Jahrzehnt war er für Renter-Einrichtungen tätig, mit der Schließung entschied sich der 63-Jährige dazu, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. „Für den Vorruhestand war es mir definitiv noch zu früh“, lacht Peinemann. Bereits vor zwei Jahren hatte sich der Inneneinrichter auf Planungsebene selbstständig gemacht, der nächste Schritt war da nur konsequent. Mitte August hat er die kleinen, aber exquisiten Geschäftsräume von Peinemann Interieur am Sackring 38 in Braunschweig eröffnet.

Ein Weg, der für den gebürtigen Wilhelmshavener so nicht unbedingt vorgezeichnet war. Die familiäre Situation im Elternhaus – alles andere als harmonisch. Nach der Volksschule geht der junge Bernd ab 1973 bei einem Raumausstatter in die Lehre. Schnell entwickelt sich ein vertrauensvolles und tolles Verhältnis zu seinem Lehrherrn. Dieser holt Bernd zu sich und gibt ihm eine 1,5 Zimmer-Wohnung in seinem Haus. Er erkennt sein Potenzial, fördert ihn, übergibt ihm schnell eine gehörige Portion Verantwortung und drängt nach dem Abschluss der Lehre darauf, dass Bernd Peinemann die Schulausbildung bis zum Abitur fortsetzt. Deshalb verpflichtet er sich bei der Bundeswehr und nach Beendigung dieser, landet Bernd Peinemann bei seiner Bestimmung.

„Ich bin kein Möbelverkäufer oder Einrichtungsberater“, sagt er über sich. Interieur-Design, das sei nun mal so viel mehr. Wer sich neu einrichten möchte, fühle sich schnell überfordert. Die große Auswahl an Möbeln und Stilrichtungen sowie die schier unbegrenzten Gestaltungs- und Einrichtungsmöglichkeiten machten es nicht eben einfacher. „Wer dann noch ein begrenztes Zeitkonto hat oder Räume, die besondere Anforderungen stellen, ist wirklich gut beraten, sich Unterstützung zu holen“, sagt der Vollblut-Einrichter.

Bei seiner Arbeit stellt Peinemann die Sehnsucht seiner Kunden nach einem stimmigen Einrichtungskonzept in den Mittelpunkt. „Nur so können ganzheitliche Wohnräume mit individueller Ausstrahlung entstehen“, ist er sich sicher. Der Inneneinrichter liebt das Spiel mit Farben, Formen und Kontrasten. Dabei kreiert er einen ausgeglichenen Materialmix, achtet auf den Energiefluss à la Feng Shui, sorgt für Brüche, wo klare Linien zu monoton werden, und setzt Akzente, in dem er besondere Kunstobjekte oder Antiquitäten inszeniert.

Gern räumt er auch mit Vorbehalten auf: „Allen, die es nicht glauben mögen, sei verraten: Auch die moderne Bauweise verträgt Vorhänge, gern auch gemustert. Gerade, wenn sie die klaren, strengen Linien unterstützend brechen, komplettieren sie das Gesamtkonzept und können auch akustisch kleine Wunder wirken“. Und noch einen Tipp hat er parat: „Insbesondere beim beliebten All-Over-Look in Weiß sollte man Objekte inszenieren, an denen das Auge hängen bleibt.“ Ein passendes Material dafür sei Leder, am besten in der zeitgemäßen cognacfarbenen Variante statt in Schwarz. „Wenn dann auch noch Teppich, Kissen und Plaids dezent gemustert sind, wird auch steriles Reinweiß eine Bühne der Gemütlichkeit“.
Ob einzelne Räume oder komplette Objekte: In jedes Projekt steckt er die gleiche Energie, jeder Kunde bekommt die gleiche Aufmerksamkeit. „Ich mache da wirklich keinen Unterschied, ob jemand bei mir nur einen Vorhangstoff aussucht oder seine komplette Wohnung gestaltet haben möchte“, betont Peinemann.

Erst nach einem ausführlichen Vorgespräch beginnt er mit seiner Arbeit. Mit feinem Gespür versucht er die Kunden zu „lesen“ um einzuschätzen, was sie mögen, was sie wollen. Und mit stilsicherem Geschmack und dem besonderen Auge findet er dann gern auch ganz unkonventionelle Lösungen. Man spürt seine Begeisterung für das, was er tut. „Ich liebe es, die Menschen zu überraschen. Wenn mein Kunde sich ein Loch in den Bauch freut, finde ich das einfach nur schön“. Ein kreativer Geist, der schöpferische Freiheit braucht: „Ich kann nicht arbeiten, wenn man mich einschränkt“, betont er und verrät, dass er nachts manchmal die besten Einfälle hat.

Fünf, maximal sieben Jahre will Bernd Peinemann seinem Beruf, pardon seiner Berufung, noch nachgehen – das macht er auch von seiner Lebensgefährtin abhängig. Langeweile droht dann auf keinen Fall. Früher leidenschaftlicher Berg- und Gletscherwanderer, Skifahrer, Handballer und Eishockeyspieler hat der Mann eine neue Passion gefunden, die er mit seiner Liebsten teilt: den Golfsport. Ebenfalls auf der Freizeit-Hitliste des vielseitig Interessierten: ein privater Kochclub mit zwei weiteren Paaren. „Das ist immer ein Vergnügen. Wir Männer kochen 5-Gänge Menüs und unsere Frauen sitzen derweil bei einem Glas Sekt zusammen und plauschen“. Jetzt bin ich neidisch.

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