16. Juli 2022
Menschen

„Ich muss das erst einmal sacken lassen“

Torben und Katharina Dietrich aus Waggum haben sich eine Auszeit genommen und sind einmal um die Welt gereist

Redakteur Torben Dietrich und seine Frau nehmen sich gerade eine Auszeit vom Alltag. Foto: Privat

Braunschweig. Im Bart leuchten ein paar graue Stellen mehr, „die sind aber bestimmt nicht durch Stress gekommen“, stellt Torben Dietrich gleich lachend klar.

Der 44-Jährige ist wieder zurück von einer sechsmonatigen Auszeit, die ihn und Ehefrau Katharina einmal um die Welt führte und ganz unspektakulär am Braunschweiger Hauptbahnhof begann und vor zwei Wochen auch dort wieder endete.
Mauritius – Dubai – Thailand – USA – Irland: Fünf Länder, fünf Zeitzonen, fünf Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da schwirrt noch der Kopf. „Ich muss das erst einmal sacken lassen“, gesteht der Waggumer – und bereut doch keinen einzigen Moment. „Es war eine großartige Erfahrung“, sagt er.

Gut geplant

Rückblick: Anfang des Jahres packten der Redakteur und seine Frau den Koffer – oder besser den Rucksack – und waren „einfach mal weg“. Der Tapetenwechsel war keine Hau-ruck-Aktion, sondern sorgfältig vorbereitet. Jeden überzähligen Euro hatten die beiden zuvor gespart, den Zeitraum mit den Arbeitgebern abgestimmt. Dass am Ende Corona einen Strich durch das Traumziel Australien machte, erscheint Dietrich im Rückblick gar nicht mehr schlimm. Als Ersatz wählte das Paar die USA. Amerika von West nach Ost, vom liberalen Kalifornien bis in den tiefsten mittleren Westen – das war Abenteuer pur: grandiose Landschaften, tolle Menschen und die Erkenntnis, dass Dinge aus sehr verschiedenen Blickwinkeln gesehen werden können. „Die Waffengesetze oder die Abtreibungsbestimmungen sind dort ein Riesenthema“, berichtet Torben Dietrich. Und natürlich der Ukraine-Krieg und die Angst vor der Rohstoffverknappung. „In einem Land, in dem riesige Pick-ups als normales Auto und etwa ein Tiguan als Kleinwagen gelten, ist das Thema Sprit natürlich allgegenwärtig“, sagt Dietrich. Anders in Thailand: Europa und die Ukraine erscheinen dort sehr weit weg, sind in den Nachrichten nicht mehr als eine Randnotiz.

Ehefrau Katharina ist fasziniert: Tiere, Menschen und Landschaften erlebte das Paar hautnah.

Nicht bloß Touristen

Von Anfang an war klar, die Auszeit nicht nur als Erholung zu nutzen, nicht nur in der schönen Blase aus Hotel und Strand zu leben. Das Paar wollte mehr, auch wenn natürlich einige touristische Highlights auf dem Programm standen: die atemberaubende Unterwasserwelt des Indischen Ozeans zum Beispiel, die Tempel in Bangkok, die Golden Gate Bridge und Mammutbäume in den USA. Aber Sightseeing allein, das war Torben und Katharina Dietrich zu wenig. Sie plauderten mit Taxifahrern, Obdachlosen, Jägern und Architekten. Lernten in Mauritius unter anderem Julien und sein Projekt Otentic kennen – ein Zeltcamp an der Mündung des Grand Rivière South-East in den Indischen Ozean, das ein nachhaltiger Gegenentwurf zum klassischen Tourismus sein will. Brachten eine Farmerin in Bangkok mit einem Institut der TU in Kontakt, um eine Lösung für ein Bewässerungsproblem zu finden. Und packten selbst mit an. „Im US-Staat Oregon legten wir Hügelkulturen an. Die sind dort der letzte Renner und wir galten schnell als Experten“, lacht Torben Dietrich.
Die Welt als „globales Dorf“ zu erfahren, überall auf Freundlichkeit und Offenheit, zu stoßen – für das Paar ist das der größte Schatz der Reise. Dazu die Erkenntnis, dass man durch die Kontakte viel günstiger zurechtkommt, als gedacht. „Unser Budget haben wir bei Weitem nicht aufgebraucht“, zieht Torben ein Fazit. Ein Leben in der Ferne also doch eine Option? Torben Dietrich schüttelt den Kopf. Nein, er sei zufrieden hier. „Ich mag unsere Region und Freunde und Familie sind wichtig.“

Wer die Erlebnisse von Torben und Katharina Dietrich noch einmal nachlesen will: Die Reiseberichte stehen unter www.neue-braunschweiger.de.

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