23. November 2013
Menschen

„Ihre Musik hat mir Kraft gegeben“

Doreen ist Botschafterin der bundesweiten Kampagne „Positiv zusammen leben“ zum Welt-Aids-Tag.

Auf der Startseite von www.welt-aids-tag.de kann man Doreen nicht nur sehen, sondern per Video auch hören.

Von Martina Jurk, 24.11.2013.
Braunschweig. Doreen hat HIV – und ist inzwischen so etwas wie ein Star. Zusammen mit der Sängerin Sarah Connor blickt sie uns von Plakaten an. Interviewanfragen von Bild und anderen Medien bekommt sie jetzt laufend. Der Grund: Doreen ist Botschafterin einer bundesweiten Kampagne zum Welt-Aids-Tag.

Doreen war 17 Jahre alt, als sie ihren ersten Freund kennenlernte. Damals ahnte sie nicht, dass sie sich mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV oder Immunschwäche-Virus) infizierte. Acht Jahre später erst erfuhr sie, dass sie HIV-positiv ist. Die Krankheit hatte bereits Besitz von ihrem Körper ergriffen. „Mir ging es schlecht. Ich hatte Angst, dass ich keine 30 Jahre alt werde“, erzählt Doreen.
Jetzt ist sie 33 Jahre alt, und es geht ihr gut – dank verbesserter Therapiemethoden. Die sympathische junge Frau geht ganz offen mit ihrer Situation um, klärt andere Menschen auf, stellt sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, will zeigen, dass man mit der Infektion ein ganz normales Leben führen kann.
Die Deutsche Aidshilfe ist auf Doreen aufmerksam geworden. Als sie gefragt wurde, ob sie Botschafterin des Welt-Aids-Tages werden möchte, sagte sie sofort Ja.
Die bundesweite Kampagne zum Welt-Aids-Tag unter dem Motto „Positiv zusammen leben“ will Stigmatisierung und Diskriminierung abbauen und eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung über HIV und Aids in der Gesellschaft initiieren.
„Wir sind stolz auf Doreen. Sie unterstützt uns als Selbsthilfeaktivistin bei unseren Anstrengungen, damit die Ausgrenzung von HIV-positiven Menschen aufhört, und das Leben schöner wird“, sagt Jürgen Hoffmann, Geschäftsführer der Braunschweiger Aids-hilfe.
Doreen geht in Schulen, um aufzuklären. Immer dabei hat sie ihren pinkfarbenen Koffer gefüllt mit Kondomen, Infomaterial und kleinen Geschenken. „Ich erzähle den Schülern meine Geschichte, und dann sind sie ganz aufmerksam und sagen, dass ich mutig sei“, meint die 33-Jährige. „Schüler aus 36 Schulen in Braunschweig, Wolfenbüttel, Salzgitter und Peine organisieren Aktionen zum Welt-Aids-Tag und sammeln Spenden an ihren Schulen. Das ist einfach toll“, ist Jürgen Hoffmann beeindruckt. Spenden seien enorm wichtig für die Arbeit der Aids-Hilfe. Der Verein werde zu 80 Prozent von Land und Stadt gefördert, 20 Prozent würden durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. Nötig seien die Mittel für Präventionsarbeit, Fortbildungsmaßnahmen und Betroffenenhilfe“, erklärt Hoffmann.
Doreen selbst hat bislang wenig Ausgrenzung erfahren. „Mein Arbeitgeber steht hinter mir und hat sich sogar für das Vertrauen bedankt, dass ich ihn über meine Krankheit informiert habe.“ Doreen arbeitet in einem Modegeschäft in den Schlossarkaden.
Diskriminierende Reaktionen von Menschen seien selten, aber schon vorgekommen. „Dann habe ich ihnen ganz konkrete Fragen gestellt, zum Beispiel ob sie immer ein Kondom benutzt haben, ob sie sicher sein können, dass der Partner treu ist, ob sie schon mal einen Aidstest gemacht haben. Jeder kann betroffen sein. Durch diese Geschichte bin ich sehr gestärkt worden“, erzählt die Einzelhandelskauffrau.
Mit der Botschafter-Rolle ist für die Braunschweigerin ihr größter Traum in Erfüllung gegangen: eine gemeinsame Aktion mit Sarah Connor. Als Fan hat Doreen die Pop-Sängerin bei Konzerten kennengelernt. „Ihre Musik hat mir nach meiner Diagnose Kraft gegeben“, sagt die Braunschweigerin. Sarah erklärte sich bereit, bei der Plakataktion mitzumachen – wegen Doreen. Das Fotoshooting dafür fand im Theater des Westens in Berlin statt. „Sechseinhalb Stunden mit Sarah. Das war der schönste Tag in meinem Leben“, gesteht Doreen.
Am nächsten Sonnabend (30. November) ist Doreen in Salzgitter-Lebenstedt beim Welt-Aids-Tag (10 bis 14 Uhr, City-Carree, Albert-Schweitzer-Straße 1) dabei.

Welt-Aids-Tag:
Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. 1988, also vor genau 25 Jahren, wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO zum ersten Mal dieser Tag ausgerufen mit dem Ziel, Menschen mit HIV und Aids nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Öffentliche Veranstaltungen in Braunschweig zum Welt-Aids-Tag:
• Dienstag (26. November) 16 bis 21 Uhr im Kino C1, Lange Straße 60: Präventionsaktion mit Glücksrad und Aidsquiz in Kooperation mit dem Gesundheitsamt.
• Freitag (29. November) 11 bis 17 Uhr, Kohlmarkt: Infostand, Straßensammlung, Bärchenverkauf, Tombola.
• Sonntag (1. Dezember) 15 bis 18 Uhr, Café Onkel Emma, Echternstraße 9: Café am Sonntag zum Welt-Aids-Tag. Die Verkaufserlöse des selbst gebackenen Kuchens gehen an die Aidshilfe. Kuchenspenden sind willkommen (Anmeldung bei Kai Zayko unter Telefon 5 80 03 34).
Kontakt: Braunschweiger Aidshilfe, Eulenstraße 5, 38114 Braunschweig, Telefon 58 00 30, www.braunschweig.aidshilfe.de

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