Im Frühjahr liefen die Telefone heiß | Neue Braunschweiger
10. November 2020
Tipps

Im Frühjahr liefen die Telefone heiß

Das Corona-Jahr ist für die Verbraucherzentrale eine große Herausforderung

Maximilian Gehr und Petra Wolf von der Beratungsstelle Braunschweig. Foto: Birgit Wiefel

Innenstadt. 100 Anrufe pro Woche und noch einmal so viele in der Warteschleife: Bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen liefen während des Lockdowns im Frühjahr die Telefone heiß. „Corona hat uns vor ganz neue Herausforderungen gestellt“, fasst Petra Wolf von der Beratungsstelle Braunschweig dieses ganz besondere Jahr zusammen.

Sie ist stolz darauf, die Masse an Anfragen trotzdem gut bewältigt zu haben. „Über eine landesweite Hotline haben wir es geschafft, schnell, unkompliziert und vor allem kostenlos Hilfe leisten zu können.“

Und die war bitter nötig, denn mit dem Shutdown im März stürzten immer neue Bestimmungen auf die Bürger ein. „Die Verwirrung, was erlaubt war und was nicht und welche Folgen das hatte, war riesig“, erinnert sich Wolf. Beispiel Reisen: Viele hätten schon für Ostern und Sommer gebucht gehabt, kannten sich aber mit den Stornierungsbedingungen nicht aus. „Wer auf eigene Faust absagte, lief damit Gefahr, saftige Stornogebühren zahlen zu müssen“, sagt Wolf.
Darüber hinaus, so Kollege Christoph Köhn, hätten manche Veranstalter die Lage schamlos ausgenutzt. „Ein Kreuzfahrtanbieter stufte Corona kurzerhand als ‘allgemeines Lebensrisiko’ ein, wollte sich so um eine Erstattung drücken und ließ es sogar auf Klagen ankommen“, schüttelt er den Kopf.

Schwarze Schafe gab es aber auch in anderen Branchen. Ein Fitnessclub wollte die Vertragslaufzeit einfach um die Wochen verlängern, in denen er schließen musste, „so etwas hat rechtlich überhaupt keine Grundlage“, betont Köhn.

Mitunter waren er, Petra Wolf und Alexander Gehr Berater und Psychologe zugleich. Vor allem, wenn es um hochemotionale Momente wie etwa Hochzeiten ging: „Zwei Jahre Vorbereitung, Discjockey schon bestellt, Termin mit dem Friseur abgesprochen, Restaurant gebucht und dann – Vollbremsung. Da lagen die Nerven blank“, weiß Gehr. Zumal für die Feiern mittlerweile vierstellige Beträge ausgegeben würden. „In solchen Fällen rieten wir dazu, sich erst einmal mit den Vertragspartner friedlich zu einigen. Gab es eine behördliche Anordnung? War deshalb ein Service gar nicht möglich?“

Mittlerweile ist die Verbraucherzentrale im Langen Hof in Braunschweig zum Tagesgeschäft zurückgekehrt, bietet auf Anfrage auch wieder eine Vor-Ort-Beratung an, wenn es Probleme mit Handyverträgen, mit Handwerkern oder Notdiensten gibt. Aber die „heißen“ Corona-Monate in diesem Jahr werden die drei Berater nicht so schnell vergessen. „Wir mussten selbst täglich dazulernen“, sagt Petra Wolf.

Telefonisch ist die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale, Langer Hof 6, unter 0531/12 31 13-0 erreichbar. Weitere Informationen im Internet unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de.

Auch interessant