24. Januar 2019
Menschen

Immer her mit den guten Ideen

Fair in Braunschweig: Anna Thiel will Menschen zusammen- und Projekte nach vorn bringen

Wer Kontakt zur Eine-Welt-Regionalpromoterin Anna Thiel aufnehmen möchte, erreicht sie per Mail unter anna.thiel@fair-in-Braunschweig.de . Foto: Marion Korth

Westliches Ringgebiet. „Klein, aber mein“: Anna Thiel hat ihr Büro in der Goslarschen Straße 93, sozusagen im Hinterhaus der Braunschweiger Tafel, bezogen und fühlt sich wohl. Trotzdem möchte sie möglichst selten an ihrem Schreibtisch sitzen. Ihren Platz sieht sie in der Stadt, überall da, wo Menschen sich für fairen Handel, Sozialstandards in aller Welt und globale Verantwortung engagieren.

Als „Eine-Welt-Regionalpromotorin“ will sie diese Gedanken weitertragen, informieren, vernetzen. Es gibt viele Ehrenamtliche, die sich für eine gerechtere Welt engagieren, und die viele Ideen haben. „Ihre Ideen möchte ich laut machen“, sagt Anna Thiel. Die ehrenamtlich Aktiven seien oft Einzelkämpfer, denen es an Zeit und Strukturen fehlt, um Vorhaben zu verwirklichen.

„Dieses Wissen, ich bin nicht allein, das treibt mich an“, sagt sie. Andere machen die Augen zu und ziehen sich zurück. Für Anna Thiel keine Option: „Um uns herum explodiert es in alle Richtungen: sozial, politisch, ökologisch.“ Die gemachten Versprechen – für ihre Generation gelten sie nicht mehr, das aktuelle System stoße an seine Grenzen. Für sie ein Grund mehr, sich auf einen neuen, fairen Weg zu machen.

Zum Jahreswechsel hat Anna Thiel den Staffelstab von Vorgängerin Tanja Mühle übernommen. Ihre Stelle – genau genommen ist es nur eine halbe – ist beim Verein Fair in Braunschweig angesiedelt, das Gehalt speist sich aus einem Programm des Bundesentwicklungsministeriums sowie den jeweiligen Bundesländern. Bis 2020 dürfte ihre Stelle erst einmal gesichert sein, nebenbei will sie ihr Masterstudium abschließen.

Anna Thiel studiert Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Politikwissenschaft. Immer wieder ist sie dabei auf die Sozial- und Umweltproblematik gestoßen. Und als sie zwischenzeitlich nebenan bei der Braunschweiger Tafel tätig war, brachten Gedanken über Lieferketten und Überproduktion sie erneut darauf.
„Solange mein Wohlstand auf den Schultern anderer basiert, trage ich die moralische Verantwortung“, sagt Anna Thiel. Dort, wo die Billig-T-Shirts für einen Sommer hergestellt werden, kommen Menschen mit Chemikalien in Berührung, sind Arbeitszeiten und Arbeitsschutz Nebensachen, werden Ressourcen vergeudet, die Umwelt verschmutzt. „Und selbst wer immer Bio-Tomaten kauft, muss nur einmal an die Arbeitsbedingungen der Erntehelfer in Spanien denken“, sagt Franziska Dickschen vom Verein Fair in Braunschweig.

„Es heißt immer, jeder muss bei sich selbst anfangen“, sagt Anna Thiel. Da ist was dran: „Jeder sollte in seinem Rahmen versuchen, die beste Version seiner selbst zu sein.“ Aber sie findet es ebenso wichtig, die Unternehmen in die Verantwortung zu nehmen. Sie haben großen Einfluss darauf, wie Nahrungsmittel angebaut und Dinge produziert werden. „Aber es ist schwer, an die großen Unternehmen heranzukommen“, sagt Thiel.
Bis das gelingt, zählen die kleinen Schritte: der Schulkiosk mit fairen Waren, der Eine-Welt-Laden, der Regionalmarkt auf dem Uni-Campus, Braunschweig-Kaffee und Braunschweig-Kakao, Fair-Trade-Gerichte im Restaurant oder der Faire Stammtisch. Schließlich trägt Braunschweig das Zertifikat „Fairtrade-Stadt“, das verpflichtet.

Die nächste größere Veranstaltung ist übrigens das Faire Kulturfrühstück am 31. März im Städtischen Museum.

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