Immer mehr Asylsuchende | Neue Braunschweiger
23. August 2014
Politisches

Immer mehr Asylsuchende

60 Prozent mehr

Klaus Siems von der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen hangelt sich von einer Notlösung zur nächsten. Weil die Zahl der Asylsuchenden so rasant steigt, hat die Stadt jetzt eine Turnhalle für ihre Unterbringung zur Verfügung gestellt. Foto: Ammerpohl

„Im Vergleich zum Vorjahr haben wir eine Steigerung von
60 Prozent“, sagt Siems mit Blick auf die Aufnahmezahlen. Am Standort Braunschweig findet dabei die Erst- und Umverteilung der Asylsuchenden auf Landesebene statt. In der Regel dauert es fünf Tage, bis ihr Fall eingeschätzt werden kann, und sie einer Kommune zugewiesen werden. „Wir haben das Prozedere schon beschleunigt, damit wir schneller Platz für die Neuankommenden haben“, sagt Siems.

Die Enge macht das Zusammenleben nicht leichter: 39 Nationen wohnen derzeit auf dem Gelände, und obwohl alle das gleiche Schicksal haben, gibt es doch untereinander manchmal Ressentiments. Erst Mitte August ist es zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Bewohnern gekommen. Siems wehrt ab: „Solche ernsten Streitereien sind die Ausnahme. Meist versuchen sich alle zurückzunehmen“, sagt er und sieht das Problem weniger in der Enge, als im Charakter begründet. „Egal wie groß eine Gruppe ist – es reicht ein Heißsporn, und der Ärger ist da“.

Vor fünf Wochen wurde auf Landesebene eine Ad-hoc-Gruppe gegründet, die sich jetzt darum kümmert, mehr Räume für Asylsuchende zu finden. „Es gibt auch Gespräche mit Privatleuten, die zum Beispiel ihre Hotelanlagen anbieten“, sagt Siems. Eine echte Lösung des Problems könne es aber nur auf europäischer Ebene geben. „Die Politik muss sich grundsätzlich fragen, wie sie mit den Flüchtlingen aus den vielen Krisenregionen umgehen will.“

Info

In Braunschweig befindet sich der Verwaltungssitz der Landesaufnahmebehörde, die auch noch Standorte in Bramsche und im Grenzdurchgangslager Friedland unterhält. An der Boeselagerstraße werden nicht nur Flüchtlinge aufgenommen, sondern – sofern sie nicht wieder abgeschoben werden oder einen Aufenthaltstitel erlangen – entsprechend einem Schlüssel auf die Kommunen verteilt.

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