31. Dezember 2020
Sport

„In der Defense gibt es großes Verbesserungspotenzial“

Löwen-Geschäftsführer Nils Mittmann im Gespräch mit der Neuen Braunschweiger

Löwen-Geschäftsführer Nils Mittmann (links) stimmt sich in wichtigen Entscheidungen mit NBA-Star und Löwen-Alleingesellschafter Dennis Schröder ab. Die beiden standen noch zusammen für die Braunschweiger auf dem Parkett. Foto: imago

Braunschweig. Nach knapp zwei Monaten als Geschäftsführer und Sportdirektor der Basketball Löwen sei er „voll angekommen in seiner Rolle und seiner neuen, alten Heimat“, sagt Nils Mittmann. Zu Wochenbeginn unterhielt sich die NB mit dem 41-jährigen Familienvater aus Stöckheim, der einst selbst als Kapitän der Bundesliga-Basketballer in der Volkswagenhalle auflief. Am morgigen Sonntag (15 Uhr) treten die Löwen bei Aufsteiger Niners Chemnitz an, nachdem ihre Liga-Partie am Dienstag gegen Bonn wegen eines Corona-Falles innerhalb der Mannschaft verlegt worden war.

Nils Mittmann, nach acht Partien stehen bei den Löwen vier Siege und vier Niederlagen zu Buche. Ist das eine Bilanz, mit der Sie leben können?

Ja, ich denke mit der Bilanz kann man leben. Zwei Spiele vorher sah sie noch ein bisschen schöner aus, aber alles in allem können wir damit gut leben. Wichtig ist mir aber immer die Entwicklung, und da war natürlich das Crailsheim-Spiel (eine 75:108-Niederlage; Anm. d. Red.) ein „Wake-up-Call“, der uns nach vier Siegen in Folge wieder ein bisschen auf den Boden der Tatsachen geholt hat.

Im angesprochenen Spiel gegen Crailsheim und in der folgenden Niederlage nach Verlängerung in Frankfurt haben die Löwen jeweils über 100 Punkte kassiert. Sehen Sie die Verteidigung als großes Problem?

Die Defense ist sicher einer der Punkte, an denen man ansetzen muss. Wir brauchen eine gute Verteidigung, wir brauchen eine gute Rebound-Arbeit, um unsere Stärken offensiv mit unserem Umschaltspiel ausschöpfen zu können . Da gibt es sicherlich noch großes Verbesserungspotenzial. Man hat gegen Crailsheim gesehen, wie schwer wir uns getan haben, gegen deren agile Schützen vorzugehen. Gegen Frankfurt auch wieder, wo wir auch in der Verlängerung relativ freie Würfe abgegeben haben. Da müssen wir uns verbessern, da brauchen wir auch mehr Kommunikation. Das braucht aber auch seine Zeit, da müssen wir uns kontinuierlich weiterentwickeln.

Für Stirnrunzeln sorgte bislang der tschechische Neuzugang Martin Peterka, der in den vergangenen drei Partien auf insgesamt nur drei Punkte kam und auch sonst kaum auffällt. Haben Sie mittlerweile Zweifel an dem 25-jährigen Power Forward?

Wir haben keine Zweifel an ihm und wir glauben, dass er in seine Rolle reinfindet. Man sieht jetzt, dass er kein gestandener Veteran an seiner sechsten Station im Ausland ist, sondern dass er direkt aus seinem Heimatland kommt und das erste Mal in einer ausländischen Liga spielt. Da braucht er sicherlich auch noch ein bisschen Eingewöhnungszeit. Ich hoffe, dass er sich zunehmend auch in der deutschen Liga zurechtfindet, die eben doch sehr physisch und sehr athletisch ist. Auch defensiv muss er sich weiter verbessern, so wie viele unserer Spieler. Aber wir glauben natürlich an ihn, und wir müssen gucken, dass wir Martins unzweifelhafte Stärken in das Kollektiv einbringen.

Der krankheitsbedingte Ausfall von Kostja Mushidi hat Sie personell zusätzlich belastet. Gibt es Neuigkeiten hinsichtlich einer Nachverpflichtung?

Wenn wir jemanden dazu holen, dann muss es jemand sein, der in unser Konzept passt und der uns nicht nur hilft, zwei oder drei Spiele zu gewinnen. Wir denken da langfristig. Wir beobachten in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung der Mannschaft, die ja durchweg positiv ist. Von daher sind wir relativ entspannt, was das Thema angeht. Wenn wir zuschlagen, dann wird es jemand sein, der uns auch längerfristig weiterhilft.

Gibt es Löwen-Spieler, die Sie in der bisherigen Saison besonders begeistert oder überrascht haben?

Mich freut vor allem, dass wir uns mannschaftlich weiterentwickelt haben. Gerade offensiv spielen wir besser zusammen, haben ein besseres Spacing auf dem Feld und kreieren freie Würfe. Dadurch kommt etwa ein Spieler wie Lukas Meisner besser zur Geltung – und perspektivisch sicherlich auch Martin Peterka. Oder wenn man sieht, welche Entwicklungsschritte ein Karim Jallow gemacht hat, der letztes Jahr schon sehr solide gespielt hat, aber jetzt – auch als Co-Kapitän – noch mal eine ganz andere Rolle eingenommen hat und kämpferisch vorangeht. Das sind Dinge, die wir sehr wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Denn daran sehen wir, dass die jungen Spieler die Rolle und die Herausforderung annehmen und nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb die entsprechenden Entwicklungsschritte machen.

Und was sagen Sie zum erst 18-jährigen Luc van Slooten, der fast sieben Punkte pro Spiel markiert und mehr als 50 Prozent seiner Dreier eintütet?

Wir freuen uns natürlich über seine Entwicklung und dass er auf diesem Level mit seinem guten Wurf von außen schon seine Stiche setzen kann. Da sieht man einfach, dass sportliche Klasse nicht unbedingt ein gewisses Alter voraussetzt, sondern dass wir die jungen Spieler mit Qualität ins kalte Wasser werfen können und sie es dann mit guten Leistungen zurückzahlen.

Wegen der Corona-Pandemie haben Sie die gesamte bisherige Saison ohne Zuschauer absolviert. Einen Teil der staatlichen Hilfsgelder, um die fehlenden Ticketerlöse abzufedern, haben Sie bereits bekommen. Ist der nächste Antrag schon gestellt?

Den nächsten Antrag haben wir noch nicht gestellt, aber wir gucken uns die entsprechende Gesetzgebung und die möglichen Hilfen sehr genau an. Das geschieht auch in ganz enger Absprache mit der Liga, die dabei eine große Unterstützung ist. Zusammen mit der Initiative „Teamsport Deutschland“ hält sie auch die Kommunikation zur Politik. Innerhalb dieser Abstimmung wollen wir auch die nächsten Anträge stellen, um bestmöglich an den vorhandenen Töpfen partizipieren zu können.

Die Löwen würden diese Saison also auch ganz ohne Zuschauer finanziell überleben?

Ja. Da ist natürlich nicht das, was wir anstreben. Aber es ist ein Szenario, mit dem wir uns beschäftigen müssen. Und man muss ja auch ganz klar sagen, dass sich die Öffnung der Halle betriebswirtschaftlich nur mit einer bestimmten Zuschauerzahl rechnet. Und ob die momentan erreicht werden kann, das sei erstmal dahingestellt. Wir kalkulieren unterschiedliche Szenarien, eines davon ganz ohne Zuschauer, und auch dann würden wir die Saison durchstehen.

Sind Sie persönlich denn optimistisch, dass die Löwen in dieser Saison noch mal Zuschauer in die Halle lassen dürfen?

Das ist eine schwierige Frage. Ich hoffe natürlich, dass sich das mit der Gesamtsituation vereinbaren lässt. Es wäre ja schon ein tolles Zeichen, wenn man zum Ende hin, im letzten Drittel der Saison, vielleicht doch wieder vor Fans spielen könnte. Das würde ich mir für uns alle wünschen, zumal es ja auch den Beginn eines wieder sozialer geprägten Lebens bedeuten würde, mit Restaurantbesuchen, kulturellen Veranstaltungen oder dem Treffen von Freunden. Das ist natürlich mein großer Wunsch, dass wir da als Gesellschaft schon bald wieder hinkommen.

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