15. Juli 2021
Stadtplanung

In der Tiefe ist noch immer Mittelalter

Historischer Stadtmauerfund soll wiederaufgebaut werden ­– Holz für Balken 1178 geschlagen

So soll die alte Stadtmauer am Geiershagen – nahe dem Fundort und frei zugänglich – präsentiert werden. Grafik: Stadt Braunschweig / Kleineberg, Architekten und Ingenieure

Braunschweig (ako). Ein historischer Stadtmauerfund aus dem 12. Jahrhundert soll am Weg Neuer Geiershagen nahe der Jugendherberge wieder aufgebaut werden. Das schlägt die Stadtverwaltung vor.

Bei Bauarbeiten für ein Wohnprojekt an der Wendenstraße waren im Jahr 2011 Reste der mittelalterlichen Stadtmauer Braunschweigs freigelegt worden. Einen unterhalb ihrer Fundamente erhaltenen Eichenbalken identifizierten die Archäologen als Teil eines historischen Krans aus der Bauzeit des Mauerteils. Mit Hilfe der Jahresringe ermittelten die Wissenschaftler, dass der Holzeinschlag dafür im Jahr 1178 erfolgt sein muss und dass die Mauer somit aus der Zeit Heinrichs des Löwen stammt.
Da der Fund nicht an seinem ursprünglichen Platz verbleiben konnte, wurde er geborgen und eingelagert, um ihn später an geeigneter Stelle, möglichst in unmittelbarer Nähe, angemessen präsentieren zu können. Ausgewählt für die Präsentation wurde eine Rasenfläche zwischen dem heutigen Verlauf zweier historischer Stadtgräben und dem Weg Neuer Geiershagen, der zwischen den Gebäudeteilen der Jugendherberge hindurch die Innenstadt mit dem Inselwall und den dortigen Parkanlagen verbindet.

„Diese Fläche ist gut geeignet, da sie nahe dem Fundort liegt und öffentlich gut zugänglich ist“, sagt Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. „In unmittelbarer Nachbarschaft der Jugendherberge kann hier ein zusätzlicher Ort entstehen, an dem Gästen, aber auch Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt die Geschichte Braunschweigs anschaulich dargestellt wird.“
Die 2011 katalogisierten und eingelagerten Natursteine sollen in ihrer historischen Anordnung neu aufgemauert werden. Sowohl die ursprüngliche Dicke der Mauer als auch ihr mehrschaliger Aufbau mit fest vermauerten Außenschalen und kleinteiligerem Füllmaterial werden wiederhergestellt, um die Bauweise des 12. Jahrhunderts zu zeigen.
Eine Lücke, die in späteren Jahrhunderten in die Mauer hineingebrochen wurde, soll genutzt werden, um mit einem Stahlrahmen die vermutete Höhe der ehemaligen Befestigungsanlage anzudeuten. Dieser grau lackierte Stahlrahmen dient auch dazu, über Texte und Zeichnungen außen Hinweise zur Stadtgeschichte und zur Person Heinrichs des Löwen zu geben sowie im Inneren die Konstruktion einer solchen Mauer mit den damals verfügbaren Werkzeugen zu erläutern. Der ehemalige Kranbalken wird durch eine niveaugleiche Stahlplatte gleicher Farbigkeit im Bodenbelag nachempfunden.

Der Stadtbezirksrat Innenstadt hat dem Projekt in der Anhörung bereits zugestimmt. Das Thema steht nun am 21. Juli auf der Tagesordnung des Planungs- und Umweltausschusses. Die Entscheidung trifft der Verwaltungsausschuss am 28. September.

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