In Deutschland angekommen | Neue Braunschweiger
1. Juli 2014
Menschen

In Deutschland angekommen

Netzwerk Integration will Bedingungen für Migranten in Braunschweig verbessern – Vier Projekte vorgestellt.

Von Marion Korth, 02.07.2014.

Braunschweig. Wie können Menschen, die selbst oder deren Familien ihre Wurzeln in anderen Ländern haben, besser ins städtische Leben eingebunden werden, wie können sie ihre Stärken einbringen, welche Bedürfnisse haben sie? Alles Fragen, deren sich das im Jahr 2000 gegründete Netzwerk Integration annimmt.

Mitglieder sind die Stadt Braunschweig, Volkshochschule, Awo und Caritas, dazu kommen zahlreiche Kooperationspartner. „Wir sind offen für alle, für Vereine, Verbände, Politik, Kirche. Für alle, die Berührung mit dem Thema haben“, sagt Martin Stützer (Awo-Migrationsberatung). So unterschiedlich wie die Beteiligten sind die Projekte. Vier von ihnen wurden unlängst bei einer der regelmäßigen Tagungen vorgestellt. Einen praktischen Ansatz verfolgt das Sportprojekt „Zugewandert und geblieben“.

Ältere Menschen aus aller Welt für den Sport zu begeistern, ist das Ziel des speziellen Herz- und Kreislauftrainings beim Tischtennisclub Magni. Das Tischtennis-Spiel wird dabei um verschiedene Rundlaufvarianten um mehrere Platten und zum Teil durch die gesamte Halle ergänzt. „Durch das spielerische Element empfinden die Teilnehmer das alles weniger anstrengend, als es eigentlich ist“, berichtet Udo Sialino vom Tischtennisverband Niedersachsen. Mit dem Angebot habe man völliges Neuland betreten. Die Teilnehmer sollen über 60 und dazu noch Migranten sein, das sei sehr speziell. Eine Gruppe mit zwölf Spielern hat sich aber zusammengefunden, und im September wird ein zweiter Kursus beginnen.

Kiosk, Imbiss, Gemüseladen – viele Migranten wählen beruflich den Weg in die Selbstständigkeit. Wie das berücksichtigt und gefördert wird, untersucht Charlotte Räuchle (Humboldt-Universität Berlin) exemplarisch in den Bezirken der Handelskammern Rostock und Braunschweig.

„Es wird ein Bündel von Gründen geben, warum die sprachliche Förderung von Migranten nicht so wirkt, wie sie wirken sollte“, sagt Professor Dr. Jürgen Boeckh, Studiendekan Fakultät Soziale Arbeit. Mit Studierenden der Ostfalia untersucht er, welche Gründe das genau sind. Dabei sollen die Teilnehmer der Deutschkurse zu Experten in eigener Sache gemacht und befragt werden. Es gehe darum, für Braunschweig ein Bild zu bekommen, wo das Netzwerk funktioniert, wo es Schwachstellen gibt. Bislang ist es nur eine Hypothese, aber Boeckh glaubt, dass es mit kurzfristigen Angeboten und Förderprojekten nicht getan ist, sondern Hilfepläne mit langfristigen Perspektiven die Startbedingungen für Migranten verbessern.

Beim DRK werden derzeit zehn junge Vietnamesen zu Altenpflegern ausgebildet. Die VHS übernimmt begleitend die Sprachausbildung. „Der Fachkräftemangel ist schon da“, sagt Judith Greinke. Fachkräfte aus Drittländern zu gewinnen, könnte eine Strategie dagegen sein. In Vietnam gebe es mehr Altenpfleger als gebraucht würden. Das Pilotprojekt des Bundesministeriums für Wirtschaft sichert die enge Begleitung der jungen Leute, die in ihrem Heimatland bereits eine Ausbildung als Krankenpfleger absolviert haben. Die bisherigen Erfahrungen sind gut, die Schüler haben alle gute Noten. Nach zwei Jahren können sie frei entscheiden, ob sie weiter in Deutschland arbeiten möchten. „Sie dürfen bleiben, aber sie müssen nicht“, sagt Greinke.

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