29. Mai 2018
Politik

In Mitte-West gibt es viele Baustellen und Projekte

Wo drückt der Schuh, Herr Bürgermeister? Matthias Presia spricht im ersten Teil unserer Serie über seinen Bezirk

Von Andreas Stolz, 29.05.2018

Mitte-West. Treffpunkt: Altes Einkaufszentrum am Schlesierweg. Kein besonders einladendes Terrain, an dem unser Gespräch mit dem Ortsbürgermeister von Mitte-West, Matthias Presia, beginnt. Ein Supermarkt, ein Friseur, hier herrscht ein Hauch von „ökonomischer Trostlosigkeit“. „Es müsste etwas gemacht werden“, sagt der 46-jährige SPD-Politiker, der an der Spitze von Wolfsburgs größtem Stadtteil steht. „Aber das Projekt dort drüben hat Vorrang.“ Presia zeigt auf die immense Baufläche, auf der Lastwagen fahren und Kräne im Einsatz sind. Ein zukunftsträchtiges Gelände zwischen Schlesierweg und Breslauer Straße, das nach seiner Fertigstellung auf einer Fläche von 12 000 Quadratmetern unter anderem Wohnungen in zwei sechsgeschossigen Mehrfamilienhäusern und in einem siebengeschossigen Wohnturm bieten wird. In Ergänzung zu den bereits jetzt ansässigen Nahversorgern werden sich ein moderner Einkaufsmarkt, eine Drogerie, eine Apotheke, Arztpraxen und ein Café ansiedeln. Ein positiver Trend, den der Ortsbürgermeister begrüßt, ohne dass er darüber das alte Einkaufszentrum vergessen will.

Was seine Arbeit schwierig macht, erklärt der (ehrenamtliche) Ortsbürgermeister von Mitte-West so: Die Stadtteile wie der Rabenberg, der Eichelkamp, der Klieversberg oder der Wohltberg haben eine völlig unterschiedliche Infrastruktur. Eichelkamp und Klieversberg haben eine geringe Bevölkerungsdichte, Wohltberg und Laagberg eine hohe. Diese Konstellation bedinge ganz unterschiedliche Interessen, zum Beispiel, was die Nahversorgung der Bewohner angehe, sagt der Politiker. Manchmal fühlt sich Presia dann wie einer, der die Quadratur des Kreises vollbringen soll. „Auf der einen Seite wollen die Leute Einkaufsmärkte in der Nachbarschaft, aber das dadurch erhöhte Verkehrsaufkommen lehnen sie ab.“

Ein Blick auf Probleme in Mitte-West. Da ist die Kindertagesstätte Heilig Geist, die wegen Schimmelbefalls geschlossen wurde. Vier Millionen Euro, um das denkmalgeschützte Gebäude zu sanieren, wird die evangelische Landeskirche als Träger nicht investieren. „Es muss ein Standort her, aber der ist immer noch nicht gefunden“, macht sich Presia seine Sorgen und Gedanken. Und auch der in der Nähe gelegene Dunantplatz, der schon bessere Tage gesehen hat, bedürfte der Aufwertung.

Wo drückt den Ortsbürgermeister, der sein Amt seit 2016 innehat, sonst noch der Schuh? Die Liste ist lang. Hier ein Auszug: Sanierungsstau bei Rad- und Fußwegen. Parkende Autos auf Gehwegen, die Schäden verursachen. „Leider parken die Anwohner selbst auch auf den Fußwegen“, fügt Matthias Presia kritisch hinzu. Besonders schwierig sei es für ihn als Ortsbürgermeister, dass es im größten Stadtteil Wolfsburgs kein Bürgerbüro gebe, in dem sich Ortsrat und Bewohner austauschen könnten.

Dass es „in Mitte-West immer wieder Baustellen gibt“, auch in übertragenem Sinne, das räumt der Ortsbürgermeister ein. „Hier wurde schon vieles erreicht oder ist in der Umsetzung“, bilanziert Presia. „Jedoch ist bei einigen Bürgern und Kommunalpolitikern zu spüren, dass man das Erreichte nicht wahrnimmt.“ Als „bedauerlich“ bezeichnet der engagierte Politiker, er ist seit 2011 im Ortsrat, diesen Trend. Trotz aller Widrigkeiten, die manchmal auftreten, und dem hohen Zeitaufwand, den er neben seinem Beruf ins Ehrenamt investiert: Matthias Presia hat Freude an seinem Amt und dem Kontakt zu den Bürgern. „Besonders, wenn ich zu Ehejubiläen und Geburtstagen gehe“, sagt er. „In diesem Rahmen kann ich mich mit den Bewohnern von Mitte-West ganz zwanglos unterhalten.“

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