Indische Toiletten

Der Braunschweiger Autor, Erzähler und Journalist Dr. Andreas Döring erzählt in seinen Kolumnen von seinen Reisen rund um die Welt. Foto: oh

Apia war das, die Hauptstadt von Samoa. Die Pension Princess Tui Inn: ein Name wie ein Fünf-Sterne-Hotel eines Reisekonzerns mit Sitz in der verbotenen Stadt H., oder wie eine samoanische Adelsschönheit, die Reisende aus aller Welt einlädt, an ihrer exklusiven Lebensart in Strandnähe teilzuhaben. Es war keins von beidem, und das ist gut so. Hier mein Plädoyer für Kaschemmen.

Drei Wochen hatte ich gebucht: erst ein 8-Bettzimmer, dann eine Woche 4 Betten, schließlich drei Tage Doppelzimmer mit einer bildhübschen 23-jährigen Dänin, die mir nach der ersten Nacht sagte: Du schnarchst wie mein Vater. Das dazu.
Touristen, die was auf sich halten, buchen in Apia natürlich das Aggie Grey´s. Da kann man dann später behaupten, man habe im gleichen Zimmer genächtigt wie der Schriftsteller Somerset Maugham oder Schauspielerlegende Gary Cooper. Pro Nacht ab 250 € inklusive original einheimischer Folklore jeden Mittwochabend und täglicher Streicher-Combo zum Dinner. Aber was es in all diesen gediegenen Hotels weltweit eben immer auch gibt sind diese Gespräche von Menschen, die gern unter ihresgleichen bleiben und sich ausschließlich über die Qualität von Restaurants, Frühstücksbuffets, Ayurveda-Massagen und andere Hotels in anderen Ländern austauschen.

Vielen von ihnen begegnen Einheimischen nur im Hotel, ansonsten höchstens auf gebuchten Touren mit kultiviertem Führer. Händeschütteln nur nach Desinfektion.
Ganz anders im Princess Tui Inn. Da lebte zum Beispiel seit Wochen ein Tattoostecher aus London mit seiner Freundin. Sie wollten sich bei samoanischen Altmeistern im Tätowieren weiterbilden, waren aber über erste vertrauensbildende Maßnahmen noch nicht hinaus, denn die wirklich bedeutsamen Tattoos darf nicht jeder einfach so abgucken. Ungleich interessantere Gespräche als im Aggie. (Zumal die beiden Robbie Williams als Stammkunden hatten). Dafür gab es hier nur Dosenbier auf den Treppenstufen zur Veranda, die Duschen waren in einem kleinen Gebäude hinter dem Haus und für die Geschäfte gab es auf dem Flur indische Toiletten: jenseits des Ganges. Ein Haus für Reisende eben – nicht für Touristen. Den berühmten Kakao im Aggie Grey´s oder den legendären Afternoon Tea im Victoria Falls Hotel in Sambia kann man ja trotzdem genießen.

Der Braunschweiger Autor, Erzähler und Journalist Dr. Andreas Döring veröffentlicht an dieser Stelle Kolumnen, die von seinen Reisen rund um die Welt erzählen. Wer Anregungen oder Fragen dazu hat, der Autor freut sich. Andreas Döring, E-Mail: dottoredoering@web.de

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