„Jedes Kind soll selbst entscheiden“

Die integrative Kindertagesstätte Schuntersiedlung arbeitet mit einem offenen Konzept

Die Kinder lieben es in der Gemeinschaft zu essen. Ulrich Markurth wünscht „Guten Appetit“. Foto: Maria Lüer

Schuntersiedlung. Mit viel Gekreische turnen die Jungs auf den Matten, während die Mädchen es eher gemütlich und deutlich leiser angehen lassen. Malen und Basteln mit der Betreuerin steht für sie im Moment ganz oben auf der Wunschliste.

Der normale Alltag in der Kindertagesstätte Schuntersiedlung unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von anderen Kindergärten: gemeinsam spielen, Frühstück und Mittagessen, Aufenthalte in Kreativ- und Bewegungsräumen, die die Kinder frei wählen können, und natürlich „Draußenzeit“, wie es Bärbel Karetta, Leiterin der Einrichtung, nennt.
Auf den zweiten Blick aber ist doch etwas anders: Mit dabei sind sieben Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. In der Kita wird Inklusion jeden Tag gelebt. „Bei uns lernen die Kleinen schon früh, dass jeder Mensch seine Stärken ebenso wie seine Schwächen hat“, macht Bärbel Karetta deutlich.

Oberbürgermeister Ulrich Markurth besuchte gemeinsam mit Sozialdezernentin Christine Arbogast jetzt die Einrichtung, um sich am Beispiel der Kita Schuntersiedlung zeigen zu lassen, wie Inklusion in Kitas im Alltag gelingen kann.
78 Kinder werden derzeit in fünf Gruppen betreut. Der Tagesablauf ist für die Kinder geöffnet, feste Strukturen wie etwa ein Morgenkreis oder feste Sitzplätze beim Mittagsessen gibt es nicht, sagt Karetta und fügt hinzu: „Jedes Kind soll selbst entscheiden, wann, wie oft und womit es spielt. Wer will, kann sich nach Lust und Laune verkleiden, im Kunstraum basteln oder zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter das große Freigelände nutzen.“ Es gehe darum, Kinder zu beobachten und auf ihre Impulse zu reagieren, mit welchen Aktivitäten sie ihren Tag verbringen möchten.

Auch die Kinder mit erhöhtem Förderbedarf werden in das „offene Konzept“ integriert. „Inklusion ist aufwändig, kann aber gut funktionieren – mit genügend Fachpersonal, das an einem Strang zieht“, betont Bärbel Karetta abschließend.
Und was für andere weiterhin noch als besonders gilt, ist in der Kita Schuntersiedlung längst normal.

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