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„Kein Fastfood oder Süßgetränke“

Eintracht Co-Trainer Frank Eulberg im Interview über die Ernährung der Fußballprofis

Frank Eulberg.

Braunschweig. Seit Saisonbeginn sitzt Frank Eulberg als Co-Trainer von Christian Flüthmann bei Eintracht Braunschweig auf der Trainerbank. Der in Salzgitter aufgewachsene Fußball-Lehrer war zuvor in gleicher Funktion bei Energie Cottbus tätig und arbeitete davor für zahlreiche Clubs wie Arminia Bielefeld, Goslar 08, Göttingen 05, Traktor Sazi Täbris im Iran oder Kaizer Chiefs in Südafrika. Neben dem Fußball spielt gesunde Ernährung eine wichtige Rolle im Leben des zweifachen Vaters, der bereits vor 34 Jahren in Salzgitter einen Bioladen eröffnete. NB-Mitarbeiter Elmar von Cramon sprach mit Frank Eulberg.

? Herr Eulberg, was hat sie dazu bewogen, vor 34 Jahren einen Bioladen zu eröffnen?

! Ich studierte damals an der Fachhochschule in Braunschweig Sozialpädagogik. Im Magniviertel gab es einen Bioladen, der mein Interesse für biologisch erzeugte Lebensmittel geweckt hat. Aktiver Umwelt- und Tierschutz standen für mich damals an erster Stelle. Auch war mir damals schon bewusst, dass es durch Atomkraft und Landwirtschaft mit chemischer Keule Probleme geben wird. Seinem Körper etwas Gutes zu tun, ist dabei umso schöner.
Neben meiner Leidenschaft für Fußball besitze ich familienbedingt auch eine kaufmännische Ader. Diese hat mich 1985 dazu geführt zusammen mit zwei Mitstreitern relativ unbedarft den „Vollkornladen“ in Salzgitter zu eröffnen, den ich bis heute kaufmännisch führe.

? Wie sollte sich ein Profifußballer aus Ihrer Sicht ernähren?

! Grundsätzlich gilt nach einer Belastung, neben der Flüssigkeitsaufnahme, den Kohlenhydratspeicher zeitnah wieder aufzufüllen. Dabei spielen vor allem Nudeln und Reis, in jüngster Zeit aber auch Nahrungsmittel wie Quinoa eine Rolle. Viele Fußballer wie Robert Lewandowski setzen zudem auf eine glutenfreie Ernährung und berichten davon, dass sie nun noch mehr Energie besitzen, um den hohen Belastungen standzuhalten. Andere probieren eine vegetarische oder vegane Ernährung aus, wichtig ist, dass jeder Sportler für sich den richtigen Weg findet. Fastfood, Alkohol oder Süßgetränke sind bei den Spielern von heute in aller Regel tabu, das sah vor 20 Jahren noch anders aus. Das Training ist heutzutage viel intensiver als damals, das würde man ohne eine extrem gute körperliche Verfassung nicht hinbekommen.

? War ein bisweilen auch launig zur Schau gestellter Lebenswandel á la Mario Basler unter den Profis damals eher Regel als Ausnahme?

! Als ich in den Neunziger Jahren meinen Fußball-Lehrer gemacht habe, war es bei manchen Bundesligavereinen nach den Spielen nahezu „Pflicht“ bis nachts noch feiern zu gehen, obwohl am nächsten Tag das Spielersatztraining auf dem Programm stand. Das wäre heute schlicht und ergreifend unvorstellbar. Zum einen, weil es durch die sozialen Medien wahrscheinlich in der Öffentlichkeit landen würde, zum anderen weil es durch den hohen Anspruch des Profifußballs an den Körper einfach nicht zu stemmen wäre.

? Werder Bremens fast 41-jähriger Stürmer Claudio Pizarro verzichtet zum Beispiel auf Weißmehl, Kartoffeln und Süßigkeiten. Kann so eine Ernährungsumstellung aus Ihrer Sicht dazu beitragen, noch länger leistungsfähig zu bleiben?

! Das würde ich hundertprozentig unterschreiben. Er hat für sich herausgefunden, was ihm gut tut und weiß, wie sein Körper tickt. Gerade ältere Spieler beschäftigen sich oft noch intensiver damit, durch das Internet findet man ja auch schnell heraus, wo man entsprechende Produkte findet. Ewald Lienen, den ich seit Jahren kenne, hat sich schon früher mit eigens mitgebrachter Frischkornmühle sein eigenes Müsli zubereitet. Sowas ist heute nichts Ungewöhnliches mehr, wurde damals noch belächelt.

? Welche Änderung der Essenszusammenstellung haben Sie im Laufe der Jahre ansonsten noch beobachten können?

! Positiv finde ich, dass auch in Hotels oder Restaurants, wo man als Mannschaft zu Gast ist, die Möglichkeit besteht, sich sein Menü nach den oben genannten, selbst gewählten Gesichtspunkten zusammenzustellen.
Auffällig ist, dass Schweinefleisch im Profibereich fast nirgendwo mehr auf dem Speiseplan auftaucht, das Fleisch ist in aller Regel Geflügel, Rind und Fisch.

? Muss man den Spielern heutzutage noch Ratschläge in Sachen gesunder Ernährung mit auf den Weg geben?

! Die Spieler kommen heute fast alle aus den Nachwuchsleistungszentren, wo sie durch Ernährungsberater schon früh für das Thema sensibilisiert werden. Außerdem ist das Thema viel breiter in der Öffentlichkeit präsent und kommt damit automatisch auch bei den Spielern an.

? Sie waren als Trainer im Ausland im Iran und in Südafrika tätig, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben sie bei der Ernährung festgestellt?

! Im Iran basierte fast alles auf Reisgerichten mit Fleisch und Gemüse. Zwar waren die Gerichte lecker, auf Dauer wurde mir das ganze aber zu einseitig.
In Südafrika war die Küche sehr europäisch, außerdem stand nach jedem Spiel und Training eigens zubereitetes Essen für die Spieler bereit.

? Welche Ernährungstipps würden Sie sportlich ambitionierten Jugendlichen in Sachen Ernährung geben?

! In erster Linie ein Bewusstsein für Nahrung zu entwickeln und vielleicht in Richtung Bio- beziehungsweise Naturkost zu schauen, weil die Nahrungsmittel aus meiner Sicht eine höhere Qualität und Nährstoffdichte bieten. Beschäftigt man sich mit seiner Ernährung, wird man wahrscheinlich auch bessere Produkte zu sich nehmen. Jugendliche sollte man jedoch nicht zu einer gesunden Ernährung „bekehren“, stattdessen ist es wichtig, dass sie selbst davon überzeugt sind.

? Auf welches Nahrungsmittel greifen Sie besonders gern zurück und was ist Ihr Lieblingsgericht ?

! Vor allem die Avocado, einem der gesündesten und schmackhaftesten Fettlieferanten überhaupt. Sie stellt dem Körper alle essentiellen Aminosäuren bereit. Führt man ihm diese nicht in ausreichender Menge über die Nahrung zu, kommt es zu einem Mangel, der Probleme bereiten kann und den normale Nahrung oder Fastfood nicht beseitigen können. Auch Tomaten stehen mehrmals in der Woche auf meinem Speiseplan. Sehr gerne esse ich vegetarischen Linseneintopf, überhaupt finde ich Suppen und Eintopfgerichte aller Art sehr schmackhaft.

? Was halten Sie von „Superfoods“?

! Oft steckt ein Hype dahinter. Viele Sachen sind sinnvoll, andere jedoch überteuert. Das beste Beispiel sind Chia-Samen, die seit einigen Jahren zu verhältnismäßig hohen Preisen am Markt sind. Heimische Leinsamen erfüllen weitestgehend den gleichen Zweck und sind deutlich günstiger. Eine gute, ausgewogene Ernährung mit möglichst vielen Bioprodukten ist aus meiner Sicht der beste Weg.

? Worauf achten Sie von Frühstück bis zum Abendessen bei Ihrer eigenen Ernährung?

!  Morgens gibt es normalerweise Obst, Müsli oder beides zusammen. Sonntags kann es beim Frühstück mit der Familie auch mal ein Brötchen sein. Mittags esse ich eher wenig und nehme Knäckebrot mit Avocado oder vegetarischem Aufstrich und einen Salat zu mir. Abends esse ich meine Hauptmahlzeit und versuche nicht unnötig viele Kohlenhydrate zu mir zu nehmen. Habe ich tagsüber einen Lauf oder Krafttraining absolviert ist die Menge größer; war das nicht der Fall versuche ich die Menge an Kohlenhydraten zu reduzieren, um mein „Wohlfühlgewicht“ nicht zu gefährden. Im Laufe der Jahre habe ich einiges in Sachen Ernährung ausprobiert, eine Zeit lang habe ich mich zum Beispiel auch vegetarisch ernährt. So konnte ich die Bedürfnisse meines Körper kennenlernen und weiß, welche Nahrungsmittel für mich am besten sind.

? Zu Spielbeobachtungen reisen Sie oft mit dem Auto an. Wie gelingt es Ihnen, auch unterwegs auf gesunde Ernährung jenseits von Fastfood zurückzugreifen?

! Ich habe immer Mineralwasser dabei und finde, dass frisches Obst wie Äpfel ein idealer Snack für unterwegs sind. Bekommt man an einer Tankstelle Hunger auf eine Brezel oder ein Frikadellenbrötchen, finde ich es nicht schlimm, dem nachzugeben. Wichtig ist mit dem Thema Ernährung nicht zu verbissen umzugehen, das tut der eigenen Seele und den Mitmenschen gut (lacht).

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