21. Dezember 2018
Menschen

Kein Job wie jeder andere

Ob Firmen oder Familien: Weihnachtsmänner sind jetzt gefragt – Wir haben einen getroffen

Foto: Der Braunschweiger Oberweihnachtsmann Peter Strohbach. Foto Birgit Wiefel

Braunschweig. Die gute Nachricht zuerst: Den Weihnachtsmann gibt’s wirklich. Die schlechte: Er hat einen Terminkalender wie ein Manager. Firmenfeiern, Einkaufscenter, Bescherung im Familienkreis – alles dicht. Jedenfalls für dieses Jahr. „Anfragen nehme ich immer erst Ende November entgegen, sonst wirst du verrückt“, seufzt Peter Strohbach und blickt schon wieder auf die Uhr.

Strohbach ist der Oberweihnachtsmann von Braunschweig und koordiniert an die 25 Kollegen. Wenn die Familien unterm Tannenbaum entspannen, fängt für die Männer im roten Kostüm die Arbeit an. Heißt: Bart umhängen, Robe anziehen, Rute unter den Arm und – Auftritt. Fünf- bis sechsmal an den Feiertagen. „Das muss man wollen“, sagt der Oberweihnachtsmann.

Er wollte zunächst nicht. „Ich habe nie in Theater-AGs gespielt und mich auch um Referate regelmäßig gedrückt“, sagt Strohbach über seine Zeit als Schüler. Doch Ende der 90er Jahre war der Taxifahrer knapp bei Kasse und sagte schließlich Ja. „Das Arbeitsamt schickte mich zu einem Testlauf in die Weststadt“, erinnert sich Strohbach an seinen ersten Einsatz mit Rauschebart vor einem Supermarkt. „Da stehst du also rum, alles rennt an dir vorbei oder frotzelt hinter deinem Rücken und du denkst – ok, da musst du jetzt durch “, sagt Strohbach.

Und dann passierte etwas völlig Unerwartetes: Ein paar Meter weiter wartete ein kleines Mädchen und konnte gar nicht den Blick von dem großen roten Mann lösen. Schließlich fasste es sich ein Herz: „Bist du wirklich der Nikolaus?“ kam es leise. Strohbach stutzte und wußte im gleichen Moment: Hier gab es nur eine Antwort – „Ja.“ „Dann muss ich dir etwas sagen: Ich habe meine Oma belogen“, beichtete die Vierjährige. Dem Taxifahrer wurde blitzartig klar: Der Weihnachtsmann ist mehr als eine Rolle. „Den spielst du nicht einfach. Du BIST der Weihnachtsmann und deshalb hast du auch eine Verantwortung“, sagt der 53-Jährige. Diese Verantwortung nimmt Peter Strohbach seit mittlerweile mehr als 20 Jahren gerne an und ist in die Figur hineingewachsen. Dröhnend sprechen, über dem weißen Bart mit
den

Augen lächeln – das kann Peter Strohbach längst aus dem Effeff. Auch die Scheu vor vielen Menschen hat er abgelegt. Nur mit der Fülle hapert es ein bisschen. „Für den Bauch muss ich mir ein Kissen unter den Mantel stopfen“, sagt Strohbach und schmunzelt.

Bleibt nur noch eine Frage: Was macht der Weihnachtsmann, wenn am 24. Dezember der Schlitten endlich geparkt und der Bart ab ist? „Dann feiere ich Heiligabend mit meiner Mutter. Die kocht mir immer etwas Leckeres.“
Infos: www.weihnachtsmann-braunschweig.de.

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