9. April 2022
Wirtschaft

Kein Mehl, kein Öl, kein Klopapier …

Wie 2020 sind die Supermarkt-Regale wieder leer geräubert • Das sagt der Einzelhandel

In der Corona-Krise war es das Toilettenpapier, nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine sind es Mehl und Sonnenblumenöl: Aktuell wird wieder gehamstert. Foto: Dirk Kühn/BZ/Privat

Braunschweig/Region. Leer geräuberte Regale, freundliche Hinweise, sich doch bitte nur in „haushaltsüblichen Mengen“ zu versorgen. Wer im Moment durch den Supermarkt geht, hat das Gefühl, um zwei Jahre zurückgeworfen zu sein. Neben Toilettenpapier klaffen jetzt allerdings auch Lücken beim Speiseöl und beim Mehl.

Die Angst vor Versorgungsengpässen lässt die Kunden wieder hamstern wie zu Hoch-Coronazeiten. Dabei besteht laut dem Einzelhandelsverband Harz-Heide gar kein Anlass zur Sorge. „Manche Lebensmittel sind nach wie vor in ausreichendem Maß da“, staunt Mark-Alexander Krack, Leiter der Geschäftsstelle Braunschweig über die Panikkäufe. Wir haben bei ihm nachgefragt: Bei welchen Produkten wird es wirklich eng durch den Krieg in Europa und welche Probleme sind hausgemacht?

Mark-Alexander Krack vom Einzelhandelsverband Harz-Heide. Foto: BZ/privat

Die alte Dame vor dem Mehlregal ist sichtlich verzweifelt. „Ich darf wirklich nur eine Packung mitnehmen? Aber wie soll ich dann zu Ostern backen?“, fragt sie die Verkäuferin, die sie kurz zuvor darüber aufgeklärt hatte, dass Mehl ab sofort rationiert sei. „Sie können zwei Packungen nehmen, aber eine wird Ihnen an der Kasse dann wieder abgenommen“, zuckt die die Schultern.

Leere Regale – es ist wie ein Déjà-vu. „Wir haben eine Situation wie zu Hoch-Coronazeiten“, sagt Mark-Alexander Krack vom Handelsverband Harz-Heide über die Lage in den Supermärkten. Vor allem Mehl und Speiseöl sind aktuell Mangelware, aber auch Toilettenpapier wird wieder rar. „Dabei ist es egal, ob Sie auf dem Land oder in der Stadt wohnen“, sagt Krack. Sind das alles die Folgen von Panikkäufen oder haben wir tatsächlich Engpässe durch den Krieg in Osteuropa?
„Wahr ist, dass Speiseöl knapp wird“, ordnet Krack ein. Genauer: Sonnenblumen- und Rapsöl. 55 Prozent des Sonnenblumenöls stammten aus der Ukraine, der Anteil von Rapsöl sei etwas geringer, dennoch seien auch hier die Lieferketten vorläufig unterbrochen. „Als Alternative können andere Ölsorten wie Olivenöl dienen“, schlägt er vor – ist sich gleichzeitig aber auch bewusst, dass Kunden dann notgedrungen mehr Geld ausgeben müssen.

Anders beim Mehl. „Dort gibt es wirklich keinen Engpass“, betont Krack. Der Weizen dafür komme aus Deutschland, die Mühlen hätten gut zu tun, „Wir liegen mit 125 Prozent weit über der Menge an Weizen, die wir verbrauchen.“ Die Lücken in den Regalen – sie stammen also von Hamsterkäufer und – so Kracks Vermutung – von Hilfspaketen, die Richtung Ukraine geschickt würden. „Das Problem ist letztlich hausgemacht“, sagt der Leiter der Braunschweiger Geschäftsstelle.
Inzwischen reagieren die Lebensmittelläden – und rationieren die Mengen. „Wer online einkauft, kann beispielsweise nur ein Paket Mehl in den Warenkorb legen und später im Laden abholen“, nennt Krack ein Beispiel – oder er bestellt übers Internet bei dubiosen Anbietern für den dreifachen Preis. „Auch die gibt es inzwischen“, sagt Krack. Noch unverständlicher sind in Kracks Augen die Panikkäufe bei Toilettenpapier. „Hier gibt es nun wirklich keinen Mangel“, zeigt er wenig Verständnis.

Krieg und Hamsterkäufe sind aber nur ein Grund, warum in manchen Regalen gähnende Leere herrscht. Wahr ist auch, dass Corona nach wie vor die Logistik durcheinanderwirbelt. Viele Fahrer sind in Quarantäne, so dass der Nachschub nur verzögert kommt. „Wir kommen aus dem Krisenmodus einfach nicht raus“, sagt Mark-Alexander Krack über die aktuelle Lage im Handel, der sich nach zwei Jahren Pandemie Zeit zum Durchschnaufen gewünscht hätte.
Verbrauchern rät Krack, beim Händler des Vertrauerns ruhig mal nachzufragen, wann neue Ware geliefert wird. „Die Regale sind ja nicht permanent leer. Es hängt immer von Tag und Uhrzeit ab“, sagt der Fachmann. Er ist darüber hinaus sicher, dass über kurz oder lang Produzenten und Lieferanten in anderen Ländern gefunden werden.

Alles gut also? Nur zum Teil. Denn eine bittere Pille kann Krack den Kunden nicht ersparen: Die Preise werden durch die Beschaffungsprobleme und die höheren Kosten für Sprit und Strom steigen, auch wenn manche Lebensmittelketten bereits ankündigen nicht alle Erhöhungen an die Kunden weiterzugeben.

Auch interessant