Keine Eile: Geduld ist die wichtigste „Medizin“ bei Coronaverdacht | Neue Braunschweiger
25. September 2020
Gesundheit

Keine Eile: Geduld ist die wichtigste „Medizin“ bei Coronaverdacht

Die Profis vom Gesundheitsamt erklären, warum sie nicht jeden Anruf annehmen können

Martin Klockgether, kommissarischer Leiter des Gesundheitsamtes (rechts), und Tobias Lenz, Leiter Infektionsschutz. Foto: Ingeborg Obi-Preuß

Nordstadt. Am vergangenen Wochenende schwappte eine Welle der Aufregung über die Mitarbeiter vom Gesundheitsamt. Coronafälle an zwei Schulen, zahlreiche Eltern riefen beim Gesundheitsamt an, landeten in einer Hotline (wir berichteten). Jetzt haben wir direkt beim Gesundheitsamt nachgefragt:

Sie waren nicht erreichbar, ist das richtig?
„Ja“, sagt Martin Klockgether, kommissarischer Amtsleiter, „am Anfang der Coronakrise waren wir rund um die Uhr erreichbar, das ist nicht mehr nötig, das könnten wir auf Dauer auch gar nicht leisten.“ Dass es nicht nötig ist, unterstreicht der Chef des Infektionsschutzes, Tobias Lenz: „Es gibt keinen Grund zur Eile“, erklärt er, „ein Abstrich ist keine therapeutische Maßnahme, sondern lediglich eine Momentaufnahme.“ Die einzig vernünftige Reaktion sei: „Zu Hause bleiben und abwarten, bis wir uns melden“, fügt Klockgether an. Es gebe keinen Grund zur Eile, die Infektion hat eine Karenzzeit von ungefähr drei Tagen. Ein zu früher Test könne auch zu einem falschen Ergebnis führen. Zum Verständnis erklärt Tobias Lenz noch einmal den Ablauf: Die Labore melden positive Coronafälle direkt an das Gesundheitsamt. Aus Datenschutzgründen geschieht das über ein Faxgerät. Mindestens zweimal am Tag werden die Faxe bearbeitet. Das heißt, ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ruft den positiv getesteten Menschen an und bespricht mit ihm genau, welche Kontakte er wann zu wem hatte. Danach wird festgelegt, wer zur ersten Kategorie gehört, dann werden auch diese Menschen angerufen. Sie müssen ebenfalls in Quarantäne.
Ein zeitraubendes Vorgehen. Bei mehreren Schulklassen bindet diese Form der Infektionsketten-Verfolgung fast alle Mitarbeiter des Gesundheitsamtes. „170 Kontaktpersonen abtelefonieren, da sind wir restlos beschäftigt“, betont Tobis Lenz.

Die Eltern der Schüler fragten auch, warum die Kinder direkt angerufen werden?
„Weil die Betroffenen uns am besten sagen können, wen sie wann genau getroffen haben“, erklärt Martin Klockgether. „Als ich 16 Jahre alt war, wussten meine Eltern nicht immer, mit wem ich unterwegs war“, fügt Lenz an.
Eine Frage drehte sich um die neue Test-Mundspülung.

Ist diese Spülung sicher? Und wie lange muss gegurgelt werden?
„Ja“, sagt Tobias Lenz. „Es gibt den Mund- und den Nasenabstrich und die Mundspülung. Alle drei Formen sind zugelassen und sicher. Mit der Spülung muss nur fünf Sekunden gegurgelt werden.“

Der wichtigste Rat der beiden Fachleute im Umgang mit Corona?
„Geduldig sein, zu Hause bleiben und abwarten, bis wir uns melden.“

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