„Keine Panik vor dem Coronavirus“ | Neue Braunschweiger
31. Januar 2020
Gesundheit

„Keine Panik vor dem Coronavirus“

Noch ist der Coronavirus in Deutschland lokal begrenzt – Gesundheitsministerin rät zu Hygiene und Vernunft

Detektivarbeit im Labor. Symbolfoto: pxhere/oh

Die Aufregung ist groß, der neue Coronavirus verunsichert die Menschen. Der Verdachtsfall in Braunschweig hat sich zum Glück nicht bestätigt, dennoch bleibt die Angst vor einer Ausbreitung.

„Nach allem, was wir bisher sehen und wissen, rechnen wir eher mit milden Verläufen“, sagt Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann auf Anfrage. Bei den bestätigten Fällen in Bayern haben sich alle betroffenen Menschen über eine Kontaktperson oder untereinander infiziert. Die Ansteckung lässt sich auf die Provinz Hubei in China zurückverfolgen. „Die Möglichkeit, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, ist derzeit nur gegeben, wenn eine Bürgerin oder ein Bürger sich zuvor in einem der Verbreitungsgebiete des Coronavirus aufgehalten hat, oder direkten Kontakt mit einem Coronavirus-Infizierten hatte“, erklärt die Gesundheitsministerin. Es gebe keinen Grund zur Panik. Wer Symptome zeigt und meint, sich infiziert haben zu können, der sollte zu Hause bleiben und seinen Arzt anrufen.

Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann. Foto: oh

„Der Virus bekommt deshalb so viel Aufmerksamkeit, weil er ganz neu ist“, sagt Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann, „wir müssen das Infektionsgeschehen ernst nehmen und alles tun, um die Ausbreitung zu begrenzen.“ Bislang haben sich alle bestätigten Fälle in Deutschland über eine Kontaktperson in China angesteckt.
An den Patienten in Bayern lasse sich beobachten, dass mit einem eher milden Verlauf zu rechnen sei. Die bekannten Todesfälle in China beträfen meist ältere Menschen mit Vorerkrankungen und/oder einem geschwächten Immunsystem, erklärt Reimann.

„Bisher gibt es keine Ausbreitung des neuen Coronavirus in Deutschland“, sagt Reimann. Um das Infektionsgeschehen einzudämmen, sei eine gute Handhygiene sehr wichtig. „Also beispielsweise nach dem Naseputzen die Hände waschen. Auch die Einhaltung der Husten- und Nies-Etikette ist wichtig“, betont sie, „das Husten in ein unbenutztes Taschentuch oder zumindest in die Armbeuge, nicht in die Hand. Man kann diese einfachen Hinweise nicht oft genug wiederholen“, betont die Ministerin. Denn gleichermaßen schützt dieses Verhalten generell vor Ansteckung. Ob bei Erkältung oder – ganz wichtig – bei Grippe. „Die Grippewelle rollt“, sagt Reimann, und legt allen Menschen eine Impfung ans Herz. „Bei der letzten Grippesaison hatten wir 25 000 Todesfälle zu beklagen“, macht sie die Dimension deutlich. Die Grippe würde immer noch als „Erkältung“ verniedlicht, sei aber zur Zeit die mit Abstand größte Gefahr bei den Infektionskrankheiten.

Um dem neuartigen Coronavirus Einhalt zu gebieten, seien die drei „I“ besonders wichtig: Identifizieren, Isolieren, Informieren (der Kontaktpersonen).
„Hier muss ich den Fachleuten ein ganz großes Lob aussprechen“, sagt die Ministerin. „Es war mir ganz wichtig, dass wir Proben nicht erst in die Charité nach Berlin schicken müssen, sondern hier in Niedersachsen auf den Virus testen können. Das ist jetzt im Landesgesundheitsamt binnen eines Tages möglich“, freut sie sich.
Bei einer Bestätigung des Verdachts könnten so sehr schnell die Kontaktpersonen ausgemacht und isoliert werden. „Hierfür sind keine besonderen Isolationszimmer oder -stationen nötig“, sagt Reimann. Wem es relativ gut mit der Erkrankung gehe, könne einfach zu Hause bleiben, schwere Verläufe könnten in einem ganz normalen Krankenzimmer behandelt werden. Natürlich müsste der Patient dort allein liegen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 30. Januar festgestellt, dass es sich beim aktuellen Ausbruch durch das neuartige Coronavirus in China um eine „Gesundheitliche Notlage mit internationaler Tragweite“ handelt. „Für Deutschland hat diese Einstufung keine direkten Folgen, da die WHO-Empfehlungen hier bereits erfüllt sind“, erklärt Reimann.

Wer sich genauer informieren möchte: Das Robert-Koch-Institut gibt auf seinen Seiten Hinweise und Ratschläge. Auch die Fallzahlen werden hier veröffentlich. Die Seite wird laufend aktualisiert.

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