Kettcar rockt das Staatstheater | Neue Braunschweiger
21. Oktober 2019
Kulturelles

Kettcar rockt das Staatstheater

Zweiter „Großer-Haus-Besuch“ Ende Januar 2020 im Staatstheater Braunschweig

Kettcar (hier Sänger und Gitarrist Marcus Wibusch) bei ihrem Konzert im Hallenbad in Wolfsburg. Archiv-Foto: Darius Simka/regios24

Innenstadt. Das Große Haus geht neue Wege. Im Rahmen der Live-Veranstaltungsreihe „Großer-Haus-Besuch“ präsentieren sich angesagte Pop- und Rock-Bands im Staatstheater. Den Auftakt macht die Hamburger Band Tocotronic am 9. November. Jetzt wurde die zweite Gruppe bekanntgegeben: Kettcar kommen am 25. Januar 2020.

Die Wurzeln von Kettcar liegen im Punk. Gestartet sind die Mitglieder in den 90er Jahren, unter anderem in Szene-Bands wie …But Alive und Rantanplan. Kettcar, um Sänger und Gitarrist Marcus Wiebusch, formierten sich im Jahr 2001. „Du und wie viel von deinen Freunden“ hieß das Debütalbum. Bereits das zweite Album „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ brachte der gesellschaftskritischen Hamburger Indie-Pop und -Rock-Gruppe den Durchbruch.
Auch die Nachfolge-Werke „Sylt“ (2008) und „Zwischen den Runden“ (2012) konnten sich oben auf den deutschen Album-Charts platzieren. „Ich vs. Wir“ (2017) schaffte es sogar auf Platz 4. Ein Album, das gleichzeitig Bestandsaufnahme, Stellungnahme und Vision war.

Mit „Der süße Duft der Widersprüchlichkeit (Wir vs. Ich)“ erschien in diesem Jahr ein neues Lebenszeichen in Form einer EP. Fünf Songs, die sich einmal mehr mit dem Leben, Kapitalismus und dem ganzen Rest widmen. Dafür aber den Fokus ändern, ordentlich am Zoom drehen. Und von Makro auf Mikro umstellen.
Der Blickwinkel hat sich geändert, die Rolle des Einzelnen wird stärker beleuchtet. Das Private ist natürlich immer auch politisch. Kettcar offenbaren sich weiterhin als glänzende Geschichtenerzähler.

Der EP-Eröffnungssong „Palo Alto“, versammelt beispielsweise die unterschiedlichsten Digitalisierungsverlierer in einem Waschsalon: Ein Kulturjournalist, ein Pornosternchen, ein Plattenhändler und ein Bankangestellter treffen aufeinander. Überall abgemeldet, nur nicht beim Jobcenter.
In „Scheine in den Graben“ wird das Thema Menschlichkeit und humanitäre Hilfe kritisch reflektiert, der Song „Notiz an mich selbst“ ist in Essay über Kunst und Moral, Potenzial und Ideale. Kettcar ist und bleibt eine der klügsten und kapitalismuskritischsten deutschsprachigen Bands.

Live erleben kann man sie mit neuen Songs und alten Hits am Samstag, 25. Januar 2020, um 20 Uhr, im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig.  Der Vorverkaufsstart beginnt an diesem Samstag, 19. Oktober. Die Tickets (erhältlich unter Telefon 0531-1234 567) kosten zwischen 35 Euro und 65 Euro.

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