8. Dezember 2015
Politisches

Kinderarmut: „Mit zehn Euro ist es nicht getan“

Der Beirat Kinderarmut startet ein neues nachhaltiges Programm.

Stellten das neue Konzept vor (v.r.): Hartmut Dybowski (Sozialreferat), Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke, Beatrice Försterra (Koordination Kinderarmut), Roswitha Goydke (Kinderschutzbund) und Propst i. R. Armin Kraft (v. r.). Foto: Stadt/ Nielsen

Von Birgit Leute, 09.12.2015.

Braunschweig. „Einfach einen Zehneuroschein in die Hand drücken – damit ist das Problem nicht gelöst“, sagt Armin Kraft. Seit zehn Jahren sammelt der Propst im Ruhestand Geld für den Braunschweiger Fonds, der Kinder und Jugendliche in Armut unterstützt. Jetzt wird noch einmal draufgesattelt: Durch eine Millionenspende des Unternehmers Friedrich Knapp im vergangenen Jahr startet der Beirat Kinderarmut das Programm „Starke Kinder in Braunschweig“.

„Natürlich ist eine schnelle Soforthilfe im Einzelfall wichtig: Zum Beispiel, wenn es darum geht, das ein Jugendlicher an einer Klassenfahrt teilnehmen oder eine Theatervorstellung besuchen kann“, sagt Armin Kraft. Rund 5000 Kindern und Jugendlichen wird derzeit auf diese Weise geholfen. Der Beirat hatte Ende 2014 das Budget für die kommenden fünf Jahre sogar verdoppelt. An Spenden gingen in den Fonds bislang 113 000 Euro ein.

Idee aus Großbritannien

Mit „Starke Kinder in Braunschweig“ kommt nun die Nachhaltigkeit dazu. „Die Frage ist doch, wie schaffen wir es, Kinder so zu stärken, dass sie besser mit ihrer Situation umgehen, selbstbestimmt leben und von den Bildungschancen profitieren können“, bringt es Roswitha Goydke vom Deutschen Kinderschutzbund auf den Punkt.
Die Idee zu der Initiative stammt aus Großbritannien. Im Höhepunkt einer Wirtschaftskrise wurde dort in den 80er Jahren das Programm „Early Excellence“ entwickelt. Der Leitgedanke: In Kitas und Schulen gilt ein neuer ethischer Kodex, der dafür sorgt, dass Kinder aus armen oder bildungsbenachteiligten Familien in einer positiven und zugewandten Atmosphäre aufwachsen. „Im Klartext heißt das: Jedes Kind wird individuell gefördert und die Eltern in die Bildungsprozesse und vor allem auch in die Fortschritte, die ihre Kinder machen, mit einbezogen“, erklärt Beatrice Försterra, Koordinatorin Kinderarmut. Die Begegnung auf Augenhöhe – sie soll letztlich dafür sorgen, dass den Kindern ein stärkeres Selbstwertgefühl vermittelt wird.

Kitas und Schulen

Die Umsetzung dieses Konzepts erfolgt in zwei Schritten: Den zehn Kindertagesstätten, die seit 2012 als Familienzentren gefördert werden, sowie zehn weiteren ausgewählten Kitas wird angeboten, das Unterstützungs- und Bildungsprogramm „Early Excellence“ einzuführen. Für den Prozesszeitraum von drei bis fünf Jahren rechnet der Beirat mit Kosten für Einführung, Begleitung und technischer Ausstattung von rund 500 000 Euro.
In Schulen sollen die Bildungschancen durch Selbstwertstärkung gefördert werden. Dazu wird jeder Schule die Teilnahme am Programm „Starke Kinder in der Schule: Soziales Lernen – Erhöhung von Bildungschancen für Kinder und Jugendliche in prekären Lebenslagen“ angeboten.
Die Teilnahme ist freiwillig, das Projekt dauert etwa vier Jahre. Ziel ist, eine Schulkultur der Achtsamkeit zu unterstützen, von der gerade von Armut betroffene Kinder und Jugendliche profitieren. Veranschlagte Kosten hierfür: rund 250 000 Euro.
„Bei allen Herausforderungen, die wir in diesen Zeiten zu bestehen haben, dürfen wir das Problem Kinderarmut nicht aus den Augen verlieren“, unterstrich Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke die Notwendigkeit der Hilfe.
Das Spendenkonto des Braunschweig Fonds lautet: Stadt Braunschweig, Stichwort „Kinderarmut“, Braunschweigische Landessparkasse, IBAN DE 76 2505 0000 0199 9199 94, BIC NOLADE2HXXX.

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