„Kinderheim – das war einmal …“

Seit 70 Jahren betreut die AWO Kinder und Jugendliche in Querum – Von Schlafsälen zu Kleinst-WGs

Deutsche Jugendliche und junge Geflüchtete an einem Tisch. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle gehörte das zum ganz normalen Alltag in den Awo-Wohngruppen in Querum. Foto: Awo

Querum. 2015 war auch für einen gestandenen Fachmann wie Dirk Bitterberg ein besonderes Jahr. „Als zum Herbst hin mehrere Tausend Asylsuchende nach Braunschweig kamen, nahm die Awo erstmals junge unbegleitete Flüchtlinge auf“, erinnert sich der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Awo.

Eine große Herausforderung für den Verband. Und eine völlig neue Situation für die pädagogischen Teams, die normalerweise Braunschweiger Jugendliche aus schwierigen Familien betreuen.

Das Besondere: In den Wohngruppen in Querum kamen die heimatlosen Syrer und Afghanen direkt in Kontakt mit dem deutschen Alltag, denn statt sie abseits unterzubringen, wohnten sie in den WGs mit gleichaltrigen Braunschweigern. „Das hat super geklappt“, freut sich Bitterberg im Rückblick und staunt noch heute darüber, wie diszipliniert die jungen Asylsuchenden waren. „Man spürte: Sie waren froh ein Dach über dem Kopf zu haben und regelmäßig etwas zu essen.“
Für den stellvertretenden Awo-Chef schloss sich in dieser Zeit ein Kreis. „Vor 70 Jahren wohnten in Querum ebenfalls Kinder, die durch den Zweiten Weltkrieg heimatlos und verwaist waren.“

Zeitreise: Vor mehr als 70 Jahren gab es in Querum ein Kindererholungsheim, später ein Kinderheim.

Dafür wurde das Kindererholungsheim Waldschule in Querum zu einem stationären Kinderheim umgewandelt. 1948 zogen die ersten Bewohner ein. „Noch heute besuchen uns Ehemalige“, sagt Bitterberg und ist froh, dass es in Querum nie zu unrühmlichen Vorfällen gekommen ist. „Vor zehn Jahren haben wir Geschichte und Akten durch einen Historiker prüfen lassen“, sagt Bitterberg mit Blick auf die Skandale etwa in kirchlichen Einrichtungen.

Überhaupt: Das Wort „Kinderheim“ und die Klischees, die damit zusammen hängen, könne man bei den modernen Wohngruppen ruhig vergessen. „Es gibt weder Schlafsäle noch eine einheitliche Uniform“, betont Bitterberg. Die Bewohner, Kinder bis zu jungen Erwachsene

n, lebten in Kleinst-WGs. „Maximal ein bis drei Jahre bleiben sie hier stationär“, sagt Bitterberg über die Kinder- und Jugendhilfe in Querum, „und nur so lange bis sich die familiäre Situation geklärt hat.“

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