„Klar, machen wir da mit!“ | Neue Braunschweiger
21. März 2020
Soziales

„Klar, machen wir da mit!“

Notbetreuung in den Kitas: Erzieherinnen helfen Eltern, die nicht zu Hause bleiben können

Jacken und Schuhe sind ordentlich aufgereiht. Da nur wenige Kinder in der Kita Alte Knochenhauer Straße in der Notbetreuung sind, bleibt für die kommenden Wochen wohl erst einmal alles am Haken. Fotos: Birgit Wiefel

Innenstadt. In der Kita Alte Knochenhauerstraße ist es still wie in einer Kirche. Wo sonst Kinderstimmen durcheinander rufen, jeden Tag ein fröhliches Gewusel herrscht, könnte man eine Stecknadel fallen hören. „Bei uns fallen nicht viele Familien unter die Regelung der Notbetreuung“, sagt Kerstin Glier, Leiterin der Kita, erklärend.

An diesem Morgen ist nur Max (Name geändert) zu Besuch. Seine Mutter arbeitet in der Altenpflege, auf Menschen wie sie können Arbeitgeber gerade nicht verzichten. Bis zum Nachmittag kümmert sich Erzieherin Anika Hausen um den Sohn – und der fühlt sich als Einzelprinz in der Teddybärengruppe pudelwohl. Langeweile? „Nee, hab ich nicht“, winkt er ab. Nicht nur die Spielsachen sind alle für ihn, er bekommt auch exklusiv sein Lieblingsessen gekocht: Nudelsuppe.

Erzieherin Anika Hausen kümmert sich aktuell um ein Kind in der Notbetreuung der Kita Alte Knochenhauerstraße

95 „Küken“ haben Kerstin Klier und ihr Team in normalen Zeiten unter ihren Fittichen. Doch auch im Moment hat die Kita-Leiterin alle Hände voll zu tun. Angebote, die zusammen mit dem Haus der Familie stattfinden, müssen umdisponiert werden, Auszubildende, die jetzt nicht auf ihre Pflichtstunden kommen, suchen Rat. „Am Anfang riefen viele Eltern an, hatten Fragen: Wer hat Anspruch auf Notbetreuung, was änderte sich, nachdem die Stadt noch einmal den Personenkreis ausgeweitet hat?“ Dass jetzt wesentlich mehr Kinder die Betreuung in Anspruch nehmen, glaubt sie nicht. „Im Durchschnitt werden es fünf bis sechs Kinder pro Kita sein“, sagt Glier, die im regen Austausch mit Kollegen steht.

Leiterin Kerstin Glier hat alle Hände voll zu tun.

Anfang April wird noch einmal eine Mutter, die Hilfe der Kita brauchen: Sie beginnt eine Stelle. „Der Arbeitgeber hat bereits gesagt, dass sie nicht anfangen kann, wenn das Kind nicht betreut wird“, erzählt Kerstin Glier.

Sie weiß, dass die Erzieher gerade jetzt einen ganz wichtigen Job machen. Und sie ist dankbar, dass sie sich voll und ganz auf ihr Team verlassen kann. Als es darum ging, die Betreuung sicherzustellen, zu sehen, wer wo eingesetzt werde, sperrte sich

keiner. „Klar, machen wir da mit“, kam es unisono. Kerstin Glier war beeindruckt. „Hut ab“, sagt sie über ihre Mannschaft.
Welche Regelungen die Stadt im Einzelnen für die Notfallbetreuung aufgestellt hat, lesen Sie auf unserer Corona-Infoseite im Innenteil dieser Ausgabe

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