Kleber: „Wir haben keinen Mangel an Fachkräften“

Projekt unterstützt Flüchtlinge, einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden.

Sie unterstützen Flüchtlinge, einen Job, eine Qualifizierung oder ein Praktikum zu bekommen: Michael Kleber, DGB-Regionsgeschäftsführer Südost-Niedersachsen, Projektkoordinatorin Katarzyna Stute und Detlev Pischel-Zaremba, Geschäftsstellenleiter von Arbeit und Leben Niedersachsen Ost (v.l.). Foto: Thomas Ammerpohl

Von Martina Jurk, 23.04.2014.

Braunschweig. Geflüchtet aus der Heimat, allein in Deutschland – sie sprechen kein Deutsch, haben kein Geld und keinen Job. Flüchtlingen ist in dieser Situation jede Unterstützung willkommen.

Der DGB und die Bildungsvereinigung Arbeit und Leben helfen den Fremden, einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden. Sie kommen hauptsächlich aus Syrien, Serbien, Albanien und Afghanistan. Mehr als 11 000 Flüchtlinge baten im März um Asyl in Deutschland – eine Steigerung um 79 Prozent zum Vorjahr. „Viele Flüchtlinge, die in Niedersachsen landen, sind gut ausgebildet, hochmotiviert zu arbeiten, wollen ihren Lebensunterhalt verdienen und nicht auf Almosen angewiesen sein. Sie wollen wir in Arbeit bringen, ihnen eine Perspektive geben“, sagt Michael Kleber, DGB-Regionsgeschäftsführer Südost-Niedersachsen. Voraussetzung seien eine abgeschlossene Berufsausbildung und die Anerkennung von Berufsabschlüssen.

Im Februar dieses Jahres ging in Südost-Niedersachsen das Projekt „Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge II“ (AZF II) an den Start. In Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter sowie in den Landkreisen Helmstedt und Wolfenbüttel werden Flüchtlinge bei der Suche nach Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie bei der Verbesserung ihrer beruflichen Perspektiven unterstützt.

Katarzyna Stute ist seit acht Wochen ganz nah dran an den betroffenen Menschen. Mit 200 Flüchtlingen hat sie bereits gesprochen. „Da braucht man viel Fingerspitzengefühl. Viele von ihnen sind nach Ereignissen und Erlebnissen in ihren Heimatländern traumatisiert“, erzählt Projektkoordinatorin Katarzyna. Sie informiert die Menschen, welchen Arbeitsmarktzugang sie haben. Nach neuester Gesetzeslage dürfen geduldete Flüchtlinge nach einem Jahr Wartezeit arbeiten, Flüchtlinge mit einer Aufenthaltsgestattung bereits nach neun Monaten. „Sie wissen das aber gar nicht“, meint die Koordinatorin. Sie hilft ihnen dabei, sich arbeitslos zu melden, sie macht Termine mit den Agenturen für Arbeit und Jobcentern, begleitet die Flüchtlinge auch dorthin. „Damit erreichen wir, dass diese Menschen überhaupt wahrgenommen werden“, sagt Katarzyna.
Wichtigste Voraussetzung für den Arbeitsmarktzugang sind Sprachkenntnisse. Sprachkurse werden vom Europäischen Sozialfonds gefördert. Die Crux: Die Mittel für dieses Jahr sind bereits aufgebraucht. Die neue Förderperiode beginnt erst wieder zum 1. Januar 2015. „Das ist eine missliche Situation“, sagt Detlev Pischel-Zaremba, Geschäftsstellenleiter von Arbeit und Leben Niedersachsen Ost. Jetzt müsse geprüft werden, ob Mittel aus anderen Programmen umgeschichtet werden könnten.

Stute bestätigt: „Die Flüchtlinge können keine selbstfinanzierten Sprachkurse besuchen.“ Alternativ müssten Gespräche mit den Arbeitsagenturen geführt werden, um zu sehen, was dort an Unterstützung möglich ist.
Von den seit 2008 insgesamt in Niedersachsen knapp 1350 im Projekt erfassten Flüchtlingen – die Bildungspalette reicht von Lernschwäche bis Master of Science – kann ein Drittel als Fachkräfte in den Arbeitsmarkt integriert werden. „Das ist beachtlich“, findet Michael Kleber.

Der Gewerkschafter fordert – vor allem im Zusammenhang mit der Fachkräftemangeldiskussion – gute Arbeit für alle Menschen. Denn Ausländer würden mitunter in prekären Arbeitsverhältnissen für einen Billiglohn oder als Schwarzarbeiter beschäftigt. „Wir haben keinen Fachkräftemangel, das ist eine Scheindiskussion. Wir haben eher das Problem, dass sie nicht gut genug bezahlt werden“, findet Kleber. Motivation und Arbeitswille der Flüchtlinge würden von vielen Unternehmen unterschätzt.

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