22. Mai 2021
Umwelt

Klimawandel, Versiegelung, Pestizide: NABU sieht viele Gründe für Artensterben

Carlo Fuchs rät trotzdem: „Lassen Sie Katzen in der Brutzeit nicht Streunen“

Seit vielen Jahren setzt sich Caro Fuchs (NABU) für die Natur in der Region ein. Unter anderem kümmert er sich mit einer Arbeitsgruppe um Greifvögel und Eulen Foto: NABU/Carlo Fuchs

Braunschweig. Erst in der vergangenen Woche hatte der NABU wieder aufgerufen, die Gartenvögel zu zählen. Der Rückgang der Vogelbestände bereitet den Naturschützern Sorgen.

Vor allem der Hausrotschwanz, aber auch Mauersegler, Mehlschwalbe, Grünfink und Zaunkönig sind gefährdet. Aber sind daran auch die freilaufenden Katzen Schuld? Wir haben bei Carlo Fuchs, Vorsitzender des NABU Braunschweig, nachgefragt.

Herr Fuchs, Haus- oder Bauernhofkatzen hat es immer schon gegeben. Warum sieht man sie jetzt als Problem?
Mehr als 14 Millionen Katzen leben in Deutschland, davon wohl rund zwei Millionen als verwilderte Hauskatzen sowie ein kaum einzuschätzend hoher Teil als „Freigänger“-Katzen. Während verwilderte Hauskatzen eher an den Ortsrändern, in Dörfern und auch in der freien Natur unterwegs sind, und dort eine ernste Bedrohung insbesondere für alle Bodenbrüter darstellen, durchstreifen die vielen „Freigänger“ die dichter bewohnten Siedlungsbereiche. Beide zusammen werden dort zum Problem, wo entweder ihre Dichte zu hoch ist oder wo die Umgebung für Vögel zu unübersichtlich ist.

Wo wird es im heimischen Garten besonders gefährlich?
An neuralgischen Punkten wie Futterstellen beziehungsweise Trink- und Badeschalen. Die Vögel sind hier oft abgelenkt sind, weil sie sich mit der zänkischen „Konkurrenz“ auseinandersetzen müssen. Und dann erwischt es halt nicht nur, wie man oft lesen kann, die vermeintlich Kranken und Schwachen.

Aber Katzen sind ja nur ein Grund, warum Vogelarten gefährdet sind …
Ja. Insbesondere der starke Rückgang bei den Insekten, den man selbst allerorts wahrnehmen kann, hat fatale Auswirkungen auf die Vogelwelt – und ganz besonders während der Brutzeit. Immer weniger Natur, sei es durch immer weitere Oberflächenversiegelung, pflegeleichte blütenarme Zierrasengärten oder die toten Schottergärten wirken sich eben negativ aus. Hitzesommer und Regenarmut, durch die viele Wildpflanzen vor der Samenreife vertrocknen, so dass weitere Nahrung verloren geht, verschärfen das Problem zusätzlich. Und dass die derzeitige Bundesregierung ein europaweites Verbot von Glyphosat verhindert hat, war in Sachen Natur auch alles andere als hilfreich.
Wenn Singvögel heute derart große Probleme haben, Futter für ihren Nachwuchs heranzuschaffen, dann sind sie stressbedingt einfach anfällig für die Überraschungsangriffe von Katzen. Auf der anderen Seite: Wo ausreichend Futter, Nist- und Versteckmöglichkeiten vorhanden sind, können sich die Vögel in der Regel auch erfolgreich fortpflanzen und Verluste durch Beutegreifer einschließlich der Katzen meist gut verkraften.

Was können Katzenhalter tun, um die Vögel besser zu schützen?
Um Überraschungsangriffen von Katzen vorzubeugen, sollten Futterstellen und Badeschalen immer mindestens zwei Meter von höherem Bewuchs platziert werden, damit sich Katzen nicht anschleichen oder verstecken können. Außerdem habe ich eine dringende Bitte an Katzenbesitzer: Lassen Sie während der Brut- und Setzzeit zwischen April und Juli möglichst wenig Streunen zu. Wenn bei Familie Meise gerade 10 bis 14 Jungvögel nach Futter betteln, ist für ständiges Sichern nicht ganz so viel Zeit wie sonst. Eine Kastration von Katern verhindert zudem deren sexuell motivierten, unstillbaren Drang zum Herumstreunen. Das bekannte Halsband mit Glöckchen ist sicher auch einen Versuch wert, allerdings können sich erfahrene Katzen darauf einstellen.

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