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Königswürde als Zeichen der Dankbarkeit verliehen

Mandy und Claas Wiechmann unterstützen mit ihrem Verein Ankwa Roots den Wiederaufbau einer Musik- und Tanzschule in Ghana

Die Musik- und Tanzschule in Accra ist Anlaufstelle für viele Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft. Foto: Wiechmann

Am 5. August laden die Saratoga Seven zum 33. Mal zu „Jazz auf der Oker“ ein –  präsentiert von der Neuen Braunschweiger. Die Musiker spielen wie immer ohne Gage für einen guten Zweck. 2016 ging ein Teil des Erlöses an den Verein Ankwa Roots, der sich in Ghana engagiert. Er unterstützte mit der Spende den Wiederaufbau einer Tanz- und Musikschule in Accra. Wir fragten einmal nach dem Stand der Dinge.

„Es war sehr, sehr berührend. Diese Wertschätzung ist mir ganz nahe gegangen“. Mandy Wiechmann ist immer noch ein bisschen gerührt und verlegen, wenn sie davon erzählt, dass ihr in einer feierlichen Namenszeremonie ein Königstitel verliehen wurde. Als Zeichen des Dankes für das Engagement und die Arbeit, die sie als 1. Vorsitzende des Vereins Ankwa-Roots in Accra, der Hauptstadt von Ghana leistet.

Seit elf Jahren macht sie das nun schon – ursprünglich inspiriert durch ihren Mann Claas, der sich bereits seit 22 Jahren für die Belange der Menschen in Accra starkmacht. Die beiden brennen für ihre selbst gestellte Lebensaufgabe, das wird im Gespräch deutlich.

Nach vier Jahren geht das derzeitige große Projekt des Vereins, der Neubau einer Musik- und Tanzschule im Armenviertel im Zentrum der Stadt seiner Vollendung entgegen. „Wir sind langsam und in kleinen Schritten zum Ergebnis gekommen. Das passt zu unserem kleinen Verein, und es passt zur Lebenseinstellung in Ghana: ’Slow but sure’ – langsam, aber gewiss“, erzählt Mandy Wiechmann. Im März war das Ehepaar zum Richtfest dort, inzwischen ist das Dach komplett mit Ziegeln gedeckt. Auf der Spitze: Eine tönerne Trommel, die von einer Schildkröte geschlagen wird. Sie ist das Symboltier des Stammes der Ga (Fischer), die hier direkt am Meer heimisch sind.

Bei dieser Reise im Frühjahr war eine Band aus der Region mit von der Partie, die das Projekt ebenfalls sehr unterstützt hat: Sister Soul & the Blaxperts. Die Musiker Tiana Kruskic und Billy Ray Schlag aus dem Raum Gifhorn nutzten die Gelegenheit zum musikalischen Austausch mit den Musikern vor Ort nur zu gern. Es gab ein gemeinsames Straßenkonzert, und sie durften die Königstrommeln spielen.

Und genau das ist es, was diese Musikschule sein soll: Ein Haus, in dem traditionelle Musik, Gesänge und Trommelrhythmen ebenso gepflegt werden, wie die Begegnung und der Austausch mit Musikern aus aller Welt. „Jeder, der daran Interesse hat, ist uns herzlich willkommen“, so Mandy Wiechmann, die von einem kleinen Aufnahmestudio in der Musikschule träumt.

Der Wiederaufbau der Osu Klottey Musik- und Tanzschule, die es seit rund 25 Jahren im Armenviertel gibt, und die vor einigen Jahren akut einsturzgefährdet war, ist ihr und ihrem Mann eine Herzensangelegenheit. Kwaabuette, wie die Schule auch genannt wird, zählt zu den ersten Musikschulen Westafrikas. Ihr Leiter, Adjarh Torto wurde in eines der größten Königshäuser Ghanas hineingeboren und zählt zu den bekanntesten Musikern der Hauptstadt. Das Gebäude ist zugleich Jugendzentrum und Treffpunkt, ein Ort der Begegnung und um Brücken zu bauen, in dem musiziert wird, und in dem Märchen erzählt werden, etwas das auch heute noch fest in der afrikanischen Kultur verankert ist.

Der Neubau der Schule habe nur mit Hilfe vieler Unterstützer realisiert werden können, jetzt stehe noch der Feinschliff bevor: „Das Haus muss noch von außen verputzt werden, und es soll noch ein Tanzplatz davor angelegt werden. Momentan sammeln wir Spenden für den benötigten Zement, Sand und Farbe“, so Claas Wiechmann. Anfang 2019 soll dann das große Finale stattfinden: Kinder und Künstler aus Ghana – eventuell auch zwei Graffitikünstler aus Braunschweig – sollen die Musikschule von außen farbenfroh und kunterbunt bemalen. „Passend zum Namen der Schule. Die heißt nämlich ‚Kwaabuette‘, und das bedeutet Regenbogen“, wird mir erläutert.

Und wenn das Projekt 2019 komplett abgeschlossen ist? Die Wiechmanns haben das Nächste schon fest im Blick: „Die Müllproblematik in Accra ist riesengroß, es gibt keine organisierte Müllabfuhr, und die Meeresströmung ist so ungünstig, dass hier quasi der Plastikmüll der ganzen Welt angeschwemmt wird. Das ist in den letzten zehn Jahren förmlich explodiert“. So organisieren sie regelmäßige Aufräumaktionen am Strand und wollen das Thema weiter vorantreiben. Claas Wiechmann hat mit der Müllkippe vor Ort Kontakt aufgenommen und würde am liebsten eine Müllverbrennungsanlage bauen (lassen). Es bleibt viel zu tun in Ghana …

Info

Nähere Informationen zum Verein Ankwa-Roots gibt es im Internet unter: www.ankwa-roots.org .
Wer das Projekt unterstützen möchte, findet hier auch Kontaktdaten sowie das Spendenkonto des Vereins.

Das Dach ist fertig: Jetzt fehlt nur noch der Feinschliff für die Außenfassade. Foto: Wiechmann
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