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Kolumne: In 80 Zeilen den Stiefel „erfahren“

Cinque Terre: Piratennester mit Charme und Gästen aus aller Welt

Im Hafen von Vernazza lässt die Abendsonne die Häuser noch pittoresker als am Tag erscheinen. Foto: Pöhlig

Bei aller Liebe zum italienischen Essen, wir finden, wir müssen nun mal etwas auf die Bremse treten. Jeden Tag mittags und abends Pizza, Pasta, Fisch oder Fleisch – das ist zu viel. Also beschließen wir, nach dem üppigen Frühstück in unserem Hotel in Monterosso, erst am Abend wieder etwas zu essen.

Ausgerechnet in Ligurien, im Cinque Terre, kommen wir auf diese Idee. Zunächst sind wir tapfer und planen einen Tagesausflug mit dem Zug, der uns durch zahlreiche Tunnel an der vermutlich wunderschönen Küste ins Dorf Manarola bringt. Das Boot wäre wohl die bessere Wahl gewesen. Auf dem Rückweg machen wir um etwa 16 Uhr Station in Corniglia Vernazza. Die Tapferkeit weicht langsam aber sicher einem fordernden Hungergefühl. Doch unsere Suche nach einem Restaurant bleibt erfolglos, vor 20 Uhr besteht keine Chance auf einen Tisch. Also fahren wir mit leerem Magen zurück nach Monterosso und schwören uns, erst in Braunschweig wieder zurückhaltender mit den Kalorien zu werden.

Anita Pöhlig (63) und Paul Becke (67) sind seit 48 Jahren ein Paar. Die gelernte Journalistin Pöhlig hat unter anderem 20 Jahre als dpa-Korrespondentin aus der Region berichtet, Paul Becke hat Jahrzehnte an der Hauptschule Sophienstraße unterrichtet. Von der Italienumrundung haben die beiden zwar schon lange geträumt, umgesetzt haben sie das Vorhaben dann aber sehr kurzfristig und ohne Vorbereitung. Rückfragen und -meldungen bitte an apoehlig@web.de

 

Das Warten hat sich gelohnt, nicht nur wegen des Essens. Rechts von uns sitzt ein australisches Paar, links von uns ein irisches, daneben ein amerikanisches. Während Paul sich mit vollem Mund eher wenig am Gespräch beteiligt, erfreue ich die anderen nach jedem Glas Wein mehr mit meinem miserablen Schulenglisch. Aber alle loben mich für meinen Mut dennoch Englisch zu sprechen und ihr Deutsch sei zudem viel schlechter, trösten sie mich. Satt und zufrieden gehen wir in unser Hotel zurück, für das wir uns aus pragmatischen Gründen entschieden hatten: Es ist die einzige Unterkunft mit einem Parkplatz.

Dass es auch eine Kapelle hat, wundert uns nur solange, bis wir zufällig in den Hotel-Informationen ganz klein gedruckt den Namen des Betreibers finden: Diözese Bozen. Die nette deutsche Hotelmanagerin bestätigt uns: Wir haben beim Papst übernachtet!

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