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Kolumne: In 80 Zeilen den Stiefel „erfahren“

Venedig und das Navi – Ehestreit vorprogrammiert

Ein Bild, das vermutlich um die halbe Welt ging: Im blumenumrankten Fenster das venezianische Treiben beobachten und beobachtet (fotografiert) werden. Foto: Becke/oh

O sole mio! Endlich kein Regen mehr, am Himmel sind blaue Inseln zu sehen. Auf nach Venedig – mit Öffis von Chioggia aus, das heißt: Linienboot, Linienbus, Linienfähre und schließlich Vaporetto, wie die Venezianer ihre Wasserbusse nennen.
Nach etwa eineinhalb Stunden liegt sie vor uns: La Serenissima, die Durchlauchtigste, wie Italiener Venedig nennen. Die auf mehr als 100 Inseln errichtete Stadt verdient den Superlativ. Ach, sie ist einfach so schön, da können auch Millionen Touristen nichts dran ändern.

Wir reihen uns in den Strom jener Millionen ein – wir sind nicht allein, wir haben das Handy als Navi. Damit finden wir bestimmt unser Ziel, den Sieger der Kunstausstellung Biennale. Und etwas anderes ist ebenfalls garantiert: Ein saftiger Ehestreit.

Anita Pöhlig (63) und Paul Becke (67) sind seit 48 Jahren ein Paar. Die gelernte Journalistin Pöhlig hat unter anderem 20 Jahre als dpa-Korrespondentin aus der Region berichtet, Paul Becke hat Jahrzehnte an der Hauptschule Sophienstraße unterrichtet. Von der Italienumrundung haben die beiden zwar schon lange geträumt, umgesetzt haben sie das Vorhaben dann aber sehr kurzfristig und ohne Vorbereitung. Rückfragen und -meldungen bitte an apoehlig@web.de

 

 

In den engen Gassen der Stadt ist das Navi schlicht überfordert, kann sich für keine Richtung entscheiden. Wir machen mit!
Der Urlaubspaul will rechts, ich links, das Navi geradeaus. Das hebt die Laune nicht! Irgendwann fragen wir einen Passanten und sind in wenigen Minuten an der Halle, in dem litauische Künstler mit einem künstlichen Strand voller Plastik das Urlaubsverhalten anprangern.

Eine der schwersten Entscheidungen folgt: Das erste Restaurant ist überfüllt, das zweite gefällt uns nicht, das dritte ist zu teuer, das vierte wieder überfüllt – wir sind erneut kurz vorm Ehekrach. Hunger ist wenig hilfreich. Also nehmen wir das Lokal, vor dem wir gerade stehen (in Venedig steht man eigentlich immer vor einem Lokal). Ein Glücksgriff! Preis und Qualität passen. Der Oberhammer ist aber unser Platz: In einem blumenumrankten Fenster blicken wir auf einen Kanal und lassen die Gondeln an uns vorbeigleiten.

Unser Platz gefällt auch anderen und sie zücken ihre Kameras, wohl um uns weltweit in ihre Fotoalben zu bringen! Das Model-Dasein gefällt uns und wir bleiben lange sitzen, beobachten und werden beobachtet. Herrlich! Wie gut, dass wir schon mal in Venedig waren, da müssen wir uns nichts weiter anschauen!

Irgendwann fahren wir zurück nach Chioggia. Wäre da nicht Venedig, wäre Chioggia berühmt. Auch hier Kanäle und Palazzi, alles nur ein paar Nummern kleiner als in Venedig. Nur zwei Dinge sind größer: der Fischereihafen, der größte Italiens, mit wunderschönen Kuttern und die Parkplätze! Nahe unserer FeWo steht unser Auto. Die Policia fahre regelmäßig vorbei, versichert unser netter Vermieter. Wir werden die Policia noch kennenlernen.

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