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Kolumne: In 80 Zeilen den Stiefel „erfahren“

Bari ohne Handy – das geht gar nicht!

Die schmucken Trulli-Häuser in Alberobello sind auch bei bewölktem Himmel ein Anziehungspunkt für Touristen. Foto: Pöhlig/oh

Mit Bari erreichen wir die größte Stadt in Apulien, Italiens südöstlichster Region. Mit rund 330 000 Einwohnern ist die Hafenstadt eine der wenigen Großstädte auf unserer Reise.

Auf einer Landzunge schiebt sich die Altstadt ins Meer hinaus. In den vielen Gassen wartet hinter jeder Biegung eine neue Überraschung: Mal ein wunderschöner Platz, mal eine Kirche, mal das Meer und mal kann man einen Blick in einen traumhaften Innenhof erhaschen.

Die berühmten Nudelfrauen von Bari waren leider noch nicht am Werk, in der Hauptsaison formen sie zur Freude der Touris Orecchiette-Nudeln auf der Straße.

Die Neustadt aus dem 19. Jahrhundert schließt sich direkt an, deren Einkaufsstraße Via Sparana mit ihren Jugendstilhäusern ist ein Traum. Jedenfalls für die Ehehälfte, die Schuhgeschäfte liebt. Die andere wird wie immer schnell ungeduldig. Also trennen wir uns, dank Handy werden wir uns ja wieder finden.

Ich besuche die Geschäfte, der Urlaubspaul sucht sich eine Bar, um bei einem Cappuccino zu lesen. Nach etwa 60 Minuten lasse ich sein Handy klingeln – und klingeln und klingeln. Netz habe ich!

Angesäuert laufe ich durch die Straßen. Bari ist groß, es gibt viele Cafés. Langsam werde ich wütend. Dann wechselt die Wut in Sorge. Wo ist der Mann, ist ihm etwa etwas passiert? Dann sehe ich ihn, friedlich sitzt er vor einer leeren Tasse und ist in sein E-Book vertieft. „Na, was gefunden“, fragt er fröhlich. Ja, endlich meinen Ehemann! Der Urlaubspaul hatte mal wieder vergessen, dass man ein Handy auch einschalten muss.

Eine ganz andere Welt erwartet uns in Alberobello – dem berühmtesten Trullidorf! Trulli kannten wir bisher nur als Nudelform und „du Trullo“ als wenig schmeichelhaftes Schimpfwort. Doch nun wissen wir, ein Trullo ist ein kleines rundes Haus aus dem 17. Jahrhundert, viele Trulli bilden ein Dorf!

Der Ursprung dieser hübsch anzusehenden Häuser hat einen schlichten Grund: Der Graf Giangirolama II Acquaviva d’Aragona (was für ein Name!) wollte keine Steuern an den König zahlen. Deshalb forderte er seine Bauern auf, diese Häuser zu bauen, die weder Zement noch Mörtel benötigten. Wenn eine königliche Inspektion drohte, wurden die Häuser ruckzuck abgebaut und fast genauso schnell später wieder aufgebaut. Ganz schön praktisch!

 

Anita Pöhlig (63) und Paul Becke (67) sind seit 48 Jahren ein Paar. Die gelernte Journalistin Pöhlig hat unter anderem 20 Jahre als dpa-Korrespondentin aus der Region berichtet, Paul Becke hat Jahrzehnte an der Hauptschule Sophienstraße unterrichtet. Von der Italienumrundung haben die beiden zwar schon lange geträumt, umgesetzt haben sie das Vorhaben dann aber sehr kurzfristig und ohne Vorbereitung. Rückfragen und -meldungen bitte an apoehlig@web.de.

 

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