Kolumne: In 80 Zeilen um die Welt

Glenans – wo die Bretagne wie ein Südsee-Atoll ist

Die Masten ankernder Segelyachten wie Grashalme im Wind auf den Glenans

Wir sind in Concarneau in der Südbretagne. Es gibt nicht viele solcher herrlichen Städte am Atlantik. Appartementhäuser mit Sonnenterrassen und Meerblick, dazwischen ein Leuchttürmchen, eine Kapelle am Stadtstrand, Straßencafés am Hafenbecken, die Ville Clos (umschlossene Altstadt) wie eine Festung im Wasser – und natürlich das L’Amiral. Das Speisezimmer von Jean-Luc Bannalecs Inspecteur Dupin.

Heute ist ein Menü nach Simenons Kommissar Maigret benannt: Überbackene Austern, Jakobsmuscheln an einem Spargel-Meeresfrüchte-Risotto, Tarte Tatin, dazu Cidre – absolut lecker!

Nach einer Stunde Fahrtzeit erreichen wir die Glenan-Inseln, ein flacher Archipel von sieben Sandhaufen, der anmutet wie ein Südsee-Atoll: Weißer Sandstrand und türkisfarbenes Wasser verzaubern Hunderte von Tagesgästen und Boot-Touristen. Zwei Bars gibt es auf St. Nicolas, der Hauptinsel, eine Naturschutzstation, einige wenige Ferienhäuser und ein Jugendcamp auf dem benachbarten Bannanec.

Lutz Tantow spinnt. Zumindest an dieser Stelle. Der promovierte Literaturwissenschaftler liebt das Reisen – vor allem auf dem Meer – und serviert in der NB in loser Folge Seemannsgarn und wahre Geschichten. Für Rückfragen, Hinweise oder Anmerkungen: tantow-lutz@t-online.de

 

„Wenn Sie zu der Insel wandern möchten, tun Sie es bitte gleich – am Nachmittag wird der Isthmus überflutet sein“, rät der Kapitän eines Ausflugsschiffs. Unmöglich, denken wir und beobachten die ankernden Segelyachten, deren Masten wie Grashalme im Wind hin- und herschwanken. Die Glenans gehören zur Gemeinde Fouesnant, zusammen mit Port-la-Foret das Mekka des Segelsports. Von dort kommen die weltbesten Segler, deren 40-Meter-langen Katamarane keine 80 Tage benötigen, um einmal um die Welt zu rauschen. Und die berühmteste Segelschule der Welt ist auf den Glenans beheimatet – sagen jedenfalls die Bretonen. Trophäen und Weltrekorde sprechen für sich. Entsprechend ist das Publikum auf den Glenans: Outdoor-Touristen und Wassersportler, Taucher und Surfer inklusive. Ansonsten liegt ein morbider Charme über dieser Inselwelt, die der eigentlichen entrückt zu sein scheint.

Als wir am Abend ablegen, ist der Strand zwischen den beiden Inselchen, an dem wir eben noch picknickten, tatsächlich verschwunden.

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