Kommentar

VW-Skandal: Führungsebene hat versagt.

Ingeborg Obi-Preuß

„Das ist bestimmt Sabotage“ – das war der erste Kommentar meiner Mutter zur aktuellen VW-Abgas-Affäre. Wir sind – wie so viele hier – eine VW-Familie. Mein Vater war Meister, meine Brüder sind oder waren auf unterschiedlichen Positionen im Werk.
Und jetzt dies. UNVORSTELLBAR – und das nicht nur für meine 82-jährige Mutter. Nein, wir alle hätten die Hand für „unser Werk“ ins Feuer gelegt. Aber – warum eigentlich? Vermutlich war es naiv zu glauben, dass es bei Volkswagen anders läuft. Eigentlich wussten wir doch Bescheid: enormer Konkurrenzdruck, die Schwierigkeiten auf dem amerikanischen Markt, rüder Umgangston, starke Hierarchien.
Immer wieder drangen Geschichten nach draußen, die zeigten, dass auch bei VW einige wenige „Silberrücken“ Angst verbreiten. „Ich will nicht hören, was nicht geht, ich will Lösungen, egal wie …“, „Wenn Sie das nicht schaffen, sind Sie wohl auf der falschen Position …“ und so weiter.
Aber „ich will Lösungen, egal wie“ – ist eine Ansage, mit der sich Chefs mitschuldig machen. Es ist ihre Aufgabe, gerade die Wege zu verantworten. Sie haben versagt.

Ingeborg Obi-Preuß

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