Komödie zieht ins Grüne: „Das wird richtig schnuckelig“ | Neue Braunschweiger
21. Juni 2020
Kulturelles

Komödie zieht ins Grüne: „Das wird richtig schnuckelig“

NB-Interview mit Florian Battermann – am 1. August hat sein neues Stück „Ich hasse dich – heirate mich!“ Premiere im Heinrich im Stadtpark

Manon Straché ist der Komödie und deren Chef Florian Battermann seit Jahren  freundschaftlich verbunden, demnächst stehen sie zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Foto: Axel Emmert

Östliches Ringgebiet. Die Komödie am Altstadtmarkt zieht um. Oder besser: Sie zieht aus, vorübergehend hinaus in den Biergarten am Heinrich im Stadtpark. Vom 1. August an wird eben dort Theater gespielt. Ein Gastspiel unter freiem Himmel, mit wunderbaren Schauspielern und einem neuen Stück, das Komödienchef Florian Battermann gemeinsam mit Freund und Theaterkollege Jan Bodinus geschrieben hat. Florian Battermann erzählt im NB-Interview, wie es dazu kam und was das nun bedeutet.

Sie haben dem Augenblick, wieder spielen zu dürfen, entgegengefiebert. Nun soll es am 1. August losgehen, kommt das jetzt trotzdem alles ein bisschen schnell und überraschend?
Auf einmal muss man sich eine völlig neue Spielstätte erschließen. Das ist schon sportlich. Wir haben 38 000 Kunden angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass es wieder losgeht. Alle haben postalisch unseren Flyer zugeschickt bekommen. Ich habe die vergangenen Wochen durchgearbeitet, aber ich will mich nicht beschweren. Wir wollen wieder spielen und Sie können sich bestimmt vorstellen, wie alle hier gejubelt haben, dass es nun soweit ist.

Was ist jetzt die größte Herausforderung?
Der Kartenvorverkauf auf unserer Homepage beginnt heute am Samstag. Unsere Theaterkasse öffnet wieder am 1. Juli. Wir haben also nur einen Monat Zeit für den Vorverkauf, das ist ziemlich sportlich. Und noch etwas ist anders: Sonst habe ich im Gefühl, ob etwas gut läuft oder nicht so gut. Ich glaube, dass die Leute kommen, ich hoffe, dass sie kommen, aber ich weiß es nicht, aber der Zuspruch ist jetzt schon enorm.

Theater unter freiem Himmel – ist das ein echter Befreiungsschlag nach den Wochen der Schließung oder doch mehr ein neues Wagnis?
Es ist beides. Es ist Befreiungsschlag, denn endlich haben wir wieder eine Perspektive. Und natürlich wollen wir alle arbeiten. Und wenn das Heinrich voll ist, dann hilft uns das, drei Monate länger durchzuhalten. Das verschafft uns drei Monate Luft, und nach den „Open-Air“-Vorstellungen haben wir schon Oktober. Wir könnten seit dieser Woche auch wieder im Theater spielen, das aber unter Bedingungen, unter denen kein Haus zu führen ist. Wenn ich daran denke, dass das Publikum die ganze Zeit über eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen müsste und das jetzt im Sommer, dann kann ich nur sagen, dass die Politik mal wieder mit zweierlei Maß misst. Trotzdem sind die Aufführungen unter freiem Himmel natürlich ein Wagnis, aber das bin ich als Selbstständiger gewohnt. Schon nach den ersten Veröffentlichungen, dass es wieder losgeht, klingelten hier die Telefone, das macht mich zuversichtlich, zumal es auch wieder ein Jahrhundertsommer werden soll.

Die Örtlichkeit am Heinrich ist sehr, sehr schön. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dort zu spielen?
Ja, die Location ist zauberhaft schön. Die Zuschauer können sich dazu eine Art Picknickkorb buchen oder vorher im Heinrich essen gehen, das wird ganz toll, sehr schnuckelig. Ich kannte das Heinrich natürlich, aber nach dem Corona-Lockdown waren wir wie gelähmt. Es war Manni Neumann vom Westend, der die Idee hatte. Bei einer Konferenz der Kulturtreibenden in Braunschweig haben wir zufällig nebeneinander gesessen, wir kannten uns nicht persönlich. Manni Neumann meinte, für seine Veranstaltungen sei das Heinrich zu klein, aber nicht für die Komödie. Er hat dann gleich noch den Kontakt zu Wirt Thomas Tägtmeyer hergestellt. Eine Woche später war ich im Heinrich zum Essen, da war gleich eine Sympathie da, ich denke, dass wir beide eher Machertypen sind. Wir haben das beredet und dann war das klar.

Auf welche Neuerungen muss sich das Publikum einstellen? Worauf müssen Sie speziell achten?
Ich habe ein 17-seitiges Hygienekonzept für das Gesundheitsamt geschrieben. Zum Glück hat uns dabei das Kulturinstitut, Frau Dr. Hesse, sehr geholfen und auch noch mal drauf geschaut. Danach wird es einen Theatereingang und einen fürs Wirtshaus geben. Die Tische stehen zwei Meter voneinander getrennt, sodass Platz für 156 Zuschauer bleibt. Wir bitten alle, mit einem Mund-Nasen-Schutz zu kommen, aber die dürfen dann später abgelegt werden. An einem Tisch dürfen Menschen aus zwei Haushalten sitzen. Die Einlasszeiten haben wir versetzt, sodass es auch zu Beginn nicht zu eng werden kann.

Oft vergehen Jahre, bis der Abstand groß genug ist, um ein bemerkenswertes Ereignis künstlerisch zu bearbeiten. War es für Jan Bodinus und Sie schwierig, dem Corona-Thema schon jetzt seine komischen Seiten abzugewinnen, obwohl wir noch mitten in der Krise stecken?
Ich sage immer: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Im März wäre es mit dem Lachen allerdings auch bei mir schwierig gewesen … Aber – und das ist wichtig – es geht in dem Stück nicht um Corona, davon wollen die Menschen langsam auch nichts mehr hören. Wir bauen die aktuelle Situation aber ein. Es lag nahe, die Geschichte während des Lockdowns spielen zu lassen. Wir machen es uns damit auf der Bühne und dem Publikum damit leicht. Denn ein Schauspieler, der mit einem Mund-Nasen-Schutz auftritt, braucht nur einen Meter Abstand zu halten.

Mit Jan Bodinus, einem Freund und Kollegen, haben Sie das neue Stück „Ich hasse Dich – heirate mich!“ geschrieben, erneut wird Manon Straché mitspielen. Wie fühlt es sich an, mit „alten Weggefährten“ nun auch dieses Schritt ins Heinrich zu wagen?
Manon Straché hat ihren 60. hier in Braunschweig gefeiert. Sie ist mehr wie eine Freundin und seit fünf Jahren eng verbunden mit dem Haus. Und Andreas Werth wird nicht nur die Regie führen, sondern er wird alternierend meine Rolle auf der Bühne übernehmen, wenn ich mal einen anderen Termin habe. Es gibt Leute, die sagen, dass wir uns sowieso total ähnlich sehen. Das ist mehr ein Klassentreffen unter Freunden, aber ich sage immer: Die Arbeit soll Spaß machen. Mit Problemen und Herausforderungen hat man es immer zu tun, da ist es schön zu wissen, wie die anderen ticken. Das ist besonders wichtig in Zeiten, in denen wir sowieso Stress haben. Noch nie hier gespielt hat nur Sarah Matberg, eine sehr erfahrene und gute Kollegin. Als Musicaldarstellerin hat sie eine gute Stimme und kann sich bewegen. Nach vielen Jahren im Schmidt-Theater freue ich mich, dass sie jetzt dabei ist.

Wann beginnen die Proben?
Am Montag, 6. Juli, geht es los. Wir proben immer einen Monat, das ist genauso wie sonst. Und hier wird es auch gleich losgehen, weil wir uns und auch Braunschweig schon kennen und nicht mehr lange einfühlen müssen. Also: Das ist alles kein Problem!

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